Was bedeutet die Abkürzung m/w/d in Stellenanzeigen?

Was bedeutet das m/w/d in Stellenanzeigen? M für männlich, w für weiblich ist den meisten Lesern geläufig – vergleichsweise neu ist die dritte Stelle, die nicht zwangsläufig mit einem d beschrieben wird. Was es damit auf sich hat und warum Arbeitgeber Wert auf m/w/d in Stellenanzeigen legen sollten…

Was bedeutet die Abkürzung m/w/d in Stellenanzeigen?

Was bedeutet das m/w/d in Stellenanzeigen?

Der Buchstabe d in m/w/d steht für divers. Damit ist ein drittes Geschlecht gemeint. Durch die Abkürzung m/w/d sollen neben männlichen (m) und weiblichen (w) auch explizit intersexuelle Bewerber angesprochen werden. Arbeitgeber bringen dadurch zum Ausdruck, dass ihre Bewerberauswahl geschlechtsneutral erfolgt.

Intersexuelle Menschen stehen zwischen den Geschlechtern männlich und weiblich und können keinem von beiden medizinisch eindeutig zugeordnet werden. Die Gründe können hormoneller Natur oder auf abweichende Geschlechtschromosomen zurückzuführen sein. Neben m/w/d gibt es noch weitere Abkürzungen wie etwa m/w/i, mit denen in Stellenanzeigen ausdrücklich auch das dritte Geschlecht angesprochen wird.

Hier drei Beispiele:

Was bedeuten m/w/i, m/w/a und m/w/x in Stellenanzeigen?

m/w/d ist längst nicht die einzige Möglichkeit, eine Stellenanzeige geschlechtsneutral zu formulieren. Dem Erfindungsreichtum sind nahezu keine Grenzen gesetzt. Arbeitnehmer werden in Jobbörsen oft mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Abkürzungen konfrontiert.

Eine Übersicht über die gängigen Abkürzungen:

  • m/w/d steht für männlich/weiblich/divers
  • m/w/i steht für männlich/weiblich/intersexuell
  • m/w/i/t steht für männlich/weiblich/intersexuell/transsexuell
  • m/w/a steht für männlich/weiblich/anders
  • m/w/x steht für männlich/weiblich/egal welches Geschlecht beziehungsweise nicht definiert
  • m/w/gn steht für männlich/weiblich/geschlechtsneutral
  • m/w/* steht für männlich/weiblich/Asterisk kann ein beliebiges Geschlecht oder eine Fußnote symbolisieren

Welche Abkürzungen gibt es international?

Unternehmen im Kreativsektor oder internationale Großkonzerne arbeiten mit einer Vielzahl an Anglizismen oder schreiben von vornherein ihre Stellenanzeige in Englisch aus. Die geschlechtsneutralen Formulierungen wollen natürlich auch im Falle einer englischsprachigen Annonce an Leser, Leserin und Lesende gebracht werden.

Diese englischen Abkürzungen sind möglich:

  • m/f/d für male/female/diverse
  • m/f/i für male/female/intersexual
  • m/f/i/t für male/female/intersexual/transsexual

Welche Rolle spielt das Antidiskriminierungsgesetz?

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz – umgangssprachlich Antidiskriminierungsgesetz genannt – schützt jede Person vor Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Das Gesetz hat dafür gesorgt, dass Unternehmen nicht mehr wie früher gezielt nach einer Sekretärin oder einem Buchhalter suchen durften, sondern die Stellenanzeige für beiderlei Geschlecht ausschreiben mussten. Das führte in Stellenanzeigen zu dem hinlänglich bekannten m/w hinter einer Berufsbezeichnung.

Das d in m/w/d geht auf ein Gerichtsurteil des Bundesverfassungsgerichts (Az. 1 BvR 2019/16) zurück, wonach neben den Kategorien männlich und weiblich eine dritte Möglichkeit eingeräumt werden muss. Notwendig geworden war dies, um Menschen vor Diskriminierung zu schützen, die weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuzuordnen sind.

Wen schützt das AGG?

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz hält in § 1 fest, dass Benachteiligungen aus folgenden Gründen zu verhindern oder zu beseitigen sind:

  • Rasse / ethnische Herkunft
  • Religion / Weltanschauung
  • Behinderung
  • Alter
  • Geschlecht
  • sexuelle Identität

Ist MWD Pflicht?

Für Arbeitgeber besteht keine Pflicht, Abkürzungen wie m/w/d oder m/w/i in ihren Stellenanzeigen zu verwenden. Gleichwohl müssen sie laut AGG sicherstellen, dass ihre Stellenanzeigen so formuliert sind, dass sich einzelne Geschlechter nicht diskriminiert fühlen. Auch dürfen sie Bewerber im Bewerbungsprozess nicht aufgrund ihres Geschlechts benachteiligen. Viele Rechtsanwälte raten daher dazu, auf Nummer sicher zu gehen und das m/w/d in Stellenausschreibungen grundsätzlich zu benutzen.

Wie wichtig ist m/w/d in Stellenanzeigen für Unternehmen?

