Was kann ich studieren ohne Abitur?

Studieren ohne Abitur ist heute etwas völlig Normales. Die Zahl der Erstsemester ohne Abi-Zeugnis steigt von Jahr zu Jahr. Ein Studium ohne Hochschulreife ist aber nur möglich, wenn Sie zuvor ausreichend Berufserfahrung gesammelt haben. Auch müssen Sie in vielen Fällen Ihre Eignung nachweisen, damit es mit dem Studienplatz klappt. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, steht Ihrer Karriere als Arzt, Maschinenbauer oder Künstler nichts mehr im Weg…

Was kann ich studieren ohne Abitur?

Was kann ich studieren ohne Abitur?

Fast alles.

Seit dem Jahr 2009 wurde der Hochschulzugang bundesweit gelockert. Seitdem können auch Menschen mit beruflicher Qualifikation, aber ohne Abitur ein Studium aufnehmen.

Der Hochschulkompass der Rektorenkonferenz spuckt über 8.300 Studiengänge aus, die ohne Abitur möglich sind – von 3D-Drucken und Accessoire Design bis Zahnmedizin und Zukunftsenergien.

Wichtig: Bildung ist Ländersache. Darum sind die Zugangsvoraussetzungen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, teilweise auch von Hochschule zu Hochschule. Zudem gibt es zulassungsbeschränkte Fächer und solche ohne Numerus Clausus. Studieninteressierte sollten sich bei den einzelnen Hochschulen über die Voraussetzungen und Aufnahmemodalitäten erkundigen.

Grundsätzlich aber ist ein Studium ohne Abitur in allen 16 Bundesländern möglich, von Schleswig-Holstein bis Bayern. Diese Optionen haben Interessierte im Wesentlichen:

  1. Bachelor-Studium

    Ein Bachelorstudium dauert normalerweise drei Jahre. Neben Vollzeit-Studiengängen gibt es auch Bachelor-Studiengänge in Teilzeit, berufsbegleitende Bachelor-Studiengänge oder Bachelor-Studiengänge für berufliche Qualifizierte, bei denen sich Vorerfahrungen anrechnen lassen.

  2. Master-Studium

    Ein Masterstudium setzt einen Bachelor-Abschluss voraus. Allerdings existieren mittlerweile auch Master-Fächer, die sich speziell an beruflich Qualifizierte richten. Auch gibt es berufsbegleitende Master-Fächer in so unterschiedlichen Bereichen wie Naturwissenschaften, Management, Erziehung, Gesundheit oder Kultur.

  3. Duales Studium

    Auch ein duales Studium ohne Abitur ist möglich, sofern die weiteren Voraussetzungen erfüllt sind. Vorlesungszeiten in der Hochschule wechseln sich im dualen Studium mit Praxiseinsätzen im Unternehmen ab. In Deutschland ist die Bandbreite an dualen Studiengängen riesig und reicht von von Agrartechnik bis Wirtschaftspsychologie.

  4. Fernstudium

    Die größte und bekannteste Fernuniversität des Landes ist die Fernuni Hagen. Daneben bieten auch andere staatliche und private Hochschulen Fernstudiengänge an. Eine Aufnahme ist bei Vorliegen der Hochschulreife – oder einer entsprechenden beruflichen Vorqualifikation – möglich. Ein Fernstudium kann man berufsbegleitend absolvieren.

  5. Zertifikatsstudium

    Zertifikatsstudiengänge dauern ein oder zwei Jahre. Sie vermitteln vor allem praktisches Wissen. Beruflich Qualifizierten ohne Abitur bieten sie die Möglichkeit, sich neben dem Beruf weiterzubilden. Am Ende steht kein regulärer Abschluss, sondern ein Universitätszertifikat. Es handelt sich also formal gesehen nicht um ein „richtiges“ Studium.

Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen?

Mit der Allgemeinen Hochschulreife können Sie ein beliebiges Studium an einer beliebigen Hochschule aufnehmen. Die Fachhochschulreife wiederum berechtigt zum Studium an einer Fachhochschule.

