Wie bekomme ich eine Gehaltserhöhung?

Wer will das nicht: mehr Geld verdienen?! Die Frage nach einer Gehaltserhöhung ist daher verständlich – die Kernfrage lautet jedoch: Ist die Gehaltserhöhung auch gerechtfertigt? Wer über mehr Gehalt verhandelt, sollte also gute Argumente haben. Leistungsargumente vor allem, wie es in der Fachsprache heißt. Oder anders formuliert: Eine Gehaltserhöhung ist dann gerechtfertigt, wenn Sie auch mehr Leistung bringen als bisher vereinbart oder deutlichen Mehrwert für das Unternehmen schaffen…

Wie bekomme ich eine Gehaltserhöhung?

Was sind die besten Tipps für eine Gehaltserhöhung?

Zunächst einmal muss man feststellen: Ein Recht auf eine Gehaltserhöhung gibt es nicht. Das ist alles reine Verhandlungssache. Oder anders formuliert: Wie viel mehr Gehalt Sie am Ende herausholen, hängt vornehmlich von Ihrem Auftreten, Ihren Argumenten und Ihrem Verhandlungsgeschick ab.

Umso mehr kommt es auf eine gute Vorbereitung auf das Gehaltsgespräch an. Idealerweise legen Sie hierfür eine sogenannte Leistungsmappe an.

Das klingt komplizierter als es ist. Die Leistungsmappe umfasst eine bis allerhöchstens drei DIN A4 Seiten und kann im Zweifelsfall sogar kurzfristig vor einer anstehenden Gehaltsverhandlung angelegt werden.

Darin enthalten sind:

  • Eine kurze Arbeitsplatzbeschreibung. Also alle Aufgaben und Verantwortungen aus dem Arbeitsvertrag. Das dient dazu, subtil hervorzuheben, wo Sie schon mehr leisten als Sie laut Vertrag müssten.
  • Eine ausführliche Leistungsbeschreibung. Das ist der Hauptteil der Leistungsmappe. In dieser Liste führen Sie links fortlaufend Ihre Leistungen, abgeschlossenen Projekte und Erfolge ein; rechts daneben schreiben Sie die Anzahl von Stunden, die Sie investiert haben. Achtung: Überstunden sind nicht zwingend positiv. Wenn Sie wenig Zeit für ein gutes Ergebnis brauchen, zeigt das auch, dass Sie produktiv und effizient arbeiten.
  • Ihre Fort- und Weiterbildungen. Haben Sie sich in der Vergangenheit zusätzliches Wissen und Know-How angeeignet? Dann steigert das Ihren Wert. Also rein damit!
  • Anerkennung und Lob. Auch dieser Punkt liefert gute Argumente für die Gehaltserhöhung: Wenn Sie Ihr Chef, die Kollegen oder Kunden für Ihre Arbeit loben, ist das ein Indiz für hohen Mehrwert. Bei schriftlichem Lob können Sie auch eine Kopie des anerkennenden Schreibens einfügen.

Letztlich werden Sie nur mit guten und überdurchschnittlichen Leistungen eine Gehaltserhöhung durchsetzen können. Gute Gründe beziehungsweise Anlässe sind überdies:

  • Eine Beförderung oder interner Stellenwechsel
  • Eine allgemeine Tariferhöhung
  • Der Abschluss eines erfolgreichen und wichtigen Projekts
  • Übernahme zusätzlicher Aufgaben
  • Ein neuer Vorgesetzter
  • Der Jobwechsel zu einem neuen Arbeitgeber

Extra-Tipp

Die folgenden klassischen Fehler bei der Gehaltsverhandlung sollten Sie unbedingt vermeiden:

  • Bitte keine Erpressungsversuche vom Typ „…sonst kündige ich!“
  • Vergleichen Sie sich nicht mit Kollegen – Sie verhandeln IHR Gehalt.
  • Verhandeln Sie nicht zwischen Tür und Angel – wählen Sie den richtigen Zeitpunkt.
  • Treten Sie nicht als Bittsteller auf – seien Sie selbstbewusst.
  • Werden Sie nie pampig oder beleidigt – immer sachlich und respektvoll bleiben.
  • Nie mit persönlichen Gründen argumentieren – Ihr Lebenstil interessiert nicht.
  • Argumentieren Sie nicht nur rückblickend – die künftigen Leistungen zählen.