Durch die Verwendung von m/w/d in Stellenanzeigen signalisieren Unternehmen, dass sie Bewerber wertschätzen, ganz gleich, welches Geschlecht und welche sexuelle Orientierung sie haben. Darüber hinaus sichern sie sich rechtlich ab. Immerhin kommt es regelmäßig zu spektakulären Fällen, in denen sogenannte AGG-Hopper Unternehmen wegen scheinbarer oder tatsächlicher Diskriminierung verklagen.

AGG-Hopper werden Kläger genannt, die oftmals Pro-forma-Bewerbungen schreiben – gerne auch an mehrere Unternehmen – bei denen sie sich aufgrund unvorsichtiger Formulierungen Erfolg im Klagefalle erhoffen. Und tatsächlich: Einem Münchener Anwalt wurde nach neun (!) Jahren vom Landesarbeitsgericht (LAG) Hessen eine Entschädigung in Höhe von 14.000 Euro wegen Diskriminierung zugesprochen (Az. 7 Sa 851/17).

Wie kann ich eine Stellenanzeige ohne m/w/d genderneutral formulieren?

Neben der Verwendung von m/w/d gibt es noch weitere Möglichkeiten, eine Stellenausschreibung genderneutral zu formulieren. So können HR-Manager im Stellenprofil oftmals komplett auf Begriffe verzichten, die auf das Geschlecht hindeuten. Beispiele: Lehrkraft, Servicekraft, Geschäftsführung oder Personalleitung. Eine weitere Option für geschlechtsneutrale Formulierungen ist der sogenannte Gender-Gap oder Gender-Star.

Beispiele für Gender-Gap und Gender-Star:

Warum steht d in m/w/d ganz hinten?

Einige Menschen stören sich an der gängigen Reihenfolge, bei der männlich (oder male) grundsätzlich zuerst genannt wird. Wer hierin eine Diskriminierung sehen will, könnte natürlich ebenso argumentieren, wenn grundsätzlich weiblich (oder female) an erster Stelle genannt wird. Ein Kompromiss könnte eine alphabetische Sortierung sein, wonach d/m/w oder i/m/w in Stellenanzeigen auf Deutsch zu lesen wäre.

Was zählt zu Divers?

Divers bezieht sich auf intersexuelle Menschen. Intersexuelle, intergeschlechtliche oder Inter*-Personen sind Menschen, deren Geschlecht aus medizinischer Sicht nicht eindeutig der Kategorie männlich oder weiblich zugeordnet werden kann. In Deutschland können Intersexuelle seit Ende 2018 beim Eintrag ins Personenstandsregister neben dem Geschlecht männlich oder weiblich auch die Option divers wählen. Das ist die sogenannte Dritte Option.

Der Gesetzgeber macht den Eintrag divers ausschließlich von körperlichen Merkmalen abhängig, konkret von der Ausprägung der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale. Die subjektive Geschlechtsidentität, also ob sich jemand als Mann oder Frau fühlt, spielt für die Bestimmung des Geschlechts – zumindest auf dieser Ebene – keine Rolle.

Wie ist die Anrede bei Geschlecht divers?

Grundsätzlich kommt es es darauf an, wie die betroffene Person angesprochen werden möchte – mit er, sie oder nur mit dem Vornamen. Verbindliche sprachliche Regelungen, auf die man sich berufen könnte, gibt es nicht. Wenn Sie unsicher sind, wie Sie eine intersexuelle Person schriftlich adressieren sollen, können Sie auf diese Alternativen zurückgreifen:

  • Guten Tag Helen Michel
  • Hallo Mick Anderson
  • Sehr geehrte_r Ali Yavas

Wie viele Intersexuelle gibt es?

Tatsächlich handelt es sich um eine relativ überschaubare Gruppe: In Deutschland geht man von 80.000 bis 120.000 intersexuellen Menschen aus. Gemeint sind Menschen, die sich entweder keinem der beiden Geschlechter (männlich/weiblich) zuordnen lassen möchten oder sich schlichtweg nicht zuordnen lassen.

Denn biologische Merkmale sind längst nicht bei jedem Menschen so eindeutig ausgeprägt wie es das binäre Geschlechtersystem vermuten lassen würde. Außerdem schützt das Grundgesetz jeden Menschen vor Diskriminierung. Das führt auch zu sprachlichen Veränderungen. Vor einigen Jahrzehnten wurde noch der Begriff „Zwitter“ für Betroffene benutzt – der ist aber eigentlich im Tierreich (beispielsweise bei Schnecken) für Lebewesen üblich, bei denen beide Geschlechtsorgane ausgeprägt sind.

Warum ist das wichtig?

Das Adjektiv „intersexuell“ hingegen schließt auch Menschen ein, die aufgrund genetischer oder hormoneller Besonderheiten sich in keine der beiden bisherigen Kategorien einordnen lassen. Und wer in Stellenanzeigen „divers“ aufnimmt, signalisiert, dass nicht nur das Geschlecht, sondern auch die sexuelle Orientierung völlig egal ist.

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit – denn ob ein Arbeitnehmer lesbisch oder schwul, bisexuell, polyamor, intersexuell oder sonst etwas ist beziehungsweise lebt, sollte den Arbeitgeber nicht nur nichts angehen, sondern auch keinerlei Auswirkungen darauf haben, ob eine Person grundsätzlich qualifiziert ist oder nicht. Ein Abschluss oder Arbeitszeugnis verliert ja deshalb nicht seine Gültigkeit.

[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]
19. Februar 2021 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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