Wie bekomme ich eine Gehaltserhöhung?

Wer will nicht mehr Geld verdienen? Die Frage nach einer Gehaltserhöhung ist daher verständlich – die Kernfrage lautet jedoch: Ist die Gehaltserhöhung auch gerechtfertigt? Wer über mehr Gehalt verhandelt, sollte also gute Argumente haben. Leistungsargumente vor allem, wie es in der Fachsprache heißt. Eine Gehaltserhöhung ist dann gerechtfertigt, wenn Sie auch mehr Leistung bringen als bisher vereinbart oder deutlichen Mehrwert für das Unternehmen schaffen…

Wie bekomme ich eine Gehaltserhöhung?

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Wann habe ich Anspruch auf eine Gehaltserhöhung?

Ein Recht auf eine Gehaltserhöhung gibt es nicht. Das ist alles Verhandlungssache. Wie viel mehr Gehalt Sie am Ende herausholen, hängt vornehmlich von Ihrem Auftreten, Ihren Argumenten und Ihrem Verhandlungsgeschick ab. Es gibt aber diese 3 Ausnahmen:

  1. Tarif

    In tarifgebundenen Unternehmen richten sich die Löhne nach dem jeweils gültigen Tarifvertrag. An mögliche Tariferhöhungen ist der Arbeitgeber dann gebunden. Dies gilt auch für spezielle Betriebsvereinbarungen, nach denen die Vergütung an objektiven Kriterien wie Betriebszugehörigkeit oder Hierarchiestufen ausgerichtet ist.

    Lesetipp: Welche Vorteile habe ich im Öffentlichen Dienst?

  2. Diskriminierung

    In Deutschland gilt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das es Unternehmen untersagt, Menschen aufgrund ihres Alters, Geschlechts, ihrer Herkunft oder Religion zu diskriminieren – auch in punkto Gehalt. Der Nachweis ist allerdings schwer zu erbringen. Das Entgelttransparenzgesetz erlaubt es Arbeitnehmern daher, alle zwei Jahre das Gehalt von Kollegen in ähnlicher Position zu erfahren. Liegen Anzeichen auf Gehaltsdiskriminierung vor, könnte der Arbeitgeber gezwungen sein, mehr zu bezahlen.

  3. Betriebliche Übung

    Bei der betrieblichen Übung handelt sich um eine Art Gewohnheitsrecht. Zahlt ein Arbeitgeber beispielsweise jahrelang stets Urlaubs- oder Weihnachtsgeld oder andere Boni, können Arbeitnehmer damit rechnen, die Sonderzahlung auch weiterhin zu erhalten. Die betriebliche Übung kann unter Umständen auch eine Gehaltserhöhung rechtfertigen.

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Was sind gute Gründe für eine Gehaltserhöhung?

Letztlich werden Sie nur mit guten und überdurchschnittlichen Leistungen eine Gehaltserhöhung durchsetzen können. Gute Gründe beziehungsweise Anlässe sind überdies:

  • Eine Beförderung oder interner Stellenwechsel
  • Eine allgemeine Tariferhöhung
  • Der Abschluss eines erfolgreichen und wichtigen Projekts
  • Übernahme zusätzlicher Aufgaben und Verantwortung
  • Ein neuer Vorgesetzter
  • Der Jobwechsel zu einem neuen Arbeitgeber
  • Persönliche Weiterentwicklung und neue Fähigkeiten durch Fortbildungsmaßnahmen wie IT- oder Fremdsprachenkurse
  • Eine positive Geschäftsentwicklung des Arbeitgebers
  • Unterdurchschnittlicher Verdienst im Branchenvergleich oder im Vergleich mit Kollegen

Keine guten Argumente sind das gestiegene Alter, ein Betriebsjubiläum oder eine längere Betriebszugehörigkeit. Jemand, der fünf Jahre lang Dienst nach Vorschrift schiebt, kann auch nicht sagen: „Ich bin jetzt fünf Jahre älter, also verdiene ich mehr Geld!“ Der Forderung steht ja keine Leistung gegenüber. Oder anders formuliert: Wer mehr verdienen will, muss auch erklären können, warum sich das für den Arbeitgeber lohnt. Auch private Mehrausgaben rechtfertigen keine Gehaltserhöhung, egal, ob sie durch eine Familiengründung oder verschwenderischen Lebensstil hervorgerufen werden.

