Was kann ich mit einem Psychologie Studium machen?

Das Psychologie Studium zählt eindeutig zu den populärsten – und zu den faszinierendsten. Über 90.000 Studierende waren im Wintersemester 2019/20 in Psychologie eingeschrieben. Im Ranking der beliebtesten Studienfächer liegt die Seelenkunde damit auf Platz 6. Trotzdem sollte sich niemand blindlings für Psychologie einschreiben. Es gibt auch Argumente, die gegen ein Psychologie Studium sprechen…

Was kann ich mit einem Psychologie Studium machen?

Ist ein Psychologie Studium das Richtige für mich?

Psychologie darf man getrost als Sonderling unter den akademischen Fächern bezeichnen. Das Fach ist ein Zwischending aus einer Natur- und einer Geisteswissenschaft.

Die „Lehre der Seele“ ist eine empirische Wissenschaft, die der ewig jungen Frage nachgeht, warum sich Menschen so verhalten, wie sie sich verhalten. Die wissen will, welche inneren und äußeren Ursachen für menschliches Verhalten ausschlaggebend sind. Klar ist, dass neben biologischen Faktoren auch soziokulturelle eine wichtige Rolle spielen.

Psychologie übt eine ungeheure Faszination aus. Man sollte sich von den Hollywood-Dramen, in denen Psychiater den Superhelden oder Oberschurken auf der Couch therapieren, aber nicht blenden lassen. Psychologie ist mysteriös und fantastisch, aber bisweilen auch staubtrocken und hammerhart. Nicht wenige, die sich während des Grundstudiums mit Grausen wieder abgewendet haben.

Wer ein Psychologie Studium aufnehmen möchte, sollte über diese Eigenschaften und Fähigkeiten verfügen:

  1. Empathie

    Interesse für andere Menschen ist die Grundvoraussetzung. Psychologen müssen gute Zuhörer sein – nicht aus Höflichkeit, sondern weil es sie ehrlich interessiert, was der andere zu sagen hat. Neben Empathie ist auch ein gutes Erinnerungsvermögen hilfreich.

  2. Logisches Denkvermögen

    In Psychologie werden Zusammenhänge hergestellt. Ursache und Wirkung. Die richtigen Fragen stellen, die richtigen Schlüsse ziehen, logische Kausalketten bilden – das ist die Aufgabe von Psychologen. Psychologie erfordert einen Rundumblick – und ein Mindestmaß an Intelligenz.

  3. Englischkenntnisse

    Zwar haben die größten Psychologen der Geschichte – Sigmund Freud, Alfred Adler, Carl Gustav Jung, Kurt Lewin, Erich Fromm – allesamt deutsch gesprochen. Die Fachliteratur in Psychologie wird heute aber größtenteils auf englisch verfasst. Englischkenntnisse gehören dazu, wenn man erfolgreich Psychologie studieren will. Allerdings gilt das mittlerweile wohl für jedes andere Studienfach auch…

  4. Mathe-Affinität

    Während des Psychologie-Studiums kommen Sie mit reichlich Statistik und Datenanalyse in Berührung. Wer ernsthaft geglaubt hat, Psychologie sei ein weiches Laberfach, sollte schleunigst umdenken.

Einige Hochschulen bieten Self-Assessments an, mit denen Sie Ihre Eignung für ein Psychologie-Studium prüfen können, zum Beispiel die Uni Frankfurt.

Wo kann ich Psychologie studieren?

Laut Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz gibt es in Deutschland fast 150 grundständige Studiengänge in Psychologie. Damit sind in der Regel Bachelor-Fächer gemeint. Darüber hinaus werden deutschlandweit rund 185 weiterführende Studiengänge in Psychologie, also meist Master-Studiengänge, angeboten.

Die besten deutschen Universitäten im Fach Psychologie sind laut World University Rankings 2020 des Magazins Times Higher Education in dieser Reihenfolge:

  • Ludwig-Maximilians-Universität München
  • Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
  • Humboldt-Universität zu Berlin
  • Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
  • Eberhard Karls Universität Tübingen
  • RWTH Aachen
  • Rheinische-Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
  • Freie Universität Berlin
  • Georg-August-Universität Göttingen
  • Universität Ulm
  • Universität Hamburg
  • Universität zu Köln
  • Universität Mannheim
  • Technische Universität Dresden
  • Julius-Maximilians-Universität Würzburg
  • Universität Bielefeld
  • Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • Westfälische Wilhelms-Universität Münster
  • Universität Duisburg-Essen
  • Universität Konstanz
  • Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
  • Universität Passau
  • Universität Potsdam
  • Ruhr-Universität Bochum
  • Technische Universität Darmstadt
  • Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Jacobs University Bremen
  • Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
  • Philipps-Universität Marburg
  • Universität Bremen
  • Justus-Liebig-Universität Gießen
  • Technische Universität Dortmund
  • Universität Greifswald
  • Universität Siegen
  • Bergische Universität Wuppertal
  • Technische Universität Chemnitz
  • Technische Universität Braunschweig

Achtung: Das Psychologie Studium ist an vielen Hochschulen zulassungsbeschränkt. Interessenten müsse demnach eine gute Abiturnote und/oder eine ausreichend lange Wartezeit mitbringen, um zum Psychologie Studium zugelassen zu werden.

