Was ist Bootstrapping?

Bootstrapping ist eine Möglichkeit, ein Unternehmen oder Startup aufzubauen. Die Methode bietet sich für alle Gründer an, für die eine externe Finanzierung außer Reichweite ist – oder die auf Fremdfinanzierung gänzlich verzichten wollen. Es ist wahnsinnig schwer, mit Bootstrapping erfolgreich zu sein. Aber möglich ist es allemal…

Was ist Bootstrapping?

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Was ist Bootstrapping?

Der englische Begriff Bootstrap heißt übersetzt Stiefelschlaufe oder Stiefelriemen. Wer bootstrappt, schnürt sich gewissermaßen ohne fremde Hilfe die Stiefel. Im wirtschaftlichen Kontext bezeichnet Bootstrapping eine Gründung – meist eines Startups – ohne externe Finanzierung. Der Gründer finanziert sein Unternehmen komplett aus eigenen Mitteln, aus Erspartem zum Beispiel. Oder er leiht sich Geld bei Freund und Verwandten. Auch Bankkredite, Lieferantendarlehen, Leasing und öffentliche Fördermittel sind Optionen.

Warum Bootstrapping?

Ziel ist es, mit möglichst geringem Aufwand das Geschäft so schnell wie möglich anzukurbeln und erste Umsätze und Cash-Flow zu generieren. Überlebenswichtig, dass die Einnahmen die Ausgaben rasch übersteigen. Die Einnahmen werden nicht entnommen, sondern fließen vollständig zurück ins Geschäft, um weiteres Wachstum zu erzeugen. Auf diese Weise wächst das Startup aus sich selbst heraus – ohne fremde Hilfe.

Bootstrapping zeichnet unter anderem aus:

  • Kleines Budget
  • Knappe (personelle) Ressourcen
  • Zügige Aufnahme des operativen Geschäfts
  • Konzentration auf schnelle Einnahmengenerierung

Was sind die 7 Grundsätze von Bootstrapping?

Die Idee des Bootstrapping wurde von Amar Bhide entwickelt. Demnach haben sich die folgenden sieben Grundsätze für Gründer bewährt:

  1. Legen Sie so schnell wie möglich mit dem operativen Geschäft los.
  2. Fokussieren Sie sich darauf, frühzeitig die Gewinnschwelle zu erreichen und einen positiven Cashflow zu erzielen.
  3. Verkaufen Sie höherwertige Produkte oder Services, bei denen Sie sinnvoll die Vertriebsfunktion wahrnehmen können.
  4. Arbeiten Sie nicht mit hochbezahlten Teammitgliedern, die kein Verständnis für die Gründerkultur eines jungen Unternehmens mitbringen.
  5. Gehen Sie in Bezug auf das Unternehmenswachstum kontrolliert vor angesichts der nur begrenzt vorhandenen Ressourcen.
  6. Legen Sie den Fokus in der Gründungs- und Frühentwicklungsphase auf dem Cash als laufend verfügbarer Liquidität.
  7. Pflegen Sie die Beziehung zu Banken, auch wenn Ihnen diese in der frühen Entwicklungsphase noch nicht als Kreditgeber zur Verfügung stehen.

vgwort

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Was brauche ich für Bootstrapping?

In der Theorie kann jeder ein Unternehmen via Bootstrapping gründen. In der Praxis müssen diese 6 Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Geld

    Ohne Kapital geht es auch beim Bootstrapping nicht. Entweder hat der Gründer einen Betrag zusammengespart, den er bereit ist anzuzapfen, oder er leiht sich einen Betrag von seinen Eltern, Geschwistern, Freunden oder der Bank. Das Geld muss wohlgemerkt für sämtliche Unkosten reichen, auch für Mieten, Versicherungen, Mitarbeiter etc.

  2. Geschäftsidee

    Weil die Mittel arg begrenzt sind, bietet sich Bootstrapping nicht für Vorhaben an, die eine lange Anlauf- oder Entwicklungszeit benötigen. Geschäftsmodelle, die sehr schnell Einnahmen generieren, könnten dagegen funktionieren. Aber sicher ist das nicht.

    Lesetipp: Wie kommt man auf eine Geschäftsidee?

  3. Risikobereitschaft

    Es ist Ihr Geld und Sie können damit tun, was immer Sie wollen. Aber es ist auch Ihr Risiko. Wenn die Idee nicht zündet, ist das eigene Geld verbrannt. Wer bootstrappt, geht ins Risiko – und nimmt die Möglichkeit eines vollständiges Verlustes seines eingesetzten Kapitals in Kauf. Das Risiko können Gründer freilich auf mehrere Schultern verteilen, indem sie gemeinsam gründen.

