Was bedeutet das m/w/d in Stellenanzeigen?

Als Bewerber sollten Sie die relevanten Abkürzungen in Ihrem Fachbereich kennen. Es gibt allerdings eine Kombination von Kürzel, die fachübergreifend immer wieder auftaucht: m/w/d. Was bedeutet das m/w/d in Stellenanzeigen? M für männlich, w für weiblich ist den meisten Lesern geläufig – vergleichsweise neu ist die dritte Stelle, die nicht zwangsläufig mit einem d beschrieben wird. Was es damit auf sich hat und warum Arbeitgeber Wert auf m/w/d in Stellenanzeigen legen sollten…

Was bedeutet das m/w/d in Stellenanzeigen?

Wofür stehen Kürzel wie m/w/d in Stellenanzeigen?

Wer sich Stellenanzeigen vorknöpft, liest unabhängig vom Stellenprofil immer wieder solche und ähnliche Abkürzungen dahinter, zum Beispiel:

  • Empfangsmitarbeiter (m/w/d)
  • Produktionshelfer (w/m/d)
  • Softwareentwickler (m/w/x)
  • Mitarbeiter GeräteCenter (*)

Wenn m für männlich, w für weiblich steht, könnte d wie in den ersten beiden Beispielen für die Staatsangehörigkeit, also „deutsch“ stehen, mutmaßt so mancher vielleicht. Allerdings ist nicht ersichtlich, warum diese tatsächlich für den Job eine Rolle spielen sollte.

Und spätestens bei dem Buchstaben x ist der Leser genauso schlau wie zuvor. Manche Unternehmen schreiben gar i statt d oder x und im letzten Beispiel wurde ganz auf Buchstaben als Kürzel verzichtet (Beispiele alle aus aktuellen Stellenanzeigen in unserer Jobbörse Karrieresprung).

Des Rätsels Lösung: Der Buchstabe d steht für divers. Die dritte Stelle in Form von d oder x und auch das Sternchen (Asterisk) stellen geschlechtsneutrale Stellenanzeigen dar. Sie sollen signalisieren: Dieses Unternehmen steht im Einklang mit dem Antidiskriminierungsgesetz.

Welche Rolle spielt das Antidiskriminierungsgesetz?

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) – umgangssprachlich Antidiskriminierungsgesetz genannt – hält in § 1 fest, dass Benachteiligungen aus folgenden Gründen zu verhindern oder zu beseitigen sind:

  • Rasse / ethnische Herkunft,
  • Religion / Weltanschauung,
  • Behinderung,
  • Alter,
  • Geschlecht oder
  • sexuelle Identität.

Dieses Gesetz hat dafür gesorgt, dass Unternehmen nicht mehr wie früher gezielt nach einer Sekretärin oder einem Buchhalter suchen durften, sondern die Stellenanzeige für beiderlei Geschlecht ausschreiben mussten. Das führte zu dem hinlänglich bekannten m/w hinter einer Berufsbezeichnung.

Die dritte Stelle von m/w/d in Stellenanzeigen geht auf ein Gerichtsurteil des Bundesverfassungsgerichts (Az. 1 BvR 2019/16) zurück, wonach neben den Kategorien männlich und weiblich eine dritte Möglichkeit eingeräumt wird.

Notwendig geworden war das, um Menschen vor Diskriminierung zu schützen, die sich weder dem männlichen, noch dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen. Dies ermöglicht allen Betroffenen nun eine weitere, positive Kategorie für Eintragungen beispielsweise ins Geburtenregister und überall dort, wo üblicherweise das Geschlecht angegeben werden muss.

Positiv deshalb, weil bisher neben männlich und weiblich allenfalls so etwas wie „keins von beidem“ als Option existierte.

Welche Bezeichnungen sind möglich und wofür stehen sie?

m/w/d in Stellenanzeigen ist aber längst nicht die einzige Möglichkeit, wie Unternehmen interessierten Bewerbern demonstrieren wollen, wie aufgeschlossen sie sind. Dem Erfindungsreichtum sind nahezu keine Grenzen gesetzt und so sehen sich Arbeitnehmer in Jobbörsen oft einem Wirrwarr an Abkürzungen gegenüber.

Wir klären auf:

  • m/w/d steht für männlich/weiblich/divers
  • m/w/i steht für männlich/weiblich/intersexuell
  • m/w/i/t steht für männlich/weiblich/intersexuell/transsexuell
  • m/w/a steht für männlich/weiblich/anders
  • m/w/x steht für männlich/weiblich/egal welches Geschlecht beziehungsweise nicht definiert
  • m/w/gn steht für männlich/weiblich/geschlechtsneutral
  • m/w/* steht für männlich/weiblich/Asterisk kann ein beliebiges Geschlecht oder eine Fußnote symbolisieren

Aber das ist längst noch nicht alles. Unternehmen im Kreativsektor oder internationale Großkonzerne arbeiten mit einer Vielzahl an Anglizismen oder schreiben von vornherein ihre Stellenanzeige in Englisch aus – und die geschlechtsneutralen Formulierungen wollen natürlich auch im Falle einer englischsprachigen Annonce an den Leser, Pardon, die Leserin oder Lesende, gebracht werden.

