Wie löse ich Konflikte mit Kollegen?

Die Frage, wie Sie Konflikte mit Kollegen lösen können, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Hauptsächlich kommt es auf den Betrieb, die beteiligten Personen und den Auslöser an. In der Nicht jede Strategie oder jeder Lösungsansatz eigenen sich für jeden Konflikt und jeden Typ Mensch. Erfolgreiches Konfliktmanagement braucht Zeit. Entscheidend ist zudem, auf welcher Eskalationsstufe Sie sich bereits befinden. Überdies muss die andere Seite auch gewillt sein, den Konflikt zu lösen und den Streit beizulegen. Ist Ihr Gegenüber weder ehrlich oder geht nur zum Schein auf Ihre Initiative ein, ist alles pure Zeitverschwendung…

Wie löse ich Konflikte mit Kollegen?

Warum sind Konflikte mit Kollegen so belastend?

Ihr Arbeitsplatz sichert Ihre Existenz. Viele soziale Kontakte entstehen über Ihr Arbeitsumfeld und Sie verbringen an Arbeitstagen mehr Zeit im Betrieb als im geschützten privaten Bereich.

Sie werden nicht mit allen Kollegen gleich gut auskommen können. Dennoch sind Sie in vielen Fällen aufeinander angewiesen. Im Zuge der wachsenden Projektarbeit tritt die Leistung des Einzelnen zunehmend in den Hintergrund – es zählt das Teamergebnis.

Gibt es einen Störfaktor in diesem empfindlichen System, werden dauerhafte Spannungen ausgelöst. Diese wirken sich direkt auf Ihre psychische Gesundheit und Ihre Leistungsfähigkeit aus. Darunter leidet das ganze Team und ihr Stellenwert nimmt ab.

Sie können einem Konflikt mit Kollegen also nicht entfliehen. Schon am nächsten Tag, wird von Ihnen erwartet, dass Sie Ihren Job in gewohnter Qualität erledigen. Gelingt Ihnen dies nicht, könnte der Konflikt sich auf das gesamte Team ausweiten und weitere Kreise ziehen. Hierdurch wiederum können Existenzängste entstehen, die sich auch auf den privaten Bereich auswirken.

Wie kann ich Konflikte im Job lösen?

Die Auslöser für Konflikte mit Kollegen sind so vielfältig wie die beteiligten Personen. Eine Patentlösung gibt es nicht. In jedem Fall jedoch müssen Sie sich professionell verhalten:

  • Bleiben Sie ruhig und lassen Sie sich nicht provozieren.
  • Wählen Sie Ihre Worte mit Bedacht. Bleiben Sie sachlich.
  • Wenn Sie fürchten, die Kontrolle über die Situation zu verlieren, lassen Sie sich nicht zu weiteren Diskussionen verleiten. Die Gegenseite könnte die Aktion auch gezielt geplant haben und ist auf alle möglichen Schritte vorbereitet – nur nicht darauf, dass Sie ruhig und gelassen reagieren. Nehmen Sie den Faden später wieder auf, wenn die andere Partei nicht mehr damit rechnet.
  • Wenn andersherum Ihr Gegenüber die Selbstbeherrschung verliert, schlagen Sie keinen Vorteil daraus. Reagieren Sie trotzdem freundlich und verständnisvoll. Möglicherweise befindet sich der Kollege oder die Kollegin in einer Ausnahmesituation. Beleidigen lassen, sollten Sie sich aber auch nicht. Setzen Sie das Gespräch zu einem späteren Zeitpunkt fort, wenn sich die Gemüter wieder beruhigt haben.
  • Bleiben Sie fair und achten Sie darauf, dass niemand das Gesicht verliert.

Wenn Sie den Eindruck haben, es handele sich um einen einmaligen Vorfall und kein grundsätzliches Problem, ist es das Klügste, dem Thema nicht allzu viel Aufmerksamkeit zu schenken.

In solchen Fällen kann ein übertriebenes Konfliktmanagement, den wahren Konflikt erst heraufbeschwören. Vorgesetzte und Personaler sehen Konflikte in der Belegschaft nicht gern, da sie Ressourcen binden und bares Geld kosten. Mit etwas Charme und Selbstironie kann die Situation häufig gerettet werden.

Wenn Sie jedoch der Auffassung sind, dass mehr dahintersteckt – ein schwelender Konflikt oder eine ausgewachsene Antipathie -, ist schnelles Handeln erforderlich, um eine weitere Eskalation zu verhindern.

Womöglich ist der Vulkan bereits kurz vor dem Ausbruch. Hat die Gegenseite Ihre Version im Unternehmen verbreitet, können Sie nur noch reagieren und haben automatisch die schlechtere Ausgangsposition:

  • Zuerst sollten Sie sich bewusst machen, wie der Konflikt entstanden ist und wann Sie zum ersten Mal den Eindruck hatten, dass die Stimmung kippt. Hinterfragen Sie Ihren Standpunkt und Ihr Verhalten. Versetzten Sie sich in die Lage Ihres Gegenübers.
  • Sind Sie sich Ihrer Sache immer noch sicher, sollten Sie ausloten, wie gut die Chancen stehen. Können Sie Ihre Interessen durchsetzen oder den Kollegen wieder auf Ihre Seite bringen? Entwickeln Sie hierzu eine Strategie.
  • Alles entscheidend ist der Einstieg: Ort und Zeitpunkt müssen passen.

Als Hilfestellung hier einige Aspekte, die Sie bei Ihrer Entscheidungsfindung berücksichtigen sollten:

Welche Fragen muss ich mir vor dem Konfliktgespräch stellen?