Wenn Sie weder das eine noch das andere, dafür aber Berufserfahrung vorweisen können, haben Sie ebenfalls die Möglichkeit auf eine akademische Ausbildung. Ohne Abitur studieren können:

  • Meisterinnen und Meister
  • Fachwirte und Absolventen anerkannter Fortbildungen (z.B. IHK-Betriebswirt, geprüfter Bilanzbuchhalter, technischer Fachwirt usw.)
  • Absolventen vergleichbarer Fortbildungen im Gesundheitswesen oder sozialpflegerischen oder pädagogischen Berufen
  • Absolventen einer Fachschule oder Fachakademie
  • Beruflich Qualifizierte mit mindestens zweijähriger Berufsausbildung und dreijähriger Berufserfahrung

Meister und Fachwirte erhalten in der Regel die Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung. Sie können jedes beliebige Fach studieren – ohne Abitur.

Wer zwar eine Ausbildung, aber keinen Fortbildungsabschluss hat, muss drei Jahre Berufserfahrung nachweisen, um zum Studium zugelassen zu werden. Auch kann er oder sie oft nur fachgebunden studieren, also ein Fach auswählen, das einen Bezug zum bisherigen Beruf aufweist.

Davor steht mitunter noch ein Eignungstest, den Bewerber bei der Hochschule absolvieren und bestehen müssen. Um zum Eignungstest zugelassen zu werden, müssen Bewerber oft ein Beratungsgespräch in der Hochschule wahrnehmen. Alternativ können Sie Ihre Studieneignung in einen einjährigen Probestudium nachweisen.

An dieser Stelle erneut der Hinweis: Die Aufnahmemodalitäten variieren von Bundesland zu Bundesland und von Hochschule zu Hochschule. Informieren Sie sich stets über die Voraussetzungen in Ihrem Land und an Ihrem Wunschstandort.

In einigen Ländern können etwa Studieninteressierte Zeiten, in denen sie nach ihrer Ausbildung Kinder betreut oder Familienangehörigen gepflegt haben, als Berufspraxis anrechnen lassen. Dies erleichtert im Einzelfall den Einstieg. So handhabt es zum Beispiel Nordrhein-Westfalen.

Für Kunst- und Musikhochschulen gelten Besonderheiten. Die meisten Institutionen sehen einen Aufnahmetest vor, in dem die künstlerische Begabung geprüft wird. In anderen Studiengängen sind Sprachtests oder Sporttests vorgeschoben. Ein Studium ist dann nur bei entsprechender Neigung und Talent möglich – mit oder ohne Abitur.

Wie kann ich Medizin studieren ohne Abitur?

Kann man Medizin studieren ohne Abitur? Ja, man man.

Die Voraussetzungen für eine Bewerbung zum Medizinstudium ohne Abitur sind:

Auf die Bewerbung folgt eine Eignungsprüfung, die Wissen und Grundlagen abfragt. Alternativ können sich die Kandidaten auch für ein Probesemester bewerben. Die Regelungen unterscheiden sich von Land zu Land und von Uni zu Uni.

Wie viele Studierende ohne Abitur gibt es?

Immer mehr.

Laut einer Studie des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) tummelten sich im Jahr 2018 an deutschen Hochschulen über 62.000 Menschen ohne Hochschul- oder Fachhochschulreife. Damit stellen sie immerhin 2,2 Prozent aller Studierenden.

Gegenüber 2013 stieg der Anteil der Berufserfahrenen um ein Drittel. Bei 43 Prozent der Studierenden ohne Abitur handelt es sich nach CHE-Angaben um Meister und Fachwirte.

Allein im Jahr 2018 begannen 14.800 Berufserfahrene ein Hochschulstudium. Das waren 2,9 Prozent aller Erstsemester.

Die meisten Studenten ohne Abi zieht es an die Fachhochschulen, weniger als die Hälfte an eine Universität. Ein kleiner Teil von ihnen studiert an Kunst- und Musikhochschulen.

Die beliebtesten Fächer und Fächergruppen bei Studierenden ohne Abitur sind:

  • Jura
  • Wirtschaft
  • Soziologie
  • Ingenieurwissenschaften
  • Medizin
  • Gesundheitspflege

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[Bildnachweis: wavebreakmedia by Shutterstock.com]

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30. November 2020 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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