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Wie viel Geld kann ich bei einer Gehaltsverhandlung herausholen?

Als Faustregel können Sie sich merken: Eine Gehaltserhöhung von fünf bis zehn Prozent ist normal. Haben sich Ihre Aufgaben und Verantwortlichkeiten seit der letzten Gehaltsverhandlung nicht geändert, dürften fünf Prozent das obere Ende der Fahnenstange sein. Dies ist allerdings immer auch abhängig von der Konjunktur und der Unternehmenslage. Geht es dem Unternehmen wirtschaftlich gut, ist häufig auch mehr drin. Muss der Arbeitgeber hingegen Kosten sparen und womöglich sogar Stellen abbauen, ist Ihre Verhandlungsposition als Arbeitnehmer deutlich schwächer.

Bei einer Beförderung oder einem externen Jobwechsel sind unter Umständen sogar noch mehr drin als zehn oder 15 Prozent. Mehr als 20 Prozent sollten Sie allerdings nur in den seltensten Fällen verlangen, sofern Sie nicht den Arbeitgeber wechseln. Das wirkt erstens gierig und zweitens müsste diesem Gehaltsanstieg auch ein deutlicher Mehrwert und Leistungsanstieg gegenüberstehen.

Lesetipp: Muss ich mein bisheriges Gehalt im Bewerbungsgespräch nennen?

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Wie kann ich das Thema Gehaltserhöhung ansprechen?

Ergreifen Sie unbedingt selbst die Initiative – zum Beispiel im Mitarbeitergespräch oder Jahresgespräch mit Ihrem direkten Vorgesetzten. Sprechen Sie Ihren Wunsch nach einer Gehaltserhöhung aktiv an und untermauern ihn mit guten Argumenten. Allerdings gibt es einen schmalen Grat zwischen selbstbewusstem Auftreten und unverschämter Arroganz. Sie sollten stets freundlich, sachlich und ruhig bleiben. Drohungen oder Erpressungsversuche nach dem Motto „Wenn ich nicht 250 Euro mehr bekomme, bin ich weg“ sind absolut tabu. Bleiben Sie auch am Ende des Gehaltsgesprächs höflich und bedanken sich bei Ihrem Gesprächspartner – auch dann, wenn er Ihrem Anliegen eine Absage erteilt hat.

Wie kann ich den Wunsch nach einer Gehaltsvorstellung formulieren?

So können Sie eine mögliche Gehaltserhöhung mit Ihrem direkten Vorgesetzten thematisieren:

  1. Argumentieren

    Sie könnten sich so ausdrücken: „Es gibt noch eine Sache, die ich gerne ansprechen würde und das ist mein Gehalt. In den vergangenen zwei Jahren habe ich einige neue Kunden gewonnen, mehr Verantwortung im Team übernommen und mich insbesondere bei der Entwicklung und Pflege der IT-Datenbanken stark weitergebildet und verbessert. Darum bin ich der Meinung, dass mein Gehalt nicht mehr mit meinen Leistungen übereinstimmt und dass zehn Prozent mehr sehr angemessen wären.“

  2. Umformulieren

    Sprechen Sie von einer „Gehaltsanpassung“ und nicht von einer „Gehaltserhöhung“. Das mag spitzfindig klingen, kann psychologisch aber einen enormen Unterschied machen. Eine Gehaltserhöhung klingt latent nach „mehr Geld bezahlen“ – nach Erhöhung, aber ohne Grund. Bei der Gehaltsanpassung dagegen schwingt im Subtext mit, dass etwas bisher nicht korrekt war und deshalb „angepasst“ (korrigiert) werden muss – also gibt es dafür auch einen Grund. Worauf das hinausläuft, ist zwar in beiden Fällen dasselbe. Es kann – je nachdem wie Ihr Chef tickt – aber deutlich charmanter ankommen, nur eine „Gehaltsanpassung“ zu verhandeln.

