Was ist ein duales Studium?

Das duale Studium verbindet zwei Welten miteinander – die von Theorie und Praxis. Duale Studierende gleiten meist nahtlos aus dem Hörsaal ins Berufsleben über. Die meisten machen was mit Wirtschaft, Technik oder Gesundheit und verdienen gutes Geld. Doch wirft das duale Studium auch Fragezeichen auf – und die werden immer größer…

Was ist ein duales Studium?

Was ist ein duales Studium?

Ein duales Studium verbindet Theorie und Praxis. Die theoretische Ausbildung an der Hochschule mit Seminaren und Vorlesungen wechselt sich ab mit einer Berufsausbildung oder Praxisphasen in einem Unternehmen.

Das ausbildungsintegrierende duale Studium beendet man mit einer anerkannten Berufsausbildung UND einem Studienabschluss. Während des dualen Studiums haben die Studierenden daher einen Doppelstatus. Sie sind auf der einen Seite Auszubildende ihres Betriebs und auf der anderen Seite immatrikulierte Studenten an ihrer Hochschule.

Vom Unternehmen erhalten sie einen Studien- oder Ausbildungsvertrag. Hier sind wichtige Punkte festgehalten wie die Vergütung, Sonderleistungen und Urlaubstage. Auch sind duale Studierende über ihren Betrieb sozialversichert.

Das praxisintegrierende duale Studium beendet man dagegen ausschließlich mit einem Studienabschluss. Eine formelle Ausbildung ist nicht Teil des Deals, praktische Berufserfahrung aber sehr wohl.

Darüber hinaus gibt es auch berufsbegleitende duale Studiengänge, die neben dem Beruf absolviert werden können. Bei den meisten dualen Studienfächern handelt es sich um Bachelor-Studiengänge. Duale Master-Studiengänge gibt es zwar auch, sie sind aber selten.

Wie läuft ein duales Studium ab?

Es gibt verschiedene Modelle. Im Blockmodell wechseln sich mehrmonatige Lernphasen in der Hochschule mit Praxisphasen im Unternehmen ab. Üblich sind Blöcke von drei Monaten.

Das bedeutet konkret: Drei Monate lernen Sie Theorie in der Uni oder Fachhochschule. Danach arbeiten Sie drei Monate im Betrieb. Der Vorteil für die Studierenden ist, dass sie sich in dieser Zeit auf die Inhalte konzentrieren können, ohne ständig herausgerissen zu werden. Nachteil: Sie verpassen oft wichtige Phasen im Unternehmen und müssen sich jedes Mal neu einarbeiten.

Ein anderes Modell sieht kürzere Zeitabschnitte vor. Man kennt es auch als Wochenmodell. Hier sind die Studierenden unter der Woche sowohl auf dem Campus als auch im Unternehmen. Beispiel: Von Montag bis Mittwoch im Betrieb, Donnerstag und Freitag im Hörsaal. Dadurch verpassen sie nichts, müssen aber ständig hin- und herswitchen.

Es gibt auch Varianten des dualen Studiums, bei denen die Ausbildung vorgelagert ist und die Studenten erst nach dem ersten Lehrjahr ins Studium einsteigen.

Welche Fächer kann ich dual studieren?

Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz spuckt insgesamt über 1.620 duale Studiengänge in Deutschland aus (Stand: Dezember 2020). Die meisten dualen Studiengänge gibt es an staatlichen und privaten Fachhochschulen, dualen Hochschulen und Berufsakademien.

An Universitäten sind sie weniger verbreitet. Aber es gibt duale Studiengänge auch an den Unis, zum Beispiel an den Universitäten in Wuppertal, Kassel, Siegen, Lüneburg, Berlin, Lübeck, Magdeburg, Heidelberg, Aachen und Erlangen-Nürnberg.

Duale Studiengänge gibt es vor allem in:

  • Wirtschaftswissenschaften
  • Ingenieurwissenschaften
  • Verwaltungswissenschaften
  • Gesundheits- und Sozialwesen

Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) belegen 32 Prozent der dual Studierenden Fächer, die den Wirtschaftswissenschaften zugeordnet werden.

Rund 16 Prozent belegen ein gesundheitswissenschaftliches und etwa 12 Prozent ein verwaltungswissenschaftliches Studienfach. Für technische Fächer wie Ingenieurswissenschaften oder Maschinenbau entscheiden sich rund 15 Prozent der dual Studierenden.

Kaum möglich ist ein duales Studium in den Geisteswissenschaften und Kulturwissenschaften.

Wie bewerbe ich mich für ein duales Studium?

Für ein duales Studium müssen Sie sich direkt bei den Unternehmen um einen Ausbildungsvertrag bewerben. In der Regel haben Sie dadurch einen Studienplatz an der Hochschule sicher, mit dem das jeweilige Unternehmen kooperiert. Die Nachfrage ist meist sehr groß, daher können Arbeitgeber oft aus den besten Bewerbern auswählen.

De Zugangsvoraussetzungen an den Hochschulen sind unterschiedlich. Unter Umständen ist es möglich, auch ohne Allgemeine Hochschulreife ein duales Studium zu absolvieren. Für Einzelheiten informieren Sie sich an der jeweiligen Hochschule.

Klar ist aber von vornherein: Ohne Arbeitgeber kein duales Studium!

Was sind die Vorteile eines dualen Studiums?

