Mein Studium macht keinen Spaß. Sollte ich abbrechen?

Schon während des Abiturs haben Sie sich auf Ihr Studium gefreut. Sie waren sich ganz sicher, dass der favorisierte Studiengang ideal für Sie ist und zu Ihnen passt. Doch nun ist das eingetreten, was Sie nie für möglich gehalten haben: Das Studium macht Ihnen keinen Spaß mehr und Sie würden am liebsten alles hinschmeißen. Ehe Sie Ihr Studium abbrechen und noch einmal von vorne anfangen, sollten Sie sich einige grundlegenden Fragen stellen und Ihre Erwartungen mit dem Tatsächlichen vergleichen. In diesem Artikel geben wir Ihnen Tipps für die Entscheidung. Sollten Sie das Studium abbrechen oder sollten Sie weitermachen? Hauptsache, es ist keine Kurzschlusshandlung…

Mein Studium macht keinen Spaß. Sollte ich abbrechen?

Wann sollte ich das Studium abbrechen oder durchziehen?

Lassen Sie sich in dieser Situation bitte nicht von Ihrem Umfeld beeinflussen: Ihre Eltern und Freunde werden Ihnen immer dazu raten, weiterzumachen und den Gedanken zum Studium abbrechen zu vergessen.

Andere Studierende werden Ihnen vielleicht von ihrer eigenen Erfahrung erzählen und Sie zum Abbruch motivieren. Doch was möchten SIE? Es gibt niemanden außer Ihnen selbst, der die richtige Antwort kennt und eine Entscheidung treffen muss.

Okay, aktuell würden Sie am liebsten Ihr Studium abbrechen. Die Vorlesungen sind langweilig und das Studienfach interessiert Sie eigentlich gar nicht mehr. Sie hatten andere Erwartungen und Vorstellungen. Was nun?

In erster Instanz sollten Sie für sich selbst herausfinden, warum Ihnen das Studium keinen Spaß mehr macht.

  • Ging es Ihnen schon länger so?
  • Haben Sie das Studium vielleicht auf den Wunsch Ihrer Eltern und gar nicht aus eigener Motivation begonnen?
  • Wollten Sie studieren, aber wussten nicht, welches Studienfach Sie wählen sollten und haben dann einfach irgendeinen Studiengang belegt?

Das sind einige Beispiele für Gründe, warum Studierende die Lust verlieren und ihr Studium abbrechen möchten.

Für eine konkrete und überlegte Entscheidung auf Basis einer Pro-und-Kontra-Abwägung gehen Sie am besten wie folgt vor:

  • Prüfen Sie Ihre Erwartungen an das Studium.
  • Finden Sie die Ursachen für Ihre akute Lustlosigkeit.
  • Wägen Sie das Für und Wider beim weitermachen oder abbrechen ab.
  • Hinterfragen Sie Ihre Motivation.
  • Führen Sie ich vor Augen, warum Sie das Studium begonnen haben.

Alle Gedanken zu den oben befindlichen Stichpunkten notieren Sie sich am besten. Denn auch wenn Sie den Entschluss zum Studienabbruch fassen, sollten Sie mit der auf den Gedanken folgenden Handlung noch einige Tage warten.

Bei vielen Studenten äußert sich die Unlust in einzelnen Phasen. Beispielsweise dann, wenn ein aktuelles Thema uninteressant oder trotz aller Bemühungen unverständlich ist.

Am häufigsten stehen Studenten vor der Frage – Durchziehen oder Abbrechen? – wenn sie sich in einer Phase der Überforderung befinden. Doch unter Stress trifft niemand eine gute Entscheidung.

Ehe Sie Ihr Studium abbrechen, sollten Sie für sich herausfinden, ob Sie aktuell gestresst und überfordert sind. Der nächste Punkt auf Ihrer Agenda ist das selbstkritische Hinterfragen:

  • Wie lange haben Sie schon die Lust am Studium verloren?
  • Wie fühlen Sie sich in Vorlesungen und bei Klausuren?
  • Verstehen Sie die Vorlesungen oder bereitet Ihnen das Lernen Schwierigkeiten?
  • Interessiert Sie das Studienfach?
  • Sehen Sie sich nach dem Studium in einem Beruf, für den der Studiengang essenziell ist?