Bevor Sie ins offene Messer rennen, sollten Sie folgende Fragen klären:

  • Wie steht es um Ihr Ansehen bei den Kollegen und Vorgesetzten?
  • Welchen Ausgang nahmen frühere Konflikte mit Kollegen?
  • Gibt es weitere Konflikte mit Kollegen? Falls ja, ist der Auslöser vergleichbar?
  • Was passiert, wenn sich der Konflikt ausweitet?
  • Bin ich im Unternehmen gut vernetzt? (Falls nicht, hat die andere Seite leichtes Spiel und bringt womöglich kuriose Geschichten in Umlauf.)
  • Sind Sie einer Diskussion rhetorisch gewachsen?
  • Was erwarten Sie: Fair Play oder Schlammschlacht?
  • Wie ist die Unternehmenskultur in Ihrem Betrieb? (Im schlechtesten Fall werden Sie als der Störfaktor wahrgenommen, wenn Sie ein Konfliktmanagement anstoßen.)
  • Gibt es einen Betriebsrat?

Wenn Sie das Thema an die große Glocke hängen, sollte es für das Team oder den ganzen Betrieb nachvollziehbar sein. Keine Führungskraft möchte sich mit Mitarbeitern auseinandersetzen müssen, die sich um Kleinigkeiten streiten.

Was sind die besten Tipps für Konfliktgespräche?

Konflikte mit Kollegen flammen tendenziell wieder auf, wenn sie nicht ein für alle Mal gelöst wurden. Für das eigentliche Konfliktgespräch sollten Sie daher Zeit einplanen und sich an einen ruhigen Ort zurückziehen.

Beziehen Sie die andere Seite in die Planung mit ein. Entscheiden Sie nicht allein, ob Führungskräfte oder Personalabteilung involviert werden. Konflikte mit Kollegen schaden dem Image. Womöglich möchte Ihr Gegenüber das Thema diskret und außerhalb der Arbeitszeit klären. Das sollten Sie respektieren und es auf einen Versuch ankommen lassen.

So können Konflikte mit Kollegen in einem Gespräch ausgeräumt werden:

  • Beide Seiten legen sachlich ihren Standpunkt dar und hören sich gegenseitig zu, ohne die andere Partei zu unterbrechen.
  • Beide setzen sich mit den Argumenten der Gegenseite auseinander und zeigen Verständnis für die Sichtweise des anderen. Dies ist nicht gleichbedeutend mit Zustimmung.
  • Statt gänzlich auf dem eigenen Standpunkt zu beharren, suchen die Konfliktparteien Gemeinsamkeiten, um eine Kompromisslösung zu erarbeiten.
  • Im Idealfall findet sich eine Lösung, mithilfe derer beide Konfliktparteien ihre Interessen durchsetzen können.
  • Die zweitbeste Möglichkeit ist der klassische Kompromiss.

Gibt es unlösbare Konflikte mit Kollegen?

Sollten Sie zu keinem Ergebnis kommen, das für beide Seiten akzeptabel ist, gibt es folgende Möglichkeiten, Konflikte mit Kollegen über eine dritte Partei zu lösen:

  • Einbinden eines Kollegen des Vertrauens, um zwischen den Parteien zu schlichten.
  • Einbinden des Vorgesetzten. Hier muss von oben entschieden werden. Klassisches Beispiel: Urlaubsplanung.
  • Professionelle Mediation. Die ist für das Unternehmen recht kostspielig. Haben sich aber die Fronten verhärtet, ist das oft die letzte Chance. Jedoch nur, wenn beide Konfliktparteien ernsthaft an einer Lösung interessiert sind. Durch eine neutrale Sicht von außen sind die Streitenden möglicherweise noch zur Vernunft zu bewegen.

Leider gibt es Konflikte mit Kollegen, die sich nicht ohne Weiteres aus der Welt schaffen lassen. Hier einige Beispiele:

  • Erweiterte Konflikte, die sich über einen längeren Zeitraum entwickelt haben – zwei Fronten zwischen verhassten Abteilungen.
  • Private Beziehungen, die sich negativ auf die Zusammenarbeit auswirken.
  • Grenzen wurden überschritten – durch Beleidigungen oder tätliche Angriffe.

In diesen Fällen hilft häufig nur noch die Aussprache mit Vorgesetzten, Betriebsrat und einem professionellen Mediator.


Extra-Tipp

Nicht alle Konfliktsituationen lassen sich vorhersagen. Allerdings können Sie durch Ihr Verhalten dazu beitragen, Konflikte mit Kollegen auf der persönlichen Ebene zu verhindern:

  • Passen Sie sich Ihrem Umfeld soweit wie möglich an. Ganz wichtig ist hierbei das äußere Erscheinungsbild. Wählen Sie die goldene Mitte. So erzeugen Sie keinen Neid und bieten keine Angriffsfläche. Das gilt im Übrigen auch für Fahrrad oder Auto.
  • Zeigen Sie Entgegenkommen bei der Schicht- oder Urlaubsplanung. Es zahlt sich aus.
  • Versuchen Sie nicht, Kollegen durch Ihr Fachwissen oder Fremdsprachenkenntnisse zu beeindrucken. Gerade ältere Mitarbeiter fühlen sich schnell bedroht.
  • Geben Sie nicht zu viel über sich und Ihr Privatleben preis. Wenn Sie neu in einem Unternehmen sind, werden Ihnen viele Fragen gestellt. Antworten Sie freundlich, aber überlegen Sie genau, durch welche Information Sie sich im Zweifelsfall angreifbar machen könnten.
  • Machen Sie mit bei Firmenfitness oder wenn private Aktivitäten geplant sind. Es wird immer über die Person gesprochen, die gerade nicht anwesend ist.
[Bildnachweis: MilanMarkovic78 by Shutterstock.com]
20. Januar 2020 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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