Was muss ich beim Abschlussgespräch beachten?

Jobwechsel sind im Berufsleben ganz normal. Kündigt ein Mitarbeiter, kann das unterschiedliche Gründe haben. Welche – das bleibt vielen Arbeitgebern allerdings bei der Kündigung verborgen. Das Abschlussgespräch gibt beiden Seiten – Arbeitnehmer wie Arbeitgeber – die Chance, professionell getrennte Wege zu gehen, aber auch ein Fazit zu ziehen und Verbesserungspotenziale zu erkennen. Heikel bleibt die Mission dennoch. Was Sie beim Abschlussgespräch beachten müssen, was Sie sagen können – und wozu Sie besser die Klappe halten…

Was muss ich beim Abschlussgespräch beachten?

Welche Vorteile hat das Abschlussgespräch?

Auch wenn es erst einmal widersinnig klingt: Das Abschlussgespräch (auch Exit-Gespräch oder Exit-Interview genannt) bietet für beide Seiten Vorteile und Chancen. Nicht nur der Ex-Arbeitgeber profitiert von der Aussprache. Auch Sie selbst können an der Stelle einen ebenso positiven wie professionellen Eindruck hinterlassen.

Die wichtigsten Vorteile des Abschlussgesprächs sind:

  • Sie gehen im Guten auseinander.
  • Das Exit-Gespräch erlaubt beiden Seiten, ein Fazit zu ziehen.
  • Der Arbeitgeber erkennt Verbesserungspotenziale.
  • Sie können womöglich die Bedingungen für Ihre Ex-Kollegen verbessern.
  • Sie halten sich die Option offen, sich in ein paar Jahren vielleicht wieder hier zu bewerben.
  • Das Gespräch kann Wogen glätten und die Arbeitgeber-Reputation verbessern (oder ein schlechtes Zeugnis im letzten Moment verhindern).

Mancher Arbeitgeber bittet womöglich auch um ein Abschlussgespräch, um Sie von der Kündigung wieder abzubringen. Schließlich verliert das Unternehmen mit Ihnen eine Fachkraft und hat so wieder neue Recruitingkosten. Dies hat zur Folge, dass Ihnen mancher Chef eine sofortige Gehaltserhöhung anbietet…

Überlegen Sie sich das aber genau. Denn…

  • Wer für Geld bleibt, geht später auch für (noch mehr) Geld.
  • Zudem wiegt die Gehaltserhöhung nicht zwingend die Gründe auf, weswegen Sie das Unternehmen ursprünglich verlassen wollten.

Generell kann Sie niemand zum Abschlussgespräch zwingen. Wenn Sie gekündigt haben, machen Sie Ihren Job bitte professionell weiter. Noch werden Sie schließlich dafür bezahlt! Warum Sie aber gehen – darüber schulden Sie niemandem Rechenschaft.

Es kann aber – wie gesagt – auch Vorteile haben, sich mittels eines offenen Feedbacks auszusöhnen und im Guten zu trennen.

Was sind die größten Tabus im Abschlussgespräch

Mitarbeiter kommen wegen des Jobs – und gehen wegen des Chefs. Diese alte Weisheit hat sich schon viele Male bewahrheitet. So formulieren sollten Sie das im Exit-Interview trotzdem nicht. Dazu, dass das Abschlussgespräch seine positive Wirkung entfalten kann, ist schonungslose Ehrlichkeit eher der falsche Weg.

Richtig ist, dass die Aussprache ein Ort für konstruktive Kritik ist. Allerdings nicht für eine Abrechnung mit dem Ex-Chef. Motto: Was ich Ihnen schon immer mal sagen wollte…

Auch wenn Sie Ihrem bisherigen Arbeitgeber aus guten Gründen den Rücken kehren, bleiben Sie stets professionell und formulieren Sie weise. Aufgestauten Frust zu ventilieren, erleichtert vielleicht kurzfristig. Sie zerschlagen aber so nur Porzellan und verbrennen Brücken über die Sie vielleicht nochmal gehen wollen oder müssen. Man begegnet sich immer zweimal im Leben. Das ist nicht nur ein Spruch!