Wie hoch der Numerus Clausus jeweils ist, erfahren Sie auf den Webseiten der einzelnen Hochschulen. Die Erfahrung zeigt: Oft muss eine 1 vor dem Komma der Abiturnote stehen, um sofort Psychologie studieren zu können.

Wie ist das Psychologie Studium aufgebaut?

Das Bachelorstudium in Psychologie dauert in der Regel sechs Semester. Für das nachfolgende Master-Studium sind vier Semester angesetzt. Erst danach darf man sich offiziell Psychologe nennen.

Im Bachelor-Studium in Psychologie befassen sich die Studierenden mit den Grundlagen des menschlichen Verhaltens. Zu den Grundlagenfächern, die in den ersten sechs Semestern vermittelt werden, zählen:

  • Allgemeine Psychologie
  • Sozialpsychologie
  • Entwicklungspsychologie
  • Biologische Psychologie
  • Differentielle Psychologie

Auch kommen Sie im Grundstudium mit Anwendungsfächern wie Klinischer Psychologie oder Rehabilitationspsychologie in Berührung und werden in die Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens eingeführt. Statistik, Datenanalyse und diagnostische Verfahren stehen ebenfalls im Studienplan.

Ein Praktikum ist normalerweise fester Bestandteil des Bachelor-Studiums Psychologie, genauso wie die Teilnahme an empirisch-psychologischen Untersuchungen. 25 bis 30 sogenannte Versuchspersonenstunden sind üblicherweise Pflicht.

Im Masterstudium in Psychologie vertiefen die Studierenden ihre Kenntnisse. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für eine Spezialisierung. Es gibt so unterschiedliche Master-Studiengänge wie Angewandte Sportpsychologie, Arbeits- und Organisationspsychologie oder Medien- und Instruktionspsychologie.

Welche Berufe kann ich mit einem Psychologie Studium ausüben?

Psychologie ist vielseitig.

Nach dem Studium sitzen viele als Psychotherapeuten auf der berühmten Couch, aber längst nicht alle. Psychologen arbeiten zum Beispiel häufig in den Personalabteilungen von Unternehmen oder als private Coaches, Organisationsberater oder Lebensberater. Man trifft sie im Strafvollzug in der forensischen Psychologie oder im schulpsychologischen Dienst der Länder, um die Lehrkräfte zu unterstützen.

Psychologen arbeiten in Krankenhäusern und Rehabilitationskliniken, im Bildungs- und Sozialwesen, in der öffentlichen Verwaltung, in kirchlichen Vereinigungen, Bildungs- und Jugendorganisationen. Es gibt spezialisierte Sportpsychologen, Umweltpsychologen oder Verkehrspsychologen.

Für viele Jobs wird ein Master-Abschluss vorausgesetzt. Ein Bachelor in Psychologie ist für viele Berufe, Positionen und Arbeitgeber nicht ausreichend.

Laut letzter Stellenrecherche der Deutschen Gesellschaft für Psychologie gibt es die meisten Stellenangebote für Psychologen in:

  • Wissenschaft (33 Prozent)
  • Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie (29 Prozent)
  • Klinische Psychologie (23 Prozent)
  • Beratungstätigkeiten, vor allem für Pädagogische Psychologen (6 Prozent)
  • Verkehrspsychologie (5 Prozent)
  • Gesundheitspsychologie (2 Prozent)
  • Forensische Psychologie (1 Prozent)
  • Rechtspsychologische Gutachten (0,3 Prozent)

Insgesamt gibt es auf dem deutschen Arbeitsmarkt laut letztem Mikrozensus von 2017 rund 138.000 Erwerbstätige, die ein Psychologie Studium absolviert haben – 77 Prozent mehr als 2008. Davon arbeiten 102.000 als Psychologen. 43 Prozent sind selbstständig.

Für Psychologen herrscht de facto Vollbeschäftigung. So betrug die Arbeitslosenquote für Absolventen eines Psychologie-Studiums zuletzt mickrige 2,2 Prozent.

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[Bildnachweis: Pressmaster by Shutterstock.com]

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27. Dezember 2020 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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