Welche Anrede in Briefen und E-Mail?

Aller Anfang ist schwer – auch in Briefen und E-Mails. Das geht schon bei der korrekten Anrede los: Schreibt man einfach nur förmlich: „Sehr geehrte Damen und Herren“ – oder geht es auch besser? Zum Beispiel mit: „Guten Tag“, „Hallo“, „Liebe(r)“, „Hi!“? Welche Anreden in E-Mails und Briefen gelten heute noch als zeitgemäß, welche als überholt oder modern? Wir klären auf…

Welche Anrede in Briefen und E-Mail?

Welche Anrede in Briefen und E-Mail?

Die Anrede in einem Brief oder einer E-Mail sollten Sie von Ihrer Beziehung zum Empfänger abhängig machen. Je besser Sie sich kennen und je vertrauter Sie sich sind, desto lockerer darf die Anrede ausfallen. Umgekehrt: Schreiben Sie einen Fremden oder einen entfernten Kontakt an, sollte die Anrede umso förmlicher sein.

Bei förmlichen Briefen oder E-Mails zwischen (noch unbekannten) Geschäftspartnern lautet die richtige Anrede:

  • Sehr geehrter Herr Mustermann,
  • Sehr geehrte Frau Musterfrau,
  • Sehr geehrte Frau Musterfrau, sehr geehrter Herr Mustermann,
    (bei mehreren Ansprechpartnern)
  • Sehr geehrte Damen und Herren,
    (falls der Empfänger unbekannt ist)

Was kann man statt „Sehr geehrte Damen und Herren“ schreiben?

Nur wenn Sie partout keinen Namen wissen, sollten Sie auf die unpersönliche Form Sehr geehrte Damen und Herren, zurückgreifen. Diese Anreden sind in Briefen und E-Mails gebräuchlich:

  • Sehr geehrte/r Frau/Herr Müller

    Diese Anrede ist in Briefen und E-Mails höflich, respektvoll und vor allem persönlich. Verwenden Sie sie, wenn der Ansprechpartner unbekannt ist oder bei Personen, die Sie nur flüchtig kennen. Vor allem für den Erstkontakt eine empfehlenswerte Anrede. Damit sind Sie auf der sicheren Seite.

  • Guten Tag, Frau/Herr Meißner,

    Die Anrede ist weniger förmlich als Sehr geehrt/e Frau/Herr, aber dennoch höflich und respektvoll. Sie drückt eine gewisse Distanz aus. Diese kann speziell bei Geschäftskontakten angebracht sein. Bei mehreren oder unbekannten Ansprechpartnern ist Guten Tag! denkbar. Für einen guten Bekannten oder lieben Kollegen ist Guten Tag hingegen die falsche Wahl. Dann lässt die Anrede anklingen, als sei etwas im Busch.

  • Guten Morgen, Frau Weiß,

    Als Alternative zum steifen Guten Tag können Sie die Tageszeit, zu der Sie die E-Mail verschicken, zu Hilfe nehmen. Ein Guten Morgen oder Guten Abend ist freundlich und förmlich zugleich. Dies funktioniert aber nur in E-Mails, nicht in Briefen oder Postkarten. Einen Guten Nachmittag gibt es dagegen nicht und ein plumpes Mahlzeit ist tabu.

  • Hallo Herr/Frau Diaz,

    In E-Mails ist das lockere Hallo verbreiteter als in Briefen. Speziell bei einem Erstkontakt sollten Sie aber auch in der E-Mail auf ein Hallo verzichten und auf eine förmlichere Anrede zurückgreifen. Allerdings nicht immer, es kommt stets auf die Ausgangssituation an. Wollen Sie beispielsweise eine E-Mail an einen jungen Influencer oder E-Sportler schicken, könnte ein Sehr geehrter Herr auch in einer ersten E-Mail komisch wirken, ein locker-freundliches Hallo dagegen genau richtig.

  • Liebe/r Frau/Herr Rosenbaum

    Die Anrede Liebe/r Frau/Herr, ist modern und auch in der geschäftlichen Korrespondenz – zum Beispiel unter Kollegen und Geschäftspartnern – auf dem Vormarsch. Die Anrede sollten Sie vor allem nutzen, wenn Sie den Empfänger schon besser kennen. Andernfalls könnte sie übergriffig sein. Bei einem ersten Kontakt ist sie gänzlich unangebracht, bei einer zweiten Mail schon besser. Es ist auch möglich, die einzelnen Anreden miteinander zu kombinieren, zum Beispiel so: Guten Tag, liebe Frau Mustermann.

Welche Anrede bei Kollegen?

Von der Unternehmenskultur hängt ab, wie sich die Kollegen im Unternehmen anreden und in E-Mails anschreiben. Normalerweise ist die Anrede unter Kollegen weniger förmlich. Hier sind einige Optionen:

  • Lieber Max,
  • Liebe Frau Schönberg,
  • Hallo Rudi,
  • Hallo Herr Rosario,
  • Liebes Team,
  • Liebe Kolleginnen und Kollegen,
  • Hallo zusammen,
  • Guten Morgen, liebe Kollegen,
  • Liebe alle, (sehr salopp, aber charmant)

Welche Anrede bei Geschäftspartnern?

Im geschäftlichen Schriftverkehr sollten Sie Ihre Kontakte förmlich mit Sehr geehrte/r Frau/Herr anschreiben. Kennen Sie den Business-Partner näher oder schon länger, können Sie auf ein weniger förmliches Hallo Herr Meier oder Liebe Frau Müller ausweichen. Demgegenüber ist die Anrede Liebe Kundin oder Lieber Kunde erstens überheblich und zweitens anonym. Darauf sollten Sie unbedingt verzichten.

