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Wie viel kann ich bei der Gehaltsvorstellung verlangen?

Ein Gastartikel von Susan Moldenhauer

Der Job klingt vielversprechend, das Unternehmen gehört zu den Wunscharbeitgebern und das Aufgabenprofil hört sich interessant und herausfordernd an. Die eigene Qualifikation und Erfahrung passt, also nehmen wir die Herausforderung doch gern an. So weit, so gedankenversunken beim Stöbern durch die Stellenanzeigen, bis wir über den nächsten Satz stolpern: „Bitte richten Sie Ihre Bewerbungsunterlagen unter Angabe Ihrer Gehaltsvorstellung an XYZ.“

Wie viel kann ich bei der Gehaltsvorstellung verlangen?

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Wie ermittele ich meinen Marktwert?

Schon geht das Gehälterraten los: Woher soll ich denn wissen, was das Unternehmen für diese Stelle zahlt? Und das am besten noch auf den Euro genau? Woher weiß ich, wie viel ich verlangen kann? Und wie leite ich eine angemessene Gehaltsvorstellung ab, ohne zu hoch zu pokern oder zu tief zu stapeln? Wie ermittele ich meinen eigenen Wert, meinen Marktwert – und was ist das eigentlich?

Was wie ein Begriff aus der Betriebswissenschaft klingt, ist nichts anderes als der Preis, den ein Arbeitgeber für eine zu erbringende Leistung zu zahlen bereit ist. Demzufolge bringen Sie als Mitarbeiter im Unternehmen oder als Bewerberin auf einen Job einen Wert ein. Das ist Ihr individueller Marktwert, der sich aus mehreren Komponenten zusammensetzt:

  • Ihre Ausbildung mit dem eigenen Wissen und Können
  • Ihre Berufserfahrung und fachlichen Kompetenzen
  • Ihre Talente, Stärken und Schwächen
  • Ihre sozialen und personalen Kompetenzen
  • Ihre persönlichen Werte und Antreiber
  • Ihre Risikobereitschaft (Komfortzone verlassen)

Auch, wenn Sie sich als Berufseinsteiger auf Stellensuche begeben, bringen Sie über frühere Nebenjobs, Engagements in Vereinen, im Ehrenamt oder als Trainer im Sportclub oder ähnliches entsprechende Erfahrungswerte mit. Daraus können Sie Fähigkeiten und Kenntnisse für den (späteren) Job ableiten.

Was unterscheidet mich von anderen?

Die Kombination aus Ihrer Qualifikation, einschlägigen Erfahrungen, Ihren Spezialkenntnissen, Ihren Werten und Antreibern gepaart mit Ihrer Persönlichkeit ergibt ein Gesamtbild, das Sie von anderen Mitbewerbern auf dem Arbeitsmarkt unterscheidet. Sie sollten sich deshalb auch Gedanken dazu machen, was genau Sie von anderen unterscheidet, wo Ihre Talente liegen und was Sie erreichen möchten. Einfach nur einen Job, um den Lebensunterhalt zu verdienen? Oder eine Herausforderung, an der Sie wachsen, sich weiterentwickeln können?

Was will ich erreichen?

Was genau ist es, was Sie in Ihrem Bereich bewegen möchten? Welche Herausforderungen sehen Sie in Ihrer Zielbranche und bei Ihrem Zielarbeitgeber? Wie wollen Sie diese Herausforderungen angehen? Welche Lösungen haben Sie für Problem X?

Je genauer Sie sich mit diesen Fragen beschäftigen, umso konkreter können Sie ableiten, was Sie ausmacht und welchen Wert das für den Arbeitgeber hat. Kombiniert mit dem nächsten Schritt, nämlich der Gehaltsrecherche, können Sie ein klares Gehaltsziel für sich ableiten, das Sie im Bewerbungsgespräch oder bei der nächsten Gehaltsverhandlung gut vertreten können.

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Wie recherchiere ich mein Wunschgehalt?

Es gibt viele gute Plattformen im Netz, die sich zur Gehaltsrecherche anbieten. Dazu können Sie die Suchmaschinen nach Begriffen, wie „Gehaltsvergleich“ oder „Gehaltsstatistik“ oder ähnliches durchforsten. Zudem können Sie „Was verdient ein (Zielberuf)?“ ins Suchfeld eingeben. Nachfolgend ein paar Beispiele aus dem Netz:

Daneben gibt es Gehaltsrechner, die die Arbeitsagentur und das Statistische Bundesamt entwickelt haben:

  • entgeltatlas.arbeitsagentur.de
  • service.destatis.de/DE/gehaltsvergleich

Auch auf den klassischen Online-Jobbörsen lassen sich Gehälter recherchieren. Ebenso offline:

  • Karriereberater, Personaldienstleister
  • Gewerkschaften
  • Karrieremessen
  • Berufsverbände
  • (Ehemalige) Kollegen, Freunde, Bekannte
  • Netzwerke
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Wovon hängt die Gehaltshöhe noch ab?

Auf das Gehalt wirken sich weitere Punkte, wie die Branche, der Standort und die Größe des Unternehmens aus. So fällt das Gehalt eines „Key Account Managers“ in der Pharmabranche oder Softwareindustrie wesentlich höher aus als im Bereich Hotel und Gastronomie oder der Werbewirtschaft.

In international aufgestellten Konzernen sind die zu erwartenden Gehälter meist höher als im Bereich der kleineren und mittelständischen Unternehmen. Und ein Start-Up wird nicht mit mit einem hohen Gehaltsscheck um die Gunst der Nachwuchstalente werben, sondern eher mit der Arbeit im dynamischen Umfeld und dem Gründerteam „zum Anfassen“.