Wie spreche ich das Thema Gehalt am besten an?

Ergreifen Sie unbedingt selbst die Initiative. Und sprechen Sie dann von einer Gehaltsanpassung statt von einer „Gehaltserhöhung. Das mag spitzfindig klingen, kann psychologisch aber einen enormen Unterschied machen.

  • Eine Gehaltserhöhung klingt latent nach „mehr Geld bezahlen“ – nach Erhöhung, aber ohne Grund.
  • Bei der Gehaltsanpassung dagegen schwingt im Subtext mit, dass etwas bisher nicht korrekt war und deshalb „angepasst“ (korrigiert) werden muss – also gibt es dafür auch einen Grund.

Worauf das hinausläuft, ist zwar in beiden Fällen dasselbe. Es kann – je nachdem wie Ihr Chef tickt – aber deutlich charmanter ankommen, nur eine „Gehaltsanpassung“ zu verhandeln.

Allerdings gibt es einen schmalen Grat zwischen selbstbewusstem Auftreten und unverschämter Arroganz. Verhandlungen laufen gerne heiß. Dennoch sollten Sie stets freundlich, sachlich und ruhig bleiben. Vor allem am Schluss des Gehaltsgesprächs.

Ein Fehler, den leider viele unerfahrene Gehaltsverhandler machen: Sie können Gesprächspausen überhaupt nicht ertragen, quasseln die unerträgliche Stille weg und reden sich dabei um Kopf und Kragen. Riesenfehler! Im Fachjargon wird das standby stress genannt: In der Stille vor dem Handschlag entsteht besonderer Druck. Das muss man aushalten können. Wer jetzt die besseren Nerven hat, gewinnt.

Nennen Sie also ruhig Ihr Wunschgehalt – so konkret wie möglich – ohne viel Blabla drum herum. Sagen Sie: „Ich möchte im kommenden Jahr 10 Prozent mehr verdienen.“ Und dann sagen Sie nichts mehr. Sie schweigen. Lassen den Chef das verdauen, unterstreichen so aber zugleich Ihre Entschlossenheit. Natürlich wird er Sie fragen, warum. Und hierfür haben Sie – dank Leistungsmappe – auch starke Argumente. Diese nennen Sie – und schweigen wieder.

Sie sind eben kein Bittsteller! Sie bitten schließlich nicht um Almosen, Sie verhandeln – um nicht weniger als den Gegenwert Ihrer (gegenwärtigen und künftigen) Arbeitsleistungen. Den sollten Sie genau kennen und selbstbewusst einfordern.

Wie viel Gehalt kann ich bei einer Gehaltsverhandlung herausholen?

Als Faustregel können Sie sich merken: Zwischen fünf und zehn Prozent sind normal.

Das ist allerdings auch ein bisschen abhängig von der Konjunktur und der Unternehmenslage. Geht es dem Unternehmen wirtschaftlich gut, ist meist auch mehr drin. Muss der Arbeitgeber hingegen gerade Kosten sparen und vielleicht noch Stellen abbauen, könnte es ein wenig unsensibel wirken, wenn Sie in dieser Phase auch noch mehr Geld haben wollen.

Bei einer Beförderung oder einem externen Jobwechsel ist unter Umständen sogar noch mehr drin. Mehr als 20 Prozent sollten Sie allerdings nie verlangen. Das wirkt gierig. Und dem müsste auch schon ein deutlicher Mehrwert und Leistungsanstieg gegenüberstehen, um das zu rechtfertigen.

Wann kann ich nach einer Gehaltserhöhung fragen?

Klassische Termine für die Gehaltsverhandlung sind das Jahresende beziehungsweise der Jahresanfang. Dort stehen in der Regel die sogenannten Jahresgespräche oder Mitarbeitergespräche an. Das heißt: Sie sprechen mit dem Chef über das vergangene Jahr, Ihre Arbeit und das bisherige Erreichen der vormals vereinbarten Ziele. Sowie über zukünftige Leistungen, Projekte und Ziele.

