Ist die Fahrt zur Arbeit schon Arbeitszeit?

Rund elf Millionen Deutsche pendeln heute täglich zur Arbeit. Mehr als jeder vierte Beschäftigte in Deutschland ist dabei mehr als eine Stunde pro Tag unterwegs. So mancher Berufspendler stellt sich daher die Frage: Ist die Fahrt zur Arbeit vielleicht schon Arbeitszeit? Schließlich könnte man so eine Menge Überstunden abrechnen. Leider sehen Arbeitsrechtler (und Chefs) das etwas anders. Aber es gibt auch Ausnahmen…

Ist die Fahrt zur Arbeit schon Arbeitszeit?

Ist die Fahrtzeit zur Arbeit schon Arbeitszeit?

Um es kurz zu machen: Nein, leider zählen Fahrtzeit und Reisezeit beim Pendeln im Berufsverkehr nicht zur Arbeitszeit. Arbeitszeit im Sinne des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) ist die Zeit von Beginn bis Ende der Arbeit. Die Fahrtzeit davor und danach gilt arbeitsrechtlich als Freizeit. Oder kurz: Die Arbeitszeit beginnt immer erst am Betriebstor.

Der Grund: Auf dem Weg zur Arbeitsstätte und zurück stehen Sie Ihrem Chef nicht zur Verfügung. Damit ist die Anfahrt zum Büro (die Abfahrt aber auch) immer privat.

Zudem liegt das sogenannte Wegerisiko immer beim Arbeitnehmer. Heißt: Wenn es feste Arbeitszeiten gibt, sind Sie als Arbeitnehmer dazu verpflichtet so loszufahren, dass Sie auf jeden Fall pünktlich auf der Arbeit erscheinen. Sich mit einem Stau rausreden, geht also nicht. Dann müssen Sie eben früher aufstehen und früher losfahren.

Ausnahmen sind indes Dienstreisen auf Anweisung.

Diese gelten wiederum als Arbeitszeit – erst recht, wenn Sie nachweisen können, dass Sie dabei arbeiten. Also zum Beispiel Akten oder Präsentationen bearbeiten. Dazu gibt es ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts.

Lässt Ihnen der Chef aber frei, was Sie während der Fahrt machen, ist es keine Arbeitszeit mehr. Auch dann nicht, wenn der Arbeitnehmer freiwillig in öffentlichen Verkehrsmitteln und ohne direkte Anweisung des Arbeitgebers an etwas arbeitet.


Extra-Tipp

Vor einiger Zeit hat der Europäischen Gerichtshofs (EuGH) entschieden, dass bei Arbeitnehmern, die keinen festen („gewöhnlichen“) Arbeitsort haben und daher von Kunde zu Kunde fahren, zumindest die Fahrzeit zum ersten Kunden wie auch die nach dem letzten Kunden nach Hause als Arbeitszeit zählt. Hierfür muss Sie der Arbeitgeber also auch nach den Regelungen des Arbeitsvertrags bezahlen (Az. C-266/14).

Laut Begründung gehört die Reisetätigkeit hierbei „zu den arbeitsrechtlichen Hauptleistungs­pflichten“ um die Beschäftigung auszuüben. In dem Fall sei die Fahrzeit zur Arbeitszeit hinzu zu rechnen.

[Bildnachweis: AboutLife by Shutterstock.com]
27. November 2019 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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