Wie viele Krankheitstage im Jahr sind schädlich?

Wenn sie im Winter ein paar Tage mit Grippesymptomen flach liegen, wird Ihnen niemand den Kopf abreißen. Aber was, wenn Sie ständig krank sind? Und was kommt eigentlich auf Sie zu, wenn Sie für einen längeren Zeitraum außer Gefecht gesetzt sind? Was viele nicht wissen: Arbeitgeber dürfen Mitarbeitern sogar kündigen, WÄHREND sie krank sind. Wenn sie zu oft krank sind, dürfen sie das sowieso. Aber wie viele Krankheitstage im Jahr sind schädlich? Diese magische Grenze an Krankheitstagen sollten Sie in den kommenden zwölf Monaten nicht überschreiten…

Wie viele Krankheitstage im Jahr sind schädlich?

Wie oft darf ich krank sein?

Nicht länger als sechs Wochen im Jahr. So lautet die einfache Antwort. Wer länger als sechs Wochen ausfällt, dem kann – mit hoher Wahrscheinlichkeit – vonseiten des Arbeitgebers personenbedingt gekündigt werden.

Es gibt aber auch eine komplexere, subtilere Antwort. Denn ob ein Mitarbeiter Jahr für Jahr nur fünf Tage ausfällt oder fünf Wochen, macht natürlich einen Unterschied. Gesunde Mitarbeiter sind leistungsfähiger, produktiver und erfahren (oft) eine größere Wertschätzung. Wiederspiegeln kann sich das in Beförderungen oder Gehaltserhöhungen. Oder würden Sie jemanden zum Teamleiter machen, der jeden Monat mindestens einmal mit irgendwelchen Wehwehchen zuhause bleibt?

Arbeitnehmer dürfen es daher durchaus als Ziel formulieren, die Zahl der eigenen Fehltage zu reduzieren. Das lässt ihren internen Marktwert – zumindest ein bisschen – steigen. Beziehungsweise anders herum: Wer überdurchschnittlich oft krank zuhause bleibt, vermindert seinen Marktwert.

Es ist ein bisschen wie im Profi-Fußball. Ein Spieler, der ständig verletzt ist, kann seine Fähigkeiten weder abrufen noch nachweisen. Er verliert seinen Stammplatz, kann sich nicht für eine Vertragsverlängerung oder einen neuen Verein empfehlen. Den dicken Folgevertrag kann er sich abschminken (es sei denn, er ist noch jung und verfügt über ein außergewöhnliches Talent).

Allerdings kommt es auch auf den Beruf an. Nachgefragte Fachkräfte wie Softwareentwickler oder Maschinenbauingenieure wird kein Arbeitgeber, der noch ganz bei Trost ist, feuern wollen, nur weil sie ab und zu mal verschnupft zuhause bleiben. Generell ist das vermutlich bei allen Arbeitnehmern, die sonst ihren Job gut machen, so.

Eine weitere negative Konsequenz könnte aber sein: Wenn Sie überdurchschnittlich oft krank sind, dann könnte der Arbeitgeber dies bei Ihrem Ausscheiden zwischen die Zeilen Ihres Arbeitszeugnisses schreiben. Dort tauchen dann Sätze auf wie „Wir wünschen ihm für die Zukunft alles Gute, vor allem Gesundheit.“ Eine versteckte, aber eindeutige Botschaft.

Wie oft fallen Mitarbeiter krankheitsbedingt aus?

Sie fehlen krankheitsbedingt auch mal länger? Damit sind sie nicht der oder die Einzige. Laut einer Auswertung der Krankenkasse KKH werden die Arbeitnehmer in Deutschland immer länger krankgeschrieben. 15 Tage pro Jahr fiel jeder Beschäftigte im Jahr 2019 durchschnittlich aus. Das sind 1,2 Tage mehr als 2015.

Frauen sind häufiger krank als Männer. Sie verpassten 2019 durchschnittlich 5,6 Prozent ihrer Sollarbeitszeit, Männer 4,4 Prozent. Und auch von Bundesland zu Bundesland gibt es Unterschiede. Während die durchschnittliche Krankheitsdauer im Saarland mit 17,4 Tagen am längsten war, schnitt Bayern mit 13,9 Stunden am besten ab.