Alles in allem also auch ein guter Zeitpunkt, um dabei gleich über eine Gehaltserhöhung zu sprechen.

Daneben können Sie natürlich auch zu einem anderen Zeitpunkt mit dem Chef über Ihr Gehalt sprechen. Zwischen dem letzten Gehaltsgespräch und der neuen Gehaltserhöhung sollten allerdings mindestens zwölf Monate vergangen sein. Schließlich verhandeln Sie ja immer ein Jahresgehalt und keine Monatspauschale.

Üblicher sind sogar zwei Jahre. Solange, sagt man, braucht es bis die eigenen Leistungen sich auch im Unternehmenserfolg wiederspiegeln (im Einkauf und Vertrieb ist das natürlich anders – dort spürt man den Erfolg unmittelbar im Umsatz).

Das gestiegene Alter, ein Betriebsjubiläum oder eine längere Betriebszugehörigkeit sind übrigens keine guten Argumente. Jemand, der fünf Jahre lang Dienst nach Vorschrift schiebt, kann auch nicht sagen: „Ich bin jetzt fünf Jahre älter, also verdiene ich mehr Geld!“ Der Forderung steht ja keine Leistung gegenüber. Oder anders formuliert: Wer mehr verdienen will, muss auch erklären können, warum sich das für den Arbeitgeber lohnt.

Darf ich nach der Probezeit nach einer Gehaltserhöhung fragen?

Kurze Antwort: Ja. Das Ende der Probezeit stellt eine Zäsur dar. Sie haben die Einarbeitungsphase überstanden und sich bewährt. In der Regel haben Sie auch schon konkretere und immer mehr Aufgaben übernommen. Das rechtfertigt also durchaus eine Gehaltserhöhung.

Allerdings jetzt auch nicht von mehr als 5 Prozent. Schließlich sind Sie noch kein Jahr in der Firma. Seien Sie also auch nicht zu unverschämt bei Ihren Forderungen. Es gilt ja zunächst der bisherige Arbeitsvertrag und damit das Gehalt, was Sie darin verhandelt haben.

Die bessere Strategie ist: Erstmal richtig ankommen, Leistung zeigen, besser werden, Projekte übernehmen, Reputation aufbauen – und dann, nach zwei bis drei Jahren, eine ordentliche Gehaltserhöhung rausschlagen, die durch eine umfangreiche Leistungsmappe auch gut argumentiert werden kann.

Kann ich trotz jährlicher Erhöhung nach einer Gehaltserhöhung fragen?

Es gibt tatsächlich (wenn auch selten) Arbeitgeber, die die Gehälter der Belegschaft regelmäßig nach oben anpassen. Das ist für die meisten erfreulich, kann aber auch eine Taktik sein, um individuelle Gehaltsverhandlungen zu unterbinden.

Für eine solche Gehaltsverhandlung benötigen Sie noch mehr Fingerspitzengefühl als sonst. Sie wollen schließlich nicht undankbar und unverschämt erscheinen. Dennoch dürfen Sie auch mehr Gehalt verhandeln, wenn Sie finden, die jährliche Gehaltsanpassung spiegeln nicht unbedingt Ihre Mehrleistung wider.

Auch hier gilt wieder das oben schon Gesagte: Argumentieren Sie ausschließlich über Ihre bisherigen und künftigen Leistungen. Und rechnen Sie vor, wie viel (mehr) Sie dem Unternehmen bringen.

Kann ich nachverhandeln, wenn ich zu niedrig angesetzt habe?

Leider nein. Beziehungsweise erst wieder, wenn es neue Argumente für mehr Geld gibt. Eine gute und umfangreiche Vorbereitung liegt in Ihrer Verantwortung. Schlampigkeiten muss der Chef nicht bezahlen. Sobald die Verhandlung abgeschlossen ist und Sie sich die Hand geben, gilt das Ergebnis. Sie haben sich schließlich darauf geeinigt.

Wenn Sie den Eindruck haben, über den Tisch gezogen worden zu sein und immer noch ungerecht bezahlt zu werden, bleibt Ihnen kurzfristig nur ein Arbeitgeberwechsel.

[Bildnachweis: ra2studio by Shutterstock.com]
6. November 2019 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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