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Wie kann ich mehrere Personen in Briefen und E-Mails anschreiben?

Wenn Sie mit Ihrem Brief oder Ihrer E-Mail mehrere Personen anschreiben, können Sie statt Sehr geehrte Damen und Herren alle Empfänger einzeln ansprechen:

  • Sehr geehrte Frau Nilsson, sehr geehrter Herr Svensson,
  • Liebe Frau Schön, lieber Herr Frazzulo,
  • Hallo Herr Maksimovic, hallo Herr Ivanov,
  • Hallo Luisa, hallo Tim,
  • Liebe Ilse, lieber Hein,

Diese Vorgehensweise bietet sich aber nur bei zwei oder maximal drei bis vier Adressaten an. Schreiben Sie den Namen Ihres Hauptansprechpartners an erster Stelle. Alternativ nennen Sie den ranghöheren Ansprechpartner zuerst (zum Beispiel erst den Projektleiter, dann den Assistenten). Unter Kollegen lassen Sie Frauen oder älteren Semestern höflich den Vortritt.

Elegante (und kürzere) Alternativen, um mehrere Personen anschreiben, sind Anreden wie:

  • Liebes Projektteam,
  • Liebe Auszubildende,
  • Liebe Trainees,
  • Liebe Mitarbeiter,
  • Liebe Kolleginnen und Kollegen,
  • Hallo Support,
  • Hey Sales-Mannschaft, (salopp)

Wie rede ich Empfänger mit akademischem Grad an?

Ein Doktortitel ist Namensbestandteil. Daher gilt es als angemessen und höflich, Empfänger mit akademischem Grad auch so anzusprechen. Förmlich korrekt lautet hier die Anrede:

  • Sehr geehrter Herr Dr. Mustermann

Sogenannte Amtsbezeichnungen bei hoch gestellten Personen des öffentlichen Lebens beginnen indes in der Regel mit „Herr…“:

  • Herr Minister
  • Frau Abgeordnete
  • Frau Professorin
  • Herr Pfarrer

Wobei hierbei vor allem wieder die Beziehung zueinander und die Hierarchie eine Rolle spielt: Ein Student wird seine Professorin mit „Sehr geehrte Frau Professor Müller“ anschreiben. Professoren untereinander werden tendenziell eher das Liebe Frau Kollegin… oder einfacher Lieber Herr… wählen.

Welche Anrede bei Divers?

Das Attribut Divers bezieht sich in diesem Kontext auf intersexuelle Bewerber. Vielen ist nicht klar, wie sie Intersexuelle in Briefen und E-Mails anschreiben sollen: mit Herr oder Frau oder einfach mit dem Vornamen. Grundsätzlich kommt es darauf an, wie die jeweilige Person angesprochen werden möchte. Wenn Sie sich unsicher sind, können Sie intersexuelle Ansprechpartner so anreden und anschreiben:

  • Guten Tag Mick Schmidt
  • Hallo Sammy Richardson
  • Sehr geehrte_r Alex Michalski

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Anrede groß oder klein?

In der Höflichkeitsanrede werden die Anredepronomen Sie, Ihr oder Ihnen in Briefen und E-Mails grundsätzlich großgeschrieben („Ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten“). Die Anredepronomen du, dich, dein, dir, ihr, euch oder euer können Sie hingegen auch klein schreiben. Wenn Sie einen Empfänger persönlich adressieren, wählen Sie am besten die Großschreibung. Falls Sie mit Kollegen im ständigen Austausch stehen und einen lockere Umgangston pflegen, ist die Kleinschreibung (du, dir, dich) völlig in Ordnung – insbesondere in E-Mails.

Welche Anrede in Briefen und E-Mails ist veraltet?

Bestimmte Anreden sind hoffnungslos veraltet. Die Anredeformeln Werter Herr von Pinkel oder Verehrte Frau Wilhelm-Habsburger sollten Sie in Briefen und E-Mails nicht benutzen. Auch das Weglassen der Anrede ist normalerweise keine Option: Frau Schröder,. Diese Anrede drückt geringe Wertschätzung aus und kündigt in der Regel Unheil an.

Worauf muss ich noch achten?

Diese Tipps und Regeln helfen Ihnen bei der Formulierung einer guten Anrede in E-Mails und Briefen:

  • Stimmen Sie die Anrede immer individuell auf den Empfänger bzw. die Empfängerin ab und reden Sie ihn oder sie nach Möglichkeit mit Namen an.
  • Je näher Sie der angeschriebenen Person kennen, desto lockerer kann die Anrede ausfallen. Umgekehrt gilt, wenn Sie den Empfänger weniger gut kennen: Lieber förmlich als plump vertraulich.
  • Die förmliche Anrede in Briefen und E-Mails endet immer mit einem Komma. Danach folgt eine Leerzeile. Nach dem Komma schreiben Sie klein weiter (außer bei einem Substantiv).

Welche Anrede in E-Mail?

Wählen Sie für eine E-Mail die gleiche Anrede, die Sie für einen Brief verwendet hätten. Viele Menschen drücken sich im Online-Schriftverkehr salopper aus. Dies kann Ihnen böse auf die Füße fallen. Unterscheiden Sie – was die Anrede anbetrifft – nicht zwischen Brief und E-Mail.

[Bildnachweis: Naresuan261 by Shutterstock.com]

vgwort

23. Februar 2021 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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