Was ist Empathie?

Was ist Empathie? Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Der cholerische Chef jedenfalls hat keine, der unverschämte Verkäufer auch nicht und der egozentrische Schauspieler schon gar nicht. Oder doch? Empathie lässt sich nicht mit Freundlichkeit gleichsetzen, nicht mit guten Manieren. Empathie hat viele Facetten. Was ist Empathie? Warum ist sie wichtig? Und kann Empathie auch schaden?

Was ist Empathie?

Was ist Empathie?

Empathie lässt sich am einfachsten als Einfühlungsvermögen übersetzen. Der Duden beschreibt Empathie als „Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Einstellungen anderer Menschen einzufühlen“.

Empathie ist das Gegenteil von Gefühlskälte, Teilnahmslosigkeit und Gleichgültigkeit. Empathische Menschen können sich in andere hineinversetzen, ihre Gefühle, Emotionen und Motive nachempfinden und nachvollziehen.

Empathie meint auch, dass eine Person Mitgefühl zeigt und auf die Emotionen anderer Menschen angemessen reagiert, durch Hilfsbereitschaft, Mitleid oder Anteilnahme zum Beispiel. Israelische Wissenschaftler konnten 2019 nachweisen, dass sogar schon sechs Monate alte Säuglinge Empathie aufweisen. Sie sind demnach in der Lage, Mobbing-Opfer zu identifzieren und sich mit ihnen zu solidarisieren.

Empathie könnte man als Oberbegriff verstehen, der mehrere Soft Skills einschließt. Zum Beispiel:

  • Mitleid
  • Verständnis
  • Einfühlungsvermögen
  • Anteilnahme
  • Mitgefühl
  • Empfindsamkeit
  • Sensibilität
  • Feingefühl
  • Herz
  • Fingerspitzengefühl

Warum ist Empathie wichtig?

Arbeitnehmer profitieren in der modernen Arbeitswelt zunehmend davon, wenn sie empathisch sind. Aus verschiedenen Gründen: Empathie…

  • begünstigt Teamwork
  • erleichtert die Kooperation über Teams und Abteilungen hinweg
  • macht interkulturelle Zusammenarbeit möglich
  • hilft, Konflikte zu lösen

Empathische Menschen sind eher in der Lage, andere Menschen zu „lesen“. Das ist für alle Berufe wichtig, in denen man etwas verkaufen und andere überzeugen muss. Und in denen man sich in andere hineinversetzen muss. Empathie gilt als Top-Kompetenz für Führungskräfte, Verkäufer, Social Media Manager, Altenpfleger – oder auch für Politiker, die sich stets als volksnah präsentieren wollen. Als jemand, der die Bedürfnisse der Menschen kennt, ernst nimmt und anpackt.

Auch Berufstätige ohne jeden Kundenkontakt profitieren von Empathie. Ein Produktmanager muss wissen, was die potenziellen Kunden wollen, fühlen, wünschen. Ein Softwareentwickler muss sich in andere User hineinversetzen, ihre „Pain Points“ nachvollziehen können.

Empathie kann nach einer Studie der Universität Connecticut von 2019 sogar die Kreativität beflügeln. Bei einem Experiment entwickelten jene Probanden, die sich in die Gefühle der Zielgruppe hineinversetzen sollten, die besten Produktideen. Zum Beispiel als es darum ging, eine Chips-Sorte für schwangere Frauen zu erdenken, ein neuartiges Kinderspielzeug, die Zutaten für ein neues Frühstücksmüsli oder einen Einkaufswagen für Senioren.

Was sind Berufe für empathische Menschen?

Studien deuten darauf hin, dass Patienten schneller gesund werden, wenn sie empathisch betreut und beraten werden. Einfühlsam sein – das verlangt man von Beschäftigten im Gesundheitswesen vermutlich am ehesten. Es sind aber keineswegs nur die Gesundheitsberufe, in denen man von einem Schuss Empathie profitiert.

In diesen Berufen ist Empathie wichtig:

Wie kann man Empathie trainieren?

Empathie kann anstrengend sein. Darum vermeidet man sie häufig – selbst dann, wenn sie in Wahrheit gar nicht anstrengend ist. Darauf wiesen amerikanische Psychologen bereits hin. Aber die Erwartung, man müsse seelische Verrenkungen vollbringen, schreckt viele ab. Darum ist es einfacher, das Mitgefühl gar nicht erst an sich heranzulassen.

Die erste Lehre ist also: Empathie muss man zulassen. Empathie kann man auch lernen und trainieren. Eine Studie der Universität Zürich von 2015 zeigte, dass positive Alltagserfahrungen, die man mit einem Fremden macht, im Gehirn gespeichert werden – und die Empathie erhöhen.

So können Sie der Empathie auf die Sprünge helfen:

  • Aufmerksamkeit

    Andere Leute und Ihre Reaktionen aufmerksam beobachten und das Geschehen um sich herum bewusst wahrnehmen. Neudeutsch heißt das: die Awareness erhöhen.

  • Zeit

    Eile und Hektik sind keine empathischen Begleiter im Alltag. In der Eile übersieht man viele Details, nimmt die Regungen anderer nicht wahr. Nehmen Sie sich bewusst fünf Minuten Zeit für Ihren Gesprächspartner, drücken Sie zwischendurch mal auf die Bremse.

  • Skepsis

    Empathie bedeutet nicht, alles und jeden sofort verstehen zu müssen. Empathie kann sogar in Naivität und Gutgläubigkeit umschlagen. Hinterfragen Sie die Verhaltensweisen anderer – warum tut jemand das, was er tut? Was treibt ihn an?

  • Erfahrungen

    Offen für Neues sein. Den Horizont erweitern. Menschen kennenlernen und sich auf sie einlassen. Auch so lernt man andere besser verstehen.

Kann Empathie auch schaden?

Die Antwort liegt auf der Hand. Ja, Empathie richtet in manchen Situationen mehr Schaden als Nutzen an.

Beispiel: Ein Vorstandsvorsitzender, der viel Empathie mitbringt, zahlt seinen Mitarbeitern hohe Boni – obwohl diese womöglich für schwere Krisen verantwortlich waren. Darauf haben Forscher aus Passau und den USA in einer Studie hingewiesen, die 2018 im Academy of Management Review erschienen war.

Als Beispiel nannten sie Robert Benmosche, den langjährigen Chef des US-Versicherers AIG. In der Hochphase der Finanzkrise spendierte Benmosche Mitarbeitern, die für die Malaise verantwortlich waren, Boni in Millionen-Höhe. Als man ihn nach seinen Motiven befragte, verwies Benmosche auf sein Mitgefühl mit dieser Gruppe.

Empathie hilft demnach zwar, um in einer Krisensituation an die relevanten Informationen zu kommen. Aber sie hindert jemanden gleichermaßen daran, einen kühlen Kopf zu bewahren und diese Informationen nüchtern auszuwerten.

Und Wissenschaftler aus Würzburg wiesen zudem darauf hin, dass empathische Menschen zwar mit anderen mitfühlen, sie aber nicht immer richtig verstehen würden. Im Gegenteil: Wer zu viel Empathie aufwende, beeinträchtige sein Verständnis für andere – und damit auch sein Urteilsvermögen über sie.

[Bildnachweis: fizkes by Shutterstock.com]
13. März 2020 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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