Möglich wäre also auch:

  • m/f/d für male/female/diverse
  • m/f/i für male/female/intersexual
  • m/f/i/t für male/female/intersexual/transsexual

Und um die Verwirrung komplett zu machen: Einige stören sich an der bisherigen Reihenfolge, bei der männlich (oder male) grundsätzlich zuerst genannt wird. Wer hierin eine Diskriminierung sehen will, könnte natürlich ebenso argumentieren, wenn grundsätzlich weiblich (oder female) an erster Stelle genannt wird.

Ein Kompromiss könnte eine alphabetische Sortierung sein, wonach d/m/w oder i/m/w in Stellenanzeigen auf Deutsch zu lesen wäre.

Für wen ist die dritte Kategorie?

Vermutlich haben Sie in den vergangenen Jahren die eine oder andere Diskussion um die Frage mitbekommen, wie viele Geschlechter es eigentlich gibt. Was früher immer so schön eindeutig schien, wurde in jüngerer Vergangenheit ordentlich aufgewirbelt.

Tatsächlich handelt es sich einerseits um eine relativ überschaubare Gruppe von Betroffenen: In Deutschland geht man von 80.000 bis 120.000 Menschen aus.

Gemeint sind Menschen, die sich entweder keinem der beiden Geschlechter zuordnen lassen möchten oder sich schlichtweg nicht zuordnen lassen. Biologische Merkmale sind längst nicht bei jedem Menschen so eindeutig ausgeprägt wie es das binäre Geschlechtersystem vermuten lassen würde.

Andererseits schützt das Grundgesetz jeden Menschen vor Diskriminierung. Das führt auch zu sprachlichen Veränderungen. Vor einigen Jahrzehnten wurde noch der Begriff „Zwitter“ für Betroffene benutzt – der ist aber eigentlich im Tierreich (beispielsweise bei Schnecken) für Lebewesen üblich, bei denen beide Geschlechtsorgane ausgeprägt sind.

Das Adjektiv „intersexuell“ hingegen schließt auch Menschen ein, die aufgrund genetischer oder hormoneller Besonderheiten sich in keine der beiden bisherigen Kategorien einordnen lassen. Und wer in Stellenanzeigen „divers“ aufnimmt, signalisiert, dass nicht nur das Geschlecht, sondern auch die sexuelle Orientierung völlig egal ist.

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit – denn ob ein Arbeitnehmer lesbisch oder schwul, bisexuell, polyamor, intersexuell oder sonst etwas ist beziehungsweise lebt, sollte den Arbeitgeber nicht nur nichts angehen, sondern auch keinerlei Auswirkungen darauf haben, ob eine Person grundsätzlich qualifiziert ist oder nicht. Abschlüsse und Arbeitszeugnisse verlieren ja deshalb nicht ihre Gültigkeit.

Wie wichtig ist m/w/d für Bewerber und Unternehmen?

Für Bewerber wird mit m/w/d in Stellenanzeigen klargestellt, dass sie als Mensch willkommen sind, ganz gleich, welches Geschlecht und welche sexuelle Orientierung sie haben. Unternehmen zeigen damit, dass sie im 21. Jahrhundert angekommen sind.

Expertise zählt und Privatleben bleibt Privatsache. Darüber hinaus gehen sie mit m/w/d in Stellenanzeigen auf Nummer sicher: Immer wieder kommt es zu spektakulären Fällen, in denen sogenannte AGG-Hopper Unternehmen wegen scheinbarer oder tatsächlicher Diskriminierung verklagen.

AGG-Hopper werden solche Kläger genannt, die oftmals Pro-forma-Bewerbungen schreiben – gerne auch an mehrere Unternehmen – bei denen sie sich aufgrund unvorsichtiger Formulierungen Erfolg im Klagefalle erhoffen. Und tatsächlich: Letztes Jahr wurde einem Münchener Anwalt nach neun (!) Jahren vom Landesarbeitsgericht (LAG) Hessen eine Entschädigung in Höhe von 14.000 Euro wegen Diskriminierung zugesprochen (Az. 7 Sa 851/17).

Das kann für Bewerber bedeuten, wenn sie beispielsweise in Fragebögen die dritte Option ankreuzen, dass sie vom Personaler mit vollem Namen angeschrieben werden, aber auf eine Anrede als „Herr“ oder „Frau“ verzichtet wird. Eine Ablehnung oder eine Einladung zum Vorstellungsgespräch könnte dann „Guten Tag, Peter/Petra Müller“ lauten – übrigens eine Anrede, wie sie im öffentlichen Dienst bereits länger praktiziert wird.

[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]
20. November 2019 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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