Die häufigsten Krankheitsursachen sind:

  • Atemwegsinfekte (Erkältungen, Grippe)
  • Muskel-Skelett-Erkrankungen
  • Magen-Darm-Erkrankungen

Besonders lange fallen Arbeitnehmer mit der Diagnose Krebs aus – durchschnittlich 68,6 Tage. Mit einem psychischen Leiden beträgt die durchschnittliche Ausfallzeit 40,3 Tage.

Kann mir der Arbeitgeber kündigen, wenn ich krank werde?

Ja, das kann er. Arbeitgeber können – einem weitverbreiteten Irrtum widersprechend – einem Mitarbeiter sehr wohl kündigen, während er krank ist. In dieser Hinsicht macht das Arbeitsrecht keinen Unterschied zwischen einem gesunden und einem erkrankten Mitarbeiter.

Arbeitgeber dürfen einem Arbeitnehmer auch kündigen, wenn er zu oft krank ist. Wer mehr als sechs Wochen im Jahr aus Krankheitsgründen fehlt, riskiert eine krankheitsbedingte Kündigung. Krankheitsbedingte Kündigungen gehören zu den personenbedingten Kündigungen – und sind Anwälten zufolge deren wichtigster Unterfall.

Entscheidend ist aber die Gesundheitsprognose: Fällt sie negativ aus, dann ist davon auszugehen, das der Arbeitnehmer auch in Zukunft länger ausfallen wird. Das würde zu Störungen im Betriebsablauf führen und die wirtschaftlichen Interessen des Unternehmens beeinträchtigen. Kündigung wirksam! Ist die Gesundheitsprognose positiv, zum Beispiel nach einer Operation oder einer überstandenen Erkrankung, können Arbeitnehmer erfolgreich gegen ihre Kündigung klagen.

Viele Arbeitgeber kündigen kranken Mitarbeitern mit negativer Prognose aber auch dann nicht, wenn sie könnten und wenn es aus rein wirtschaftlichen Gründen sinnvoll wäre. Ob sie aus wahrer Menschlichkeit und Solidarität so handeln, oder nur, um einen Imageschaden und einen Aufschrei in der eigenen Belegschaft zu vermeiden, sei dahingestellt.

Erwähnt sei auch noch die Möglichkeit, einen kranken Mitarbeiter in der Probezeit vor die Tür zu setzen. Eine völlig legale Maßnahme. Der Arbeitgeber muss in der Probezeit eine Kündigung ja schließlich nicht begründen.

Was passiert, wenn ich eine schwere Krankheit oder Verletzung habe?

Aus arbeitsrechtlicher Sicht ist eine schwere Erkrankung – sofern heilbar bzw. geheilt – besser als viele kleine, kurze Krankheiten. Wer etwa ein schwaches Immunsystem hat und oft ausfällt, bringt eine eher negative Gesundheitsprognose mit. Wer sich dagegen das Bein bricht, der kann von einer vollständigen Heilung ausgehen. Prognose: positiv.

Wenn allerdings langfristig nicht damit zu rechnen ist, dass sich die Beschwerden des Mitarbeiters bessern, sieht die Sachlage schon wieder ganz anders aus. Beispiel: Ein Dachdecker hat chronische Rückenprobleme, die ihn bei der Arbeit massiv behindern. Dass eine Kündigung zulässig ist, ist in diesem Fall sehr wahrscheinlich.

Kann man auch zu selten krank sein?

Ja, in gewisser Weise schon. Viele Arbeitnehmer erscheinen aus Pflichtbewusstsein am Arbeitsplatz, obwohl es ihnen dreckig geht – bei einer schweren Erkältung etwa. Sinnvoll ist das nicht. Wer krank ist, kann erstens seine volle Leistung nicht abrufen und ist anfälliger für Fehler. Den Betrieb kann das teuer zu stehen kommen. Und den Arbeitnehmer auch. Schwerwiegende Fehler können eine Abmahnung und im Extremfall gar eine Kündigung rechtfertigen.

Zweitens steigt die Gefahr, einen oder mehrere Kollegen anzustecken. Und eine kranke Belegschaft würde die Produktivität im Betrieb noch viel weiter nach unten drücken als ein einzelner kranker Mitarbeiter, vielleicht sogar den ganzen Geschäftsbetrieb gefährden. Besser also, man kuriert sich zuhause aus und erscheint danach wieder fit und munter bei der Arbeit.

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[Bildnachweis: Gorodenkoff by Shutterstock.com]

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28. Januar 2020 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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