Welche Rechte haben Praktikanten?

Lehrjahre sind keine Herrjahre – das gilt auch im Praktikum. Das bedeutet aber nicht, dass man in dieser Zeit nur Pflichten hätte: Es gibt auch Praktikanten Rechte. Leider wissen das nicht alle Praktikanten – und werden prompt von einigen unseriösen Arbeitgebern schamlos ausgenutzt. Damit Ihnen das nicht passiert, erfahren Sie hier, welche Rechte Praktikanten haben, was Ihnen zusteht und was nicht…

Welche Rechte haben Praktikanten?

Welche Rechte habe ich als Praktikant?

In der Berufswelt, insbesondere beim Berufseinstieg gehört heute mindestens ein Praktikum zum Standard. Allerdings ist nirgendwo klar definiert, was alles ein Praktikum ist. Das kann ein Schnuppertag oder eine Schnupperwoche ebenso sein, wie ein halbes Jahr Arbeit in einem Betrieb.

Das Bundesarbeitsgericht hat vor einiger Zeit mal definiert, ein Praktikum sei eine vorübergehende Tätigkeit in einem Betrieb zum Erwerb praktischer Kenntnisse. Von Zeiten und Bezahlung steht da nichts. Leider.

Immerhin kann man Praktika heute in zwei Formen unterscheiden:

  • Pflichtpraktikum

    Dieses ist in der Studienordnung vorgeschrieben. Um den angestrebten Abschluss zu erwerben, muss der Student in seiner Studienzeit (mindestens) ein Praktikum absolvieren. Bei diesem Praktikum liegt kein Anspruch auf Vergütung vor. Allerdings besteht ein Bafög-Anspruch. Erhalten Sie also für Ihr Studium Bafög, wird dieses während Ihres Praktikums fortgezahlt. Ein Bafög-Anspruch besteht auch, wenn das Praktikum eine Voraussetzung für die Zulassung zum Studium ist.

  • Freiwilliges Praktikum

    Deutlich mehr Rechte haben Praktikanten, die aus freien Stücken ein Praktikum absolvieren. Ihre Rechte fallen unter das Berufsbildungsgesetz und sind damit vergleichbar mit den Rechten und Pflichten von Auszubildenden. Danach besteht ein Anspruch auf Vergütung, solange das Praktikum länger als einen Monat dauert und der Praktikant aktiv am Unternehmensalltag teilnimmt.

Aber schauen wir uns die Rechte von Praktikanten im Einzelnen an…

  • Bezahlung

    Praktikanten besitzen dann einen Anspruch auf Bezahlung, wenn es weniger um die Vermittlung praktischer Kenntnisse geht, dafür umso mehr um ihre Arbeitsleistung. Das betrifft häufig Praktika nach Abschluss des Studiums. In diesem Fall haben Praktikanten ein Recht auf den gesetzlichen Mindestlohn (oder mehr).

    Ausgenommen davon sind jedoch:

    • Pflichtpraktika im Rahmen von Schule, Ausbildung oder Studium
    • Freiwillige Praktika begleitend zu Studium oder Ausbildung bis zu drei Monaten
    • Freiwillige Praktika bis zu drei Monaten, die zur Orientierung bei der Berufs- oder Studienwahl dienen
    • Praxisphasen während eines dualen Studiums, generell bei ausbildungsintegrierten Studiengängen, sowie praxisintegrierten Studiengängen bei denen praktische Tätigkeiten regelmäßig innerhalb des Studiengangs verpflichtend sind.
    • Vom Mindestlohn ausgenommen sind zudem alle unter 18-Jährigen, die noch keinen Berufsabschluss erworben haben.

    Dauert das Praktikum wiederum länger als drei Monate (vier Monate zum Beispiel) muss es vollständig und rückwirkend mit dem Mindestlohn bezahