Welche Stärken soll ich im Vorstellungsgespräch nennen?

Das Vorstellungsgespräch ist für Bewerber eine Stresssituation. Natürlich kommt von Personalerseite irgendwann die Frage nach der Selbsteinschätzung. Jetzt bloß von der besten Seite präsentieren! Aber das sagt sich so leicht – welche Stärken sollten Sie im Vorstellungsgespräch nennen? Nicht alle Ihre Vorzüge passen jetzt hierhin. Und Sie haben nur wenige Minuten zur Verfügung, um für sich zu werben. Dies sind die Stärken, die Sie im Vorstellungsgespräch nennen sollten…

Welche Stärken soll ich im Vorstellungsgespräch nennen?

Welche Stärken im Vorstellungsgespräch nennen?

Auf die Frage im Vorstellungsgespräch, welche Stärken Sie ausmachen, sollten Sie zunächst bei der Wahrheit bleiben. Nennen Sie nur Eigenschaften oder Qualitäten, die Sie tatsächlich zu Ihren Stärken zählen. Es sollte sich möglichst um Stärken handeln, die Sie im angestrebten Job zur Geltung bringen können. Auch sind Wesenszüge vorteilhaft, die Ihren einwandfreien Charakter, Ihre Arbeitsmoral oder grundsätzliche Lern- und Leistungsbereitschaft unterstreichen. Die Stärken, die Sie schließlich im Vorstellungsgespräch nennen, sollten sowohl Ihre Persönlichkeit als auch die Stellenanforderungen widerspiegeln.

Wie viele Stärken im Vorstellungsgespräch nennen?

Wie viele persönliche Stärken Sie nennen, hängt von Verlauf und Dauer des Bewerbungsgesprächs ab. Als Richtmarke können Sie sich zwei bis vier Stärken merken. Mehr sollten es nicht werden: Wer zu viele Stärken nennt, nimmt zugleich jeder einzelnen ihre Bedeutung. Notfalls tut es eine einzige hervorstechende Eigenschaft, die sie auszeichnet und die besonders wichtig im jeweiligen Beruf ist.

Warum fragt das Unternehmen nach meinen Stärken?

Der Personaler fragt Sie nach Ihren Stärken, weil er wissen will, wie realistisch, selbstkritisch, selbstbewusst und reflektiert Sie sind. Ob Sie zu Selbstbeweihräucherung oder Bescheidenheit neigen – im Übermaß ist beides schädlich. Sie sollten auf die Frage daher selbstbewusst antworten, aber nicht überheblich oder arrogant. Zudem sollten Sie Ihre Stärken nach Möglichkeit an konkreten Beispielen festmachen.

Warum ist die Frage wichtig?

Unternehmen wollen einerseits die besten Mitarbeiter, andererseits Kollegen, die gut ins Team passen. Sie müssen bei der Frage nach Ihren Stärken daher diese beiden Fallstricke umgehen:

  • Eingenommenheit
    Wenn man Ihnen nicht zutraut, den Job bewältigen zu können, fällt die Wahl auf einen anderen Kandidaten. Gleichzeitig können Bewerber trotz aller fachlichen Qualifikation wichtige Sympathiepunkte verschenken, indem sie zu dick auftragen.
  • Bescheidenheit
    Wer demgegenüber kaum etwas von sich zu berichten weiß, seine Stärken für „normal“ hält und sonst wenig besondere Leistungen aufzuzählen hat, wird den Personaler schwerlich von sich überzeugen können. Das wirkt dann alles etwas unmotiviert, bestenfalls nach Mittelmaß.

Wie kann ich meine Stärken finden?

Um die eigenen Stärken im Vorstellungsgespräch überzeugend anbringen zu können, müssen erst Sie erst einmal eine Vorstellung davon haben, was Ihnen liegt und welche Fähigkeiten Sie besitzen. Erfahrungsgemäß fällt es vielen Bewerbern schwer, aus dem Stegreif ihre Stärken zu benennen. Hinzu kommt: Vieles, was uns leicht fällt, wird von uns selbst oftmals gering geschätzt. Wenn man etwas „mit links“ bewerkstelligt, kann es ja nichts Besonderes sein – ein großer Irrtum, der Sie unter Umständen die Traumstelle kosten kann!

5 Tipps mit denen Sie Ihre persönlichen Stärken finden

  1. Rückblick wagen

    Vielleicht fallen Ihnen auf Anhieb ein, zwei Stärken ein, wenn Sie darüber nachdenken. Ein erstes Indiz können für Berufsanfänger Schulfächer sein, in denen Sie besonders gut waren. Als Nächstes hilft der Blick auf Freizeitaktivitäten, ehrenamtliches Engagement und Praktika. Berufserfahrene können ihr bisheriges Arbeitsleben Revue passieren lassen. Welcher Job kommt der gegenwärtig angestrebten Stelle nahe, welche Leistungen haben Sie dort erbracht, mögliche Projekte vorangetrieben? Hilfreich sind Situationen, die vom Alltag abweichen, zum Beispiel Auftragsspitzen in der Hauptsaison, Urlaubsvertretung für Kollegen, durch Fortbildungen neu erworbene Kenntnisse und dergleichen.