  3. Aushalten

    Ein Fehler, den leider viele unerfahrene Gehaltsverhandler machen: Sie können Gesprächspausen überhaupt nicht ertragen, quasseln die unerträgliche Stille weg und reden sich dabei um Kopf und Kragen. Riesenfehler! Im Fachjargon wird das „standby stress“ genannt: In der Stille vor dem Handschlag entsteht besonderer Druck. Das muss man aushalten können. Wer jetzt die besseren Nerven hat, gewinnt. Nennen Sie also ruhig Ihr Wunschgehalt – so konkret wie möglich – ohne viel Blabla drum herum. Sagen Sie: „Ich möchte im kommenden Jahr 10 Prozent mehr verdienen.“ Dann sagen Sie nichts mehr. Sie schweigen. Lassen den Chef das verdauen, unterstreichen so aber zugleich Ihre Entschlossenheit. Natürlich wird er Sie fragen, warum. Und hierfür haben Sie auch starke Argumente. Diese nennen Sie – und schweigen wieder.

  4. Fragen

    Eine andere Strategie ist es, dem Chef eine Frage zu stellen: „Unter welchen Umständen würden Sie mir 150 Euro mehr im Monat bezahlen?“ Die Frage könnten Sie vorbringen, wenn Ihr Chef die Forderung nach mehr Gehalt von vornherein abblocken will. Ihr Vorgesetzter wird darüber nachdenken müssen – und vielleicht kommt er zu einem für alle Seiten zufriedenstellenden Schluss. Sie beide könnten im Einvernehmen Ziele definieren und deren Erreichung an eine Gehaltserhöhung koppeln.

Wie kann ich mich vorbereiten?

So bereiten Sie sich auf eine Gehaltsverhandlung vor:

Marktwert ermitteln

Wenn Sie für Ihre Position oder Ihren Aufgabenbereich vergleichsweise wenig verdienen, ist eine Gehaltserhöhung angebracht – gute Leistungen vorausgesetzt. Dafür müssen Sie aber zunächst die branchenüblichen Vergleichswerte recherchieren, zum Beispiel in Gehaltsportalen, Umfragen oder offiziellen Statistiken. Bei der Ermittlung eines fairen Gehalts spielen neben der Berufserfahrung auch Standort, Branche und Größe des Arbeitgebers eine Rolle.

Sie sind wohlgemerkt kein Bittsteller! Sie bitten schließlich nicht um Almosen, Sie verhandeln – um nicht weniger als den Gegenwert Ihrer (gegenwärtigen und künftigen) Arbeitsleistungen. Den sollten Sie genau kennen und selbstbewusst einfordern.

Leistungsmappe erstellen

Idealerweise legen Sie zur Vorbereitung auf das Gehaltsgespräch eine sogenannte Leistungsmappe an. Das klingt komplizierter als es ist. Die Leistungsmappe umfasst eine bis allerhöchstens drei DIN A4 Seiten und kann im Zweifelsfall sogar kurzfristig vor einer anstehenden Gehaltsverhandlung angelegt werden. Darin enthalten sind:

  • Eine kurze Arbeitsplatzbeschreibung
    Also alle Aufgaben und Verantwortungen aus dem Arbeitsvertrag. Das dient dazu, subtil hervorzuheben, wo Sie schon mehr leisten als Sie laut Vertrag müssten.
  • Eine ausführliche Leistungsbeschreibung
    Das ist der Hauptteil der Leistungsmappe. In dieser Liste führen Sie links fortlaufend Ihre Leistungen, abgeschlossenen Projekte und Erfolge ein; rechts daneben schreiben Sie die Anzahl von Stunden, die Sie investiert haben. Achtung: Überstunden sind nicht zwingend positiv. Wenn Sie wenig Zeit für ein gutes Ergebnis brauchen, zeigt das auch, dass Sie produktiv und effizient arbeiten.
  • Ihre Fort- und Weiterbildungen
    Haben Sie sich in der Vergangenheit zusätzliches Wissen und Know-How angeeignet? Dann steigert das Ihren Wert. Also rein damit!
  • Anerkennung und Lob
    Auch dieser Punkt liefert gute Argumente für die Gehaltserhöhung: Wenn Sie Ihr Chef, die Kollegen oder Kunden für Ihre Arbeit loben, ist das ein Indiz für hohen Mehrwert. Bei schriftlichem Lob können Sie auch eine Kopie des anerkennenden Schreibens einfügen.

Welche Fehler sollte ich im Gehaltsgespräch vermeiden?