  4. Haushaltsdisziplin

    Beim Bootstrapping ist es essenziell, alle unnötigen Ausgaben einzustampfen. Das fängt bei der Kaffeemaschine an, geht über die IT-Ausstattung bis hin zu möglichen Werbeausgaben. Motto: Eisern sparen! Wer schon mit seinem Privatkonto regelmäßig im Disposumpf steckt, könnte beim Bootstrapping endgültig untergehen.

  5. Verkäufer-Gen

    Nicht lange fackeln! Hier sind keine Zögerer und Zauderer gefragt, sondern Praktiker. Das, was man heutzutage als Hands-on-Mentalität bezeichnet. Zwar sind Business-Pläne und langfristige Visionen nichts Negatives, auch beim Bootstrapping nicht, aber Projekte müssen schnell umgesetzt und zum Laufen gebracht werden. Das Produkt oder die Dienstleistung muss unverzüglich beworben und verkauft werden, um Einnahmen zu generieren.

  6. Imperfektion

    Perfektionisten könnten beim Bootstrapping ins Schlingern geraten. Mit einem Produkt erst rausgehen, wenn es perfekt ist – mit dieser Devise kommt man nicht weit. Mit dieser Devise schon: Lernen und verbessern und lernen und verbessern – und zwischendurch verkaufen.

Welche Beispiele gibt es?

Viele etablierte Unternehmen haben anno dunnemals unter Bootstrapping-Bedingungen angefangen und reüssiert, vor allem aus dem Tech-Bereich. Speziell der Mythos der Garagengründung hat sich ins kollektive Gedächtnis gebrannt. Zu den bekanntesten Beispielen zählen Microsoft, Apple und Facebook, aber auch Dell, Hewlett-Packard, Oracle, Cisco und Ebay. Auch diese Startups haben mit Bootstrapping angefangen:

  • Celonis, Münchener Software-Unternehmen für Process Mining
  • MyMuesli, Anbieter individualisierbarer Müslimischungen
  • Bruno Interior, Berliner Matratzen-Startup
  • Freeletics, Münchner Fitness-App
  • Growth Tribe, niederländische E-Learning-Plattform
  • Cora Health, digitaler Blutdruck-Coach
  • Botium, österreichisches Chatbot-Startup
  • Kolibri, Berliner Games-Schmiede
  • Kartenmacherei, Online-Anbieter für personalisierbare Event-Papeterie
  • Ted, Insurtech für digitales Versicherungsmanagement
  • Shoepassion, Online-Händler für feine Herrenschuhe
  • WeTransfer, niederländischer Filehosting-Dienst
  • Jaumo, Dating-App
  • Jimdo, Anbieter von Website-Baukästen
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Was sind die Vorteile von Bootstrapping?

Das sind die Vorteile von Bootstrapping:

  • Volle Kontrolle

    Die Gründer besitzen 100 Prozent ihres Unternehmens, müssen keine Anteile an externe Investoren abgeben. Sie haben hinterher alle Optionen: Sowohl ein späterer Exit ist denkbar als auch die Möglichkeit, das Startup als Familienunternehmen weiterzuführen und langfristig am Markt zu etablieren.

  • Kein Klinkenputzen

    Die Gründer müssen sich nicht mit Kapitalgebern herumschlagen, keine Venture-Capital-Fonds umgarnen und nirgendwo um Geld betteln. Den Aufwand können Sie sich sparen – und die eigenen Nerven schonen. Außerdem kann eine erfolgreiche Startphase ohne Fremdkapital irgendwann dazu führen, dass Investoren automatisch aufmerksam werden und doch noch Fremdkapital bereitstellen.

  • Komplette Eigenständigkeit

    Die Erwartungen von Kapitalgebern sind teils exorbitant hoch. Startups stehen unter ständigem Druck, müssen so schnell wie möglich wachsen und groß werden. Das müssen Sie beim Bootstrapping natürlich auch – aber unter ihren eigenen Bedingungen. Alle Entscheidungen können Gründer selbstständig treffen. Niemand redet Ihnen ins Tagesgeschäft rein.

  • Geschärfter Blick

    Bootstrapping schärft die Sinne. Das soll konkret bedeuten: Wer mit bescheidenen Mitteln anfängt, lernt von Anfang an, ein funktionierendes Geschäftsmodell aufzubauen, welches Gewinne abwirft. Dies ist bei Startups keineswegs selbstverständlich. Viele bekannte Startups machen Jahr für Jahr riesige Verluste. Break-even nicht in Sicht.