Das sind die Vorteile eines dualen Studiums:

  • Gute Perspektiven

    Nach einem (ausbildungsintegrierenden) dualen Studium hält man zwei Abschlüsse in der Hand, hat Ausbildung und Studium absolviert. Auf dem Arbeitsmarkt halten Sie alle Trümpfe in der Hand. Laut einer IAB-Studie haben Absolventen eines dualen Studiums ähnlich hohe Beschäftigungsquoten wie Universitätsabsolventen.

  • Keine Geldsorgen

    Duale Studierende erhalten ein Gehalt von ihrem Arbeitgeber. Sie können sich ganz auf ihr Studium und ihre Ausbildung konzentrieren. Ein Nebenjob ist nicht nötig.

  • Theorie und Praxis

    So mancher entscheidet sich gegen ein Studium, weil es ihm oder ihr zu theorielastig erscheint. Nach der Schule wollen viele endlich praktisch arbeiten. Das duale Studium ermöglicht genau das: Anpacken und gleichzeitig weiter dazulernen – Theorie UND Praxis.

  • Individuelle Förderung

    Die Unternehmen haben ein ureigenes Interesse daran, ihre dual Studierenden bestmöglich zu fördern. Oft wird eine Übernahme vertraglich zugesichert. Eine Studie der Uni Duisburg-Essen ergab, dass rund 80 Prozent aller dual Studierenden übernommen werden.

  • Großes Netzwerk

    Duale Studierende sind schon während des Studiums in ihren Betrieb integriert – und bauen Kontakte und Knowhow auf. Schon als Berufseinsteiger haben sie daher das, was vielen anderen Studenten fehlt: ein großes Netzwerk. Und Vitamin B ist bekanntlich Gold wert.

  • Wertvolle Berufserfahrung

    Auch Berufserfahrung bringen duale Studierende mit – und zwar reichlich. Der Berufseinstieg ist weniger holprig als bei Theoretikern, die direkt aus dem Hörsaal kommen. Die Einarbeitungszeit verläuft reibungsloser und kürzer – das ist Sinne von Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Was sind die Nachteile eines dualen Studiums?

Das sind die Nachteile eines dualen Studiums:

  • Erhebliche Kraftanstrengung

    Die Ansprüche an duale Studenten sind hoch. Sie müssen Topleistungen bringen – und das an zwei Orten. Dafür muss man diszipliniert, belastbar, motiviert und gut organisiert sein. Ein duales Studium kostet Zeit, Kraft und immense Mühen. Semesterferien gibt es keine, lediglich den gesetzlichen Urlaubsanspruch. Für Studentenpartys oder Hobbys bleibt vielen keine Zeit.

  • Frühe Festlegung

    Das duale Studium ersetzt kein Traineeprogramm. In vielen Unternehmen führt der Weg in eine Führungsposition aber über eine Traineestelle. Nach dem dualen Studium noch als Trainee arbeiten – das ist für viele schwer vermittelbar. Daher sollten Sie sich für eine Variante entscheiden – entweder für das duale Studium oder für ein Bachelorstudium mit anschließendem Berufseinstieg als Trainee.

  • Starke Abhängigkeit

    Duale Studenten sind von ihrem Unternehmen abhängig. Ohne Arbeitgeber fällt das ganze Konstrukt in sich zusammen. Dies kann zu problematischen Konstellationen führen. Was zum Beispiel, wenn das theoretische Studium zwar wahnsinnig interessant ist, aber die Praxis ein Super-Gau? Oder wenn man mit den Kollegen partout nicht klarkommt? Oder was, wenn der Arbeitgeber pleite geht, den Standort schließt, die Mitarbeiter in Kurzarbeit schickt oder oder oder…? Außerdem sind duale Studierende oft vertraglich verpflichtet, die ersten Berufsjahre im Unternehmen zu bleiben. Ein Arbeitgeberwechsel ist dann nicht ohne Weiteres möglich.

  • Enge Spezialisierung

    Mit einem Bachelorstudium halten sich Absolventen viele Wege offen. Ein duales Studium ist da meist schon spezifischer und auf ein bestimmtes Fach fokussiert. Dies engt den späteren Karriereweg unter Umständen ein. Grundsätzlich könnte dualen Studenten der Blick über den Tellerrand manchmal ganz gut tun.

  • Schlechtere Bezahlung

    Zwar fällt dual Studierenden der Berufseinstieg – aus genannten Gründen – extrem leicht. Zu Beginn ihres Erwerbslebens sind sie sogar besser in den Arbeitsmarkt integriert als Universitätsabsolventen, so auch das IAB in einer Studie. Sie verdienen jedoch im Durchschnitt weniger als Beschäftigte mit Uni-Abschluss.

  • Veraltete Inhalte

    Nicht jeder Arbeitgeber ist ein Glücksgriff für duale Studierende. Wenn technologisch rückständige Betriebe und veraltete Ausbildungsordnungen zusammenkommen, kann dies eine toxische Mischung für die Nachwuchskräfte ergeben. Davor warnte das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) im Oktober 2020 in einem Essay. Die Qualität der viel gelobten Dualen Ausbildung in Deutschland drohe zu erodieren, schrieben die Forscher, und dass der Vorteil der Praxisnähe zu einem Nachteil werden könne.

Verdiene ich mit einem dualen Studium Geld?

Ja, das duale Studium ist vergütet. Der Arbeitgeber zahlt ein Gehalt, das oft mit einem Ausbildung Gehalt vergleichbar oder identisch ist.

Dieses ist in der Regel niedriger als bei Festangestellten oder Absolventen, aber höher als bei einem Praktikum.

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[Bildnachweis: Robert Kneschke by Shutterstock.com]

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10. Dezember 2020 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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