  2. Tests machen

    Im Internet (zum Beispiel auch auf unserer Schwesterseite Karrierebibel) werden diverse Psychotests zur Selbstanalyse angeboten. Sie unterstützen die Selbstreflexion durch Fragen aus dem Joballtag oder typischen Situationen, in denen bestimmte Eigenschaften zutage treten.

  3. Listen durchgehen

    Schnappen Sie sich eine lange Liste mit Stärken (siehe unten) und gehen sie Punkt für Punkt durch: Wann haben Sie bestimmte Eigenschaften unter Beweis gestellt? Solche Listen enthalten typischerweise eine Reihe von Soft Skills, die im Berufsleben erwartet werden. Stellen Sie sicher, dass Sie dabei nicht nur ankreuzen, wie Sie gerne wären, sondern ernsthaft und selbstkritisch überprüfen, wie Sie im Alltag tatsächlich auftreten. Spontanität als Eigenschaft anzukreuzen, weil es so nett klingt, wenn Sie gleichzeitig jemand sind, der die Dinge lieber doppelt überprüft, ist nicht zielführend.

  4. Tagebuch führen

    Wenn Sie es zeitlich einrichten können, führen Sie (auch für zukünftige Vorstellungsgespräche) ein Reflexionstagebuch. Dort notieren Sie, wenn Ihnen etwas gut gelungen ist und was Sie dafür an Wissen und Fähigkeiten eingesetzt haben. Auch können Sie festhalten, wenn Sie Schwierigkeiten mit einer Sache hatten und wie Sie damit umgegangen sind. Das hat den Vorteil, dass Sie bereits mögliche Schwächen (die Frage kommt garantiert auch) identifiziert haben und gleich Ihre Lösung dafür benennen können.

  5. Andere fragen

    Wichtig ist die Einschätzung Ihrer Stärken aus dem Blickwinkel anderer Menschen. Sie selbst werden immer einen blinden Fleck haben. Ihre Familie, Freunde und natürlich Kollegen erleben Sie ganz anders, als Sie sich womöglich selbst wahrnehmen. Deshalb sind diese Eindrücke sehr wertvoll und sollten unbedingt einbezogen werden. Sie können sich auch einen Coach suchen, der Ihnen dabei hilft, den eigenen Talenten auf die Spur zu kommen. Er oder sie kann Sie dabei begleiten, wenn Sie sich in einem Bereich verändern und weiterentwickeln wollen.

Welche Rolle spielt der Job?

Im nächsten Schritt geht es darum, Ihre Stärken und Eigenschaften mit der Stellenanzeige abzugleichen: Was wird in dem Job gefordert? Worauf müssen Sie sich einstellen? Jobannoncen sind üblicherweise so aufgebaut, dass das Unternehmen die Anforderungen nennt, die „unabdingbar“ sind und in einem zweiten Schritt auf diejenigen eingeht, die „wünschenswert“ sind: Die Rede ist von Muss- und Kann-Qualifikationen.

Was sind Muss- und Kann-Qualifikationen?

Grob lassen sich die Muss-Qualifikationen als Fachkompetenzen, Fertigkeiten und Wissen beschreiben, die in Zeugnissen und Zertifikaten belegt sind. Bei den Kann-Qualifikationen handelt es sich oftmals um soziale Kompetenzen, die deutlich schwerer messbar sind. Allerdings lässt sich diese Einteilung nicht für jeden Job aufrecht erhalten.

Was sind Beispiele?

Ein Beispiel: Wird ein Maschinenbauingenieur gesucht, brauchen Sie ein abgeschlossenes Studium in diesem Bereich. Ob Sie ein offener und kontaktfreudiger Mensch sind, ist für den Job zweitrangig und zählt eher zu den Kann-Qualifikationen. Ganz anders, wenn Sie im sozialen oder pflegerischen Bereich tätig werden wollen. Hier steht der Umgang mit Menschen an erster Stelle, Introvertiertheit ist eher hinderlich. Diese Eigenschaft wird in solchen Jobs daher eher zu den Muss-Qualifikationen zählen.

Welche Rolle spielt meine Berufserfahrung?

Eine Führungskraft benötigt andere Stärken als ein Spezialist. So würde man etwa von einem Vorgesetzten ein starkes Maß an Durchsetzungsvermögen und Entscheidungsfreude erwarten. Tauchen diese Stärken bei einer Fachkraft auf und lässt sie gleichzeitig vermuten, dass sie Schwierigkeiten mit konstruktiver Kritik hat, könnte man auf zukünftige Konflikte zwischen Vorgesetztem und Fachkraft schließen.

Lesetipp: Wie wichtig ist Selbstreflexion für Führungskräfte?