Bei der Beantwortung dieser und weiterer Fragen sollten Sie ehrlich zu sich selbst sein. Wenn Sie Ihre Entscheidung zum Abbrechen oder Fortführen des Studiums treffen, sollten Sie ohne Wenn und Aber hinter Ihrer Wahl stehen und diese gegen alle Einwände und Unstimmigkeiten verteidigen können.


Checkliste zum Studienabbruch

Sie sollten ein Studium nur dann abbrechen, wenn Sie…

  • keinen Zugang zum Studienfach finden.
  • sich mit den Themen nicht identifizieren können.
  • stark überfordert und dadurch krank geworden sind.
  • keine Chance auf Besserung sehen.
  • eine Alternative für den nahtlosen Anschluss haben.

Sie sollten nicht aufgeben und weitermachen, wenn Sie…

  • für sich akzeptieren, dass Sie diesen Weg gewählt haben.
  • Ihre berufliche Karriere nach dem Studium vor Augen haben und diesen Studienabschluss benötigen.
  • Ihre Unlust vorübergehender Natur ist.
  • sich darüber im Klaren sind, dass keine Ausbildung immer nur Spaß macht.
  • bisher gute Leistungen erbrachten.
  • und nur neue Motivation benötigen.

Was sind gute Gründe für einen Studienabbruch?

Trotz aller Überlegungen, Abwägungen und Gesprächen mit Mitstudenten sehen Sie keine andere Lösung. Sie wollen das Studium abbrechen und sich neu orientieren? Wichtig ist, dass der fehlende Spaß allein nicht der ausschlaggebende Grund für den Studienabbruch ist.

Anders sieht es bei den folgenden Gründen aus:

  • Die Anforderungen im Studium sind Ihnen zu hoch? So wie Ihnen geht es rund 30 Prozent aller Studienabbrecher.
  • Eine Identifizierung mit dem Studienfach und Motivation dafür schwinden? Das ist bei 17 Prozent der Studierenden ein Abbruchgrund.
  • Sie sind eigentlich ein Praktiker und kein Theoretiker? Das stellen 15 Prozent aller Studierenden fest.
  • Trotz aller Mühen haben Sie kein Geld zum Leben und sind immer klamm? Daher brechen 11 Prozent ihr Studium ab.
  • Es geht Ihnen einfach nicht gut, alles wird zu viel? 10 Prozent der Studierenden brechen aus persönlichen Gründen ab.

Sicher lässt sich über gute und weniger gute Gründe diskutieren. Das werden Sie spätestens dann feststellen, wenn Sie Ihre Entscheidung im Elternhaus und im Freundeskreis bekanntgeben. Doch wenn Sie sich entschieden und diesen Weg für richtig befunden haben, lassen Sie sich nicht beirren und stehen Sie hinter der Entscheidung.

Übrigens: Die meisten Studienabbrüche gibt es in den MINT-Fächern. Mathematik- und Naturwissenschaftsstudenten sind häufiger überfordert als Studierende in sozialen und medialen Studienfächern.

In welchem Studiensemester befanden Sie sich, als Sie zum ersten Mal darüber nachdachten, dass Sie Ihr Studium abbrechen und etwas anderes machen möchten?

Bei den meisten Studierenden kommt die Motivationskrise im zweiten Studienjahr. Zu Beginn des dritten Jahres stehen Studierende dann vor der Entscheidung, ob sie ihr Studium abbrechen oder sich neu motivieren sollen.

Wie kann ich das Studium abbrechen?

Ihre Entscheidung steht fest: Sie werden das Studium abbrechen und keinesfalls weitermachen. Bestenfalls haben Sie bereits einen neuen Studiengang oder einen alternativen Ausbildungsplatz gefunden.

Beim Studienabbruch und der sogenannten Exmatrikulation müssen Sie allerdings auch ein paar Regeln und Formalia der Hochschule beachten.

