Kann ich Arbeitgeber auf eine schlechte Bewertungen ansprechen?

Über manche Arbeitgeber finden sich im Internet wirklich schlechte Bewertungen: Arbeiten Sie hier bloß nicht! Mieses Klima, untragbare Zustände, reine Ausbeutung… Solch desaströses Feedback macht manchen Bewerber stutzig. Nicht ganz zu unrecht. Schließlich nutzen nicht wenige Kandidaten die zahlreichen Bewertungsportale im Netz, um sich vorab einen Eindruck von einem Arbeitgeber zu verschaffen. Aber darf man die Unternehmensvertreter im Vorstellungsgespräch auf die Bewertungen ansprechen? Aber sicher, Sie sollten sogar…

Kann ich Arbeitgeber auf eine schlechte Bewertungen ansprechen?

Darf ich schlechte Bewertungen im Vorstellungsgespräch ansprechen?

Wie das wahre Betriebsklima aussieht – darüber gibt wohl erst absolute Klarheit, wenn man schon ein paar Wochen für einen Arbeitgeber arbeitet. Dennoch können und sollten Bewerber im Vorfeld einige Indizien recherchieren und auch Warnzeichen beachten, ob ein Arbeitgeber zum Beispiel seriös ist oder nicht.

Entsprechende Einblicke bieten sogenannte Arbeitgeber-Bewertungsportale.

Die Angaben und Kommentare dort sollten Sie aber stets kritisch betrachten. So ziemlich jeder Teilnehmer agiert auf diesen Plattformen mit Hintergedanken:

  • Arbeitgeber wollen sich möglichst positiv darstellen und animieren schon mal besonders zufriedene Mitarbeiter dazu, eine positive Bewertung zu schreiben.
  • Ex-Mitarbeiter, die vielleicht in Wahrheit selbstverschuldet rausgeflogen sind, versuchen sich mit einer besonders negativen Bewertung zu rächen.

Kurzum: Die Motivation hinter den Kommentaren und Bewertungen ist nicht immer ganz eindeutig auszumachen. Entsprechend sollten Sie diese eher Mosaiksteine betrachten. Erst alle Informationen zusammen, die Sie recherchieren können, ergeben ein einigermaßen aufschlussreiches Gesamtbild.

Sollte das aber eben negativ ausfallen, ist es durchaus geboten Arbeitgeber darauf anzusprechen.

Offensichtlich wollen Sie ja auch weiterhin für das Unternehmen arbeiten. Sonst hätten Sie an der Stelle die Bewerbung längst zurückgezogen oder erst gar nicht abgeschickt. Es geht aber auch um Ihre berufliche Zukunft. Also gehört es zu Ihrer Sorgfaltspflicht, hier nachzufragen. Das ist nicht nur legitim, sondern auch professionell.

Und zwar so:

  • Bitte kein Verhör

    Bleiben Sie bei Ihrer Rückfrage stets sachlich. Ihre Haltung muss sein: Sie sind nicht Ankläger, sondern verunsichert und möchten Ihre Zweifel zerstreuen. Sagen Sie also zum Beispiel: „Ich bin bei meinen Recherchen im Internet auf einige schlechte Bewertungen gestoßen. Wie lassen sich diese erklären?“ Das zeigt, dass Sie sich vorher gut informiert haben. Es beweist aber auch Ihre Gewissenhaftigkeit und Ihr Interesse, an dem Job und Arbeitgeber.

  • Eigene Werte betonen

    Dass Sie die schlechten Bewertungen stören, hat letztlich etwas mit Ihren Werten zu tun. Sie können im Gespräch also auch sagen, was Ihnen wichtig ist (zum Beispiel Fairness, Kollegialität, Anerkennung, etc.) und zugleich Ihre Bedenken aufgrund der schlechten Bewertungen äußern. Falls sich die Personaler nun in Rechtfertigungen flüchten, haken Sie ruhig nochmal nach: „Angenommen, ich fange bei Ihnen an, woran würde ich dann merken, dass ____________ im Unternehmen gelebt wird?“

Zugegeben, falls die Vorwürfe und schlechten Bewertungen im Internet stimmen, wird kaum ein Personaler ehrlich auf Ihre Fragen antworten, sondern alles abwiegeln und Sie beschwichtigen.

Das ist aber auch eine aufschlussreiche Antwort. An der Art, wie man auf Ihre – berechtigte (!) – Nachfrage reagiert, können Sie viel im Subtext herauslesen. Letztlich muss dann Ihr Bauchgefühl entscheiden, ob Sie wider Ihre Zweifel handeln und für den Arbeitgeber arbeiten wollen. Oder ob Sie dann im Vorstellungsgespräch die Reißleine ziehen – und danach Ihrerseits absagen.

[Bildnachweis: baranq by Shutterstock.com]
22. November 2019 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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