Kann ich mir ungenutzte Urlaubstage auszahlen lassen?

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Übrig bleibt der Resturlaub. Unmöglich die ungenutzten Urlaubstage noch vor dem Jahreswechsel alle zu nehmen. Was tun? Sich den Resturlaub auszahlen lassen? Geht das überhaupt? Kurze Antwort: Nur in seltenen Ausnahmen. Es gehört zu einem der klassischen Irrtümern im Arbeitsrecht, dass Arbeitnehmer glauben, sich ungenutzte Urlaubstage auszahlen lassen zu können. Tatsächlich ist der Jahresurlaub – eigentlich – bis zum 31. Dezember zu nehmen. Sonst verfällt er…

Kann ich mir ungenutzte Urlaubstage auszahlen lassen?

Kann ich mir Resturlaub auszahlen lassen?

Bei einigen Unternehmen gehört es zur betrieblichen Praxis, dass Mitarbeiter ihren Resturlaub noch bis Ende März des Folgejahres (oder länger) übertragen und nehmen können. Allerdings sollten Sie wissen: Das ist eine Ausnahme. Das Gesetz und Arbeitsrecht sieht eine andere Praxis vor.

Laut §7 des Bundesurlaubsgesetzes (BUrlG) muss der Urlaub im laufenden Kalenderjahr gewährt und genommen werden. „Eine Übertragung des Urlaubs auf das nächste Kalenderjahr ist nur statthaft, wenn dringende betriebliche Gründe oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe dies rechtfertigen.“

Oder anders formuliert: Der Urlaub (der ja der Erholung dient) kann nicht einfach angespart werden. Es muss im selben Jahr genommen werden, sonst verfällt er. Eigentlich.

Natürlich gibt es kein Gesetz ohne Ausnahme. Dafür gibt es die Formulierungen „dringende betriebliche Gründe“ beziehungsweise „Gründe in der Person des Arbeitnehmers“.

Zu letzteren zählt zum Beispiel eine Kündigung. Eine Auszahlung ungenutzter Urlaubstage ist dann vorgesehen, wenn der Mitarbeiter vor Ablauf des Jahres kündigt und seinen ihm zustehenden Urlaub daher ganz oder teilweise nicht mehr nehmen kann.


Extra-Tipp

Bitte beachten Sie, dass ausgezahlte Urlaubstage, die sonst nahtlos an die Arbeitslosigkeit anschließen würden, auf das Arbeitslosengeld angerechnet werden. Heißt: Wer sich nach der Kündigung durch den Arbeitgeber den Urlaub auszahlen lässt, schenkt der Agentur für Arbeit Geld – und kürzt sein eigenes Arbeitslosengeld um diesen Betrag. Klug ist das nicht. Besser: Resturlaub noch vor dem letzten Arbeitstag abfeiern.

Dringende betriebliche Gründe wiederum sind zum Beispiel:

  • Eine vom Chef verhängte Urlaubssperre. In dem Fall kann man seinen Urlaub eben nicht nehmen. Dann werden die Urlaubstage aber zunächst übertragen.
  • Oder ein dringender Auftrag, weswegen betroffene Mitarbeiter ebenfalls nicht in den Urlaub gehen können.

In beiden Fällen ist eine Auszahlung der ungenutzten Urlaubstage allerdings nicht vorgesehen.

Kann mein Resturlaub auch verfallen?

Jein. Damit Arbeitnehmer ihren gesetzlich vorgeschriebenen Urlaub innerhalb des Kalenderjahres nehmen, sind Arbeitgeber seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) dazu verpflichtet, ihre Mitarbeiter deutlich darauf hinzuweisen, dass sie ihren Resturlaub in Höhe von X Tagen noch zu nehmen haben.

Da sich Mitarbeiter gegenüber dem Arbeitgeber in einer schwächeren Position befinden, liegt die Beweislast beim Arbeitgeber. Heißt: Der muss im Zweifel nachweisen können, dass er den Mitarbeiter (schriftlich und rechtzeitig) darüber informiert hat, dass dieser noch Resturlaub hat und diesen bitte bis zum Jahresende nehmen muss.

Mehr noch: Der Arbeitgeber muss seinen Mitarbeiter nicht nur umfassend informieren, sondern ihn auch in die Lage versetzen, den Urlaub zu nehmen. Eine Urlaubssperre würde dies zum Beispiel verhindern.

Erst wenn der Arbeitnehmer seiner Pflicht (den Urlaub zu nehmen) – trotz nachweisbaren Hinweisen – nicht nachkommt, kann der Urlaubsanspruch verfallen.

[Bildnachweis: suksom by Shutterstock.com]
26. Dezember 2019 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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