Tabu sind im Exit-Gespräch daher…

  • Persönliche Beleidigungen
  • Unsachliche (und unbegründete) Kritik
  • Emotionale Ausbrüche
  • Pauschalkritik
  • Schadenfreude
  • Triumphales Gehabe und Arroganz

Tunlichst vermeiden sollten sich auch, über Ex-Kollegen zu lästern oder schmutzige Wäsche zu waschen, andere zu verpetzen oder anzuschwärzen. Von dem Dreck bleibt immer auch etwas am Werfer hängen. Seien Sie durchaus aufrichtig – aber überlegen Sie sich auch genau, was Sie sagen. Vieles lässt sich so oder so formulieren. Auch daran erkennt man den Profi.

Wie sollte ich mich im Abschlussgespräch verhalten?

Grundsätzlich gilt es, zunächst eine offene und positive Atmosphäre zu schaffen. Die Grundstimmung sollte nicht belastet oder vergiftet sein. Dann bringt die Aussprache gar nichts. Wer sich dabei in die Enge getrieben oder zu Rechtfertigungen genötigt fühlt, wird keine ehrlichen oder konstruktiven Antworten geben.

Umgekehrt sollten aber auch Sie ohne Rachegelüste oder vergleichbare Emotionen in das Gespräch gehen. Die Haltung darf befreit sein, sollte dem Wesen nach aber nobel und souverän bleiben. Beweisen Sie Größe im Umgangston – zu jedem Zeitpunkt!

Zum Beispiel so:

  • Danken Sie für die bisherige Zusammenarbeit (auch wenn die wenig vergnüglich war).
  • Bedanken Sie sich für die Erfahrungen, die Sie machen durften (was herrlich doppeldeutig sein kann).
  • Wertschätzen Sie alles, was Sie gelernt haben. Man bildet sich in jedem Job weiter.
  • Bekräftigen Sie nochmal, dass Sie im Guten auseinander gehen. Der Tenor sollte sein: Dieser Job war nicht schlecht, aber der andere besser und er ermöglicht Ihnen, sich weiter zu entwickeln.

Solange Sie konstruktiv und sachlich bleiben, dürfen Sie generelle Kritik äußern – stets verbunden mit Verbesserungsvorschlägen.

Persönliche Angriffe gegen den Ex-Chef, dessen Führungsstil oder einzelne Kollegen sollten Sie sich indes verkneifen. So etwas sollten Sie verklausulieren und freundlich verpacken. Andernfalls wirkt es immer ein wenig kleinlich und beleidigt.

Was sind gute Fragen im Abschlussgespräch (aus Personalersicht)?

Letztlich geht es im Abschlussgespräch darum, herauszufinden, warum ein Talent und Mitarbeiter das Unternehmen (freiwillig) verlässt. Die wahren Gründe offenbaren mitunter Schwächen bei den Führungskräften oder Defizite in der Unternehmenskultur. Kluge Fragen helfen entsprechend, künftige Kündigungen zu vermeiden und die Fluktuationsrate zu senken.

Damit Sie dazu auch ehrliche Antworten bekommen, sollte der Ex-Mitarbeiter keine keine Sanktionen fürchten müssen. Ideal ist daher, das Abschlussgespräch zum Beispiel erst zu führen, wenn der scheidende Kollege schon ein sehr gutes Arbeitszeugnis bekommen hat.

Auch sollte der Mitarbeiter vorab wissen, wie vertraulich das Interview ist. Also wer von den Inhalten erfährt und wer nicht. Und er oder sie sollte glaubhaft vermittelt bekommen, dass die Rückmeldung willkommen ist und etwas bewegen kann.

Sind diese Voraussetzungen geschaffen, können Sie eine sachliche Aussprache anregen und einen Termin vereinbaren. Die folgenden Fragen haben sich dabei bewährt:

  • Was hat Sie dazu bewegt, sich einen neuen Job zu suchen?
  • Was haben Sie bei uns im bisherigen Job am meisten vermisst?
  • Was würden Sie an der bisherigen Position ändern, wenn sie könnten?
  • Haben Sie diese Kritikpunkte schon mal mit Ihrem Vorgesetzten besprochen?
  • Was war das Ergebnis?
  • Wie würden Sie die Kultur unseres Unternehmens beschreiben?
  • Was hat Sie an der neuen Stelle am meisten gereizt?
  • Unter welchen Umständen wären Sie bei uns geblieben?
  • Wie würden Sie uns als Arbeitgeber beschreiben oder empfehlen?
[Bildnachweis: WeAre by Shutterstock.com]
24. Januar 2020 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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