Auch fragen Personaler im Vorstellungsgespräch immer wieder danach, wie Bewerber mit anderen Kollegen zusammenarbeiten. Selten sind Einzelkämpfer gefragt. Wer sich nun aber Teamfähigkeit auf die Fahnen schreibt, ohne jemals im Team gearbeitet zu haben, erweckt den Anschein, bloße Behauptungen aufzulisten. Als Berufsanfänger Sie können das Problem umgehen, indem Sie auf andere Lebensbereiche zurückgreifen, beispielsweise Ihre Erfahrungen als Mannschaftskapitän in der Fußballmannschaft nennen.

Welche Stärken gibt es?

Hier sind persönliche Stärken, Eigenschaften und Charakteristika, die eine Bewerbung aufwerten können:

Welche Stärken passen zu meinem Beruf?

Welche Stärken sind in meinem Beruf besonders wichtig? Hier sind ein paar Beispiele:

Kaufmännische Berufe

  • Umgang mit Zahlen
  • Genauigkeit
  • Kundenorientierung
  • EDV Kenntnisse
  • Selbstständige Arbeitsweise

Berufe im Vertrieb

  • Reisebereitschaft
  • Smalltalk und Rhetorik
  • Überzeugungskraft
  • Empathie
  • Verhandlungsstärke

Erzieherische Berufe

  • Verantwortungsbewusstsein
  • Pflichtbewusstsein
  • Kommunikationsstärke
  • Kreativität
  • Musikalität

IT-Berufe

  • Lernbereitschaft
  • Konzentrationsfähigkeit
  • Problemlösungskompetenz
  • Innovationsfähigkeit
  • Durchhaltevermögen

Management-Berufe

  • Durchsetzungsfähigkeit
  • Selbstbewusstsein
  • Kommunikationsstärke
  • Entscheidungsfähigkeit
  • Analytisches Denken

Welche Stärken im Vorstellungsgespräch NICHT nennen?

Greifen Sie im Vorstellungsgespräch nicht auf Floskeln zurück, auch wenn sie scheinbar harmlos sind. Dazu gehört ein früher empfohlener Trick, vermeintliche Stärken als Schwächen zu verkaufen – um dann zu signalisieren, dass das Unternehmen einen ganz hervorragend geeigneten Bewerber vor sich hat. Diese Sätze sollten Sie zum Beispiel NICHT sagen: „Ich habe einen Hang zum Perfektionismus. Ich bin sehr ordnungsliebend. Ich bin ungeduldig.“

Warum nicht Stärken als Schwächen verkaufen?

Zweierlei Probleme bringen solche „Stärken“ mit sich: Sie wirken alles andere als authentisch, da sie so schon millionenfach in Bewerbungen aufgetaucht sind. Ihnen fehlt somit ein entscheidendes Alleinstellungsmerkmal. Zweitens verhält es sich bei diesen vermeintlichen Stärken ähnlich wie in der Zeugnissprache – es wird ein Subtext mitgehört.

Hier sind vier praktische Beispiele, die zeigen, warum die Taktik, Stärken als Schwächen zu verkaufen, nach hinten losgehen kann:

  1. Ordnungsliebe

    Sie sagen, dass Sie ordnungsliebend sind – der Personaler hört, dass Sie ein totaler Pedant sind, der nach starren Regeln und Schema F vorgeht und vermutlich Schwierigkeiten hat, wenn ein Arbeitsablauf durch unvorhergesehene Ereignisse durcheinander gerät. Besser: „Ein aufgeräumter Schreibtisch hilft mir dabei, Arbeitsabläufe effizient zu gestalten.“

  2. Kommunikationsfähigkeit

    Sie sagen, dass Sie kommunikativ sind – der Personaler hört, dass Sie vermutlich mehr quatschen als arbeiten, schlimmstenfalls jemand sind, der Gerüchte auf der Arbeit verbreitet. Besser: „Ich achte auf die interne Kommunikation, beispielsweise wenn neue Kollegen Fragen haben oder jemand aus dem Urlaub zurückkehrt und auf den neusten Stand beim Projekt gebracht werden muss.“

  3. Kritikfähigkeit

    Sie sagen, dass Sie kritikfähig sind – der Personaler hört, dass Sie in der Vergangenheit offenbar häufig Anlass zu Kritik gegeben haben. Besser: „Konstruktiv vorgetragene Kritik hilft mir dabei, Probleme zukünftig noch schneller zu lösen.“

  4. Aufnahmefähigkeit

    Sie sagen, dass Sie zuhören können – der Personaler hört, dass Sie entweder die Kummerkastentante vom Dienst sind oder aber wenig Input bringen. Besser: „Ich lege Wert auf einen sachlichen Austausch von Argumenten und Fakten und prüfe diese gewissenhaft, bevor ich mich dazu äußere.“

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[Bildnachweis: tsyhun by Shutterstock.com]

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28. April 2021 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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