Die folgenden klassischen Fehler bei der Gehaltsverhandlung sollten Sie unbedingt vermeiden:

  • Bitte keine Erpressungsversuche vom Typ „…sonst kündige ich!“
  • Verhandeln Sie nicht zwischen Tür und Angel – wählen Sie den richtigen Zeitpunkt.
  • Treten Sie nicht als Bittsteller auf – seien Sie selbstbewusst.
  • Werden Sie nie pampig oder beleidigend – immer sachlich und respektvoll bleiben.
  • Nie mit persönlichen Gründen argumentieren („Aber ich habe doch jetzt einen Kredit abzubezahlen!“) – Ihr Lebensstil interessiert nicht.
  • Argumentieren Sie nicht nur rückblickend – die künftigen Leistungen zählen.

Lesetipp: Wann muss ich mit meinen Gehaltsvorstellungen runtergehen?

Wann kann ich nach einer Gehaltserhöhung fragen?

Klassische Termine für die Gehaltsverhandlung sind das Jahresende beziehungsweise der Jahresanfang. Dort stehen in der Regel die Jahresgespräche oder Mitarbeitergespräche an. Sie sprechen mit dem Chef über das vergangene Jahr, Ihre Arbeit und das bisherige Erreichen der vormals vereinbarten Ziele sowie über zukünftige Leistungen, Projekte und Ziele. Dies ist ein guter Zeitpunkt, um dabei auch gleich über eine Gehaltserhöhung zu reden.

Sie können natürlich auch zu einem anderen Zeitpunkt mit dem Chef über Ihr Gehalt sprechen. Zwischen dem letzten Gehaltsgespräch und der neuen Gehaltserhöhung sollten allerdings mindestens zwölf Monate vergangen sein. Schließlich verhandeln Sie ja immer ein Jahresgehalt und keine Monatspauschale. Üblicher sind sogar zwei Jahre. Nach dieser Zeit spiegeln sich die eigenen Leistungen meist auch im Unternehmenserfolg wieder (im Einkauf und Vertrieb ist das natürlich anders – dort spürt man den Erfolg unmittelbar im Umsatz).

Darf ich um eine Gehaltserhöhung nach der Probezeit bitten?

Ja, denn das Ende der Probezeit stellt eine Zäsur dar. Sie haben die Einarbeitungsphase überstanden und sich bewährt. In der Regel haben Sie auch schon konkrete und mehr Aufgaben übernommen. Das rechtfertigt also durchaus eine Gehaltserhöhung – allerdings in der Regel von nicht mehr als fünf Prozent.

Die bessere Strategie ist: Erstmal richtig ankommen, Leistung zeigen, besser werden, Projekte übernehmen, Reputation aufbauen – und dann, nach zwei bis drei Jahren, eine ordentliche Gehaltserhöhung rausschlagen, die durch eine umfangreiche Leistungsmappe auch gut argumentiert werden kann.

Lesetipp: Sollte ich kurz nach der Probezeit kündigen?

Kann ich trotz jährlicher Erhöhung nach einer Gehaltserhöhung fragen?

Es soll Unternehmen geben, die die Gehälter der Belegschaft regelmäßig nach oben anpassen. Das ist für die meisten erfreulich, kann aber auch eine Taktik sein, um individuelle Gehaltsverhandlungen zu unterbinden. Für eine Gehaltsverhandlung außer der Reihe benötigen Sie noch mehr Fingerspitzengefühl als sonst. Sie wollen schließlich nicht undankbar und unverschämt erscheinen. Dennoch können Sie Sie guten Gewissens um mehr Gehalt verhandeln, wenn Sie finden, dass die jährliche Gehaltsanpassung nicht Ihre Mehrleistung widerspiegelt.

Kann ich nachverhandeln, wenn ich zu niedrig angesetzt habe?

Leider nein. Beziehungsweise erst wieder, wenn es neue Argumente für mehr Geld gibt. Eine gute und umfangreiche Vorbereitung liegt in Ihrer Verantwortung. Schlampigkeiten muss der Chef nicht bezahlen. Sobald die Verhandlung abgeschlossen ist und Sie sich die Hand geben, gilt das Ergebnis. Sie haben sich schließlich darauf geeinigt. Wenn Sie den Eindruck haben, über den Tisch gezogen worden zu sein und immer noch ungerecht bezahlt zu werden, bleibt Ihnen kurzfristig nur ein Arbeitgeberwechsel.

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