  • Wachsendes Selbstvertrauen

    Wer es ganz alleine schafft, hat was geschafft. Darauf, ein Unternehmen via Bootstrapping aufgebaut zu haben, darf man sich ruhig etwas einbilden. Dem eigenen Selbstvertrauen ist ein solches Erfolgserlebnis ganz sicher nicht abträglich.

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Was sind die Nachteile von Bootstrapping?

Das sind die Nachteile von Bootstrapping:

  • Leere Kassen

    Die Mittel sind endlich. Leere Kassen erschweren die tägliche Arbeit enorm. Überall finanzielle Ketten, die sich nicht sprengen lassen. Externes Kapital macht die Sache manchmal kompliziert – aber am Anfang auch ganz schön komfortabel. Innerhalb kurzer Zeit möglichst viele Kunden erreichen – das gelingt mit einer gut gefüllten Kriegskassen am besten.

  • Enormes Risiko

    Das Risiko ist riesengroß, die Überlebenschancen gering. Sich als Einzelkämpfer durchzuschlagen, schaffen die wenigsten. Investoren reden oft rein, aber sie können auch auf vielfältige Weise helfen und Kontakte herstellen. Diese Vorteile fallen beim Bootstrapping weg. Geht der Plan nicht auf, ist das Geld futsch.

  • Breites Aufgabenspektrum

    Niemand kann alles alleine machen. Beim Bootstrapping muss man es. Verkaufen, entwickeln, planen, einstellen, werben. Wenn die Fachkräfte und Spezialisten im Team fehlen, geht das oft nicht gut. Kleine und große Fehler sind die logische Folge.

  • Maximale Kraftanstrengung

    Als Gründer lebt man für sein Unternehmen. Bootstrapping ist die verschärfte Variante. Hier ist alles eine Nummer größer: der Druck, die Geldnot, die Aufgaben. Der Tag müsste mindestens 48 Stunden haben, um das alles leisten zu können. Hammerhart. Für viele zu hart.

  • Eingeschränkte Möglichkeiten

    Startups werden gerne als kleine, wendige Schnellboote beschrieben. Bootstrapping aber erlaubt mitunter keine schnellen Richtungswechsel. Wer seine letzten Euro in eine Funktion gesteckt hat, die sich hinterher als unnütz erweist, kann nicht einfach umdisponieren. Fehler werden hart bestraft!

Wie überlebe ich ohne Fremdfinanzierung?

Kleines Geld, großes Problem. Die Finanzierungsfrage hat schon vielen Gründern den Traum vom großen Durchbruch verhagelt. Diese Möglichkeiten können Ihnen helfen, mit ihrem Startup auch ohne Fremdfinanzierung zu überleben:

  • Halten Sie so lange wie möglich aus, ohne sich ein eigenes Gehalt zu zahlen.
  • Verzichten Sie auf externe Berater, die viel kosten.
  • Machen Sie sich Freundschaften und Bekanntschaften zunutze, um an kostenlose Dienstleistungen zu kommen, zum Beispiel Reparaturen, Updates oder rechtliche und steuerliche Beratungen.
  • Netzwerken Sie viel und ausgiebig, um neue Verbindungen herzustellen, Käufer, Interessenten oder Mitarbeiter zu finden.
  • Verzichten Sie vorerst auf ein eigenes Büro und arbeiten Sie in der eigenen Mietwohnung, im Elternhaus, in der Garage oder notfalls (weil es Kosten verursacht) im Coworking-Space.
  • Leasen oder leihen Sie sich Equipment statt es zu kaufen, zum Beispiel Computer.
  • Kaufen Sie Anlagevermögen aus zweiter Hand, auf Flohmärkten oder Anzeigenportalen, beispielsweise Möbel, Schreibtische oder Stühle.
  • Nutzen sie kostenlose Open-Source-Software zur Zusammenarbeit wie OpenOffice oder GoogleDocs.
  • Geben Sie nur das absolute Minimum für Versicherungen wie Kranken-, Hausrats- Berufsunfähigkeits-, Haftpflicht- oder Risikolebensversicherung aus bzw. streichen Sie das meiste davon.
  • Leben und reisen Sie frugal, was Flüge, Hotels, Restaurants oder Kleidung betrifft.
  • Gewähren Sie Lieferanten und Kunden Skonto, um einen schnellen Cashflow zu generieren.
  • Halten Sie Zahlungsfristen bei Finanzamt, Krankenkassen und anderen öffentlichen Institutionen penibel genau ein, um keine Säumniszuschläge zu riskieren.

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[Bildnachweis: New Africa by Shutterstock.com]

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