Auch die Frage, ob das Unternehmen in einem Ballungsgebiet, im Norden oder Süden Deutschlands oder im ländlichen Raum angesiedelt ist, wirkt sich auf das Gehalt aus. In teuren Lagen, wie München oder im Rhein-Main-Gebiet werden höhere Gehälter gezahlt. Im ländlichen Raum kommt es drauf an: Handelt es sich um ein Unternehmen, das als „Hidden Champion“ ganz oben in der Liga mitspielt und auf gute Köpfe angewiesen ist, kann es auch mal sein, dass die Gehälter den ansonsten geltenden Lohndurchschnitt der Lage nach oben ziehen.

Wie leite ich mein persönliches Gehaltsziel ab?

Nach der Recherche werden Sie einen ungefähren Rahmen, eine Gehaltsspanne für die gesuchte Stelle haben. In der Regel werden die Gehälter als Jahresgehälter angegeben, was bedeutet:

Rechnen und planen Sie immer in Jahresgehältern. Unter Berücksichtigung Ihres Marktwerts, insbesondere Ihrer Spezialkenntnisse, verbunden mit Ihrer Herangehensweise an Herausforderungen, die sich im neuen Job stellen können, können Sie sich zum Beispiel am höheren Ende der möglichen Gehaltsskala ansiedeln. Bringen Sie Führungserfahrung mit, dann können Sie Ihr Gehaltsziel ebenfalls höher ansiedeln.

Wie stecke ich meinen Verhandlungsrahmen ab?

Jetzt gehen Sie ans Ableiten Ihres individuellen Wunschgehalts, indem Sie sich einen Bereich von drei Zielgrößen abstecken: Ihr Maximal- und Minimalziel und eine Alternativgröße dazwischen. Ihr Minimalziel stellt Ihre „unterste Schmerzgrenze“ dar, also der Wert, zu dem Sie noch bereit sind, anzutreten.

Dieses unterste Ziel sollten Sie bitte für sich behalten, auch wenn man Sie im Vorstellungsgespräch danach fragt. „So, Herr oder Frau XY, sagen Sie, welches Gehalt möchten Sie denn mindestens hier verdienen?“ Hier wird nach Ihrer untersten Gehaltsgrenze gefragt, um im Gespräch einen niedrigen Anker zu platzieren.

Der Trick dahinter: Die erstgenannte Zahl dient als Anker, an dem sich im Lauf einer Verhandlung die Verhandlungspartner unbewusst orientieren. Ein Höherverhandeln ist fast unmöglich, wenn bereits ein niedriger Wert im Raum steht. Nennen Sie im Gespräch ein konkretes Ziel und gehen Sie mit Ihrem Maximalziel ins Rennen.

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Was, wenn ich zu viel verlange?

Hinter dieser Frage steht oft die Angst vor der Auseinandersetzung im Bewerbungs- oder Verhandlungsgespräch. Mit einer guten Vorbereitung sorgen Sie dafür, dass Ihre Argumente Ihr Gehaltsziel gut untermauern.

Bereiten Sie drei bis fünf gute Argumente vor, warum gerade Sie den Job zu Ihrem Gehaltswunsch erhalten sollten. Mit Ihren drei Gehaltszielen haben Sie einen Verhandlungsrahmen, innerhalb dessen Sie sich im Gespräch bewegen können. Falls es nicht mit dem Maximalziel klappt, greift Ihre Alternativgröße, die Ihnen beim Verhandeln als unterste Grenze dient und über Ihrem echten Minimalziel liegt.

Wie gehe ich mit dem Gehaltswunsch im Berwerbungsschreiben um?

Die Aufforderung aus der Stellenanzeige „Bitte richten Sie Ihre aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen unter Angabe Ihrer Gehaltsvorstellung an…“ sollte nicht ignoriert werden. Doch auch ohne eine konkrete Gehaltsangabe zu machen, können Sie signalisieren, dass Sie diese Aufforderung wahrgenommen haben.

Überlegen Sie sich dazu eine passende Formulierung für Ihr Anschreiben. Diese Formulierung sollte Ihre Haltung wiedergeben, zu der Sie nach ein paar Überlegungen selbst gelangt sind. Folgende Gedanken können Sie sich bei der Aufbereitung Ihres Bewerbungsanschreibens dazu machen:

  • „Über das Gehalt möchte ich gern im Rahmen eines persönlichen Gesprächs sprechen.“
  • „Für mich gehören Details, wie die Bezahlung ins persönliche Bewerbungsgespräch.“
  • „Meine Gehaltsvorstellung bewegt sich im branchenüblichen Rahmen.“

Was passiert hierdurch? Mithilfe dieser Gedanken verliert die Gehaltsfrage ihren Schrecken, den sie vielleicht noch in Ihrem Kopf auslöst.

Wie kann ich mich bei der Gehaltsvorstellung positiv abgrenzen?

Leiten Sie Formulierungen ab, die zu Ihnen passen und Ihre Persönlichkeit widerspiegeln. Es wird Ihnen nicht helfen, wenn Sie einen der oberen Beispielsätze in Ihr Anschreiben hineinkopieren, wenn er stilistisch überhaupt nicht zu Ihrem Ausdruck passt. Das wird auffliegen.

Über die Autorin
Susan J. Moldenhauer ist Karriere- und Finanzcoach und unterstützt Menschen im (Berufs)Leben. Dabei schlägt sie thematisch die Brücke von der richtigen Haltung zu Geld- und Finanzfragen, über den gesunden Selbstwert bis zum gekonnten Vermarkten der eigenen Leistungen.

[Bildnachweis: Christina Czybik]

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