Es gibt zwar einige Studierende, die der Uni einfach fernbleiben und dann von Amtswegen exmatrikuliert werden. Das ist aber keine kluge Lösung, da sich eine Zwangsexmatrikulation im Lebenslauf nie wirklich gut macht. Wenn Sie einen Abbruch wünschen, gehen Sie am besten direkt zu Ihrem Dozenten und besprechen die Sachlage mit ihm…

  • Sie exmatrikulieren sich schriftlich beim Dezernat für Studienangelegenheiten.
  • Sie teilen dem BAföG-Amt mit, dass Sie nicht mehr studieren.

Wenn Sie nur Ihren Studiengang und nicht das ganze Studium abbrechen möchten, gehen Sie ebenfalls zu Ihrem Vertrauensdozenten oder in die Studentenkanzlei. Die Einschreibung zu einem neuen Studienfach setzt voraus, dass Sie das aktuelle Studium ordentlich ohne Abschluss beenden.

In diesem Fall werden Sie mit dem BAföG keine Probleme haben. Aber die Mitteilung, dass sich Ihr Studiengang verändert hat, sollten Sie dennoch umgehend nach der Realisierung Ihrer Entscheidung mitteilen.

Wichtig ist:

  • Sie können das Studium jederzeit abbrechen.
  • Beim Bezug von BAföG können Sie lückenlose Beweise für Ihr Studium bis zum Abbruchtag erbringen.
  • Wenn Sie weiter studieren möchten: Wählen Sie den Übergang am besten nahtlos für einen lückenlosen Lebenslauf.

Welche Folgen und Konsequenzen hat der Studienabbruch?

In erster Linie hat der Studienabbruch zur Folge, dass Sie sich neu orientieren müssen. Wenn Sie überlegt vorgegangen sind und einen nahtlosen Übergang geschaffen haben, fällt dieser Punkt weg.

Ganz folgenlos bleibt Ihre Entscheidung, das Studium abzubrechen, aber trotzdem nicht.

Wenn Sie Ihr Studium abbrechen, hat das sowohl finanzielle wie versicherungsrechtliche Folgen. Das bedeutet nicht, dass Sie aus diesem Grund weiter studieren und unglücklich sein müssten.

Wichtig ist aber, dass Sie auf Basis einer Agenda vorgehen und alle wichtigen Wege, Telefonate und schriftlichen Informationen fristgemäß und in rechtsgültiger Form erledigen.

Wer zahlt nun die Krankenversicherung?

Die meisten Studierenden sind über ihre Eltern krankenversichert. Wenn Sie Ihr Studium abbrechen, müssen Sie sich umgehend mit der Krankenversicherung in Verbindung setzen. Denn: Die Pflichtversicherung endet mit dem Abbruch und Sie sind, sofern Sie sich nicht eigenständig kümmern und freiwillig weiter versichern, nicht krankenversichert.

Eine Ausnahme besteht, wenn Sie den Studiengang wechseln oder nach dem Abbruch eine Ausbildung beginnen. Sind Sie nach auch nur für einige Wochen nach dem Studienabbruch ohne neue Anstellung oder Ausbildung, melden Sie sich arbeitslos und gewährleisten so die Versicherung über das Jobcenter.

Was müssen BAföG Empfänger für Besonderheiten beachten?

Wenn Sie BAföG erhalten und Ihr Studium abbrechen, müssen Sie die Meldung umgehend ans zuständige Amt schicken.

Wollen Sie nur den Studiengang wechseln und nicht das Studium abbrechen, sollten Sie als BAföG-Empfänger einen triftigen Grund benennen und sich spätestens bis zum 3. Fachsemester entscheiden.

Bei einem späteren Studienfachwechsel kann das BAföG eingestellt werden und Sie stehen vor der Problematik, dass Sie nun aus finanziellen Gründen Ihr Studium abbrechen müssen.

Im privaten Bereich sollten Sie sich darauf einstellen, dass Sie vor allem in der ersten Zeit einige Erklärungen liefern müssen. Doch Sie haben Ihre Entscheidung nach reiflicher Überlegung aus Überzeugung getroffen. Daher können Sie offen darüber sprechen, warum Sie Ihr Studium abbrechen und einen neuen Weg beschreiten wollten.

Spaß ist nicht alles, aber ohne Freude fehlt etwas im Leben.

[Bildnachweis: Elnur by Shutterstock.com]
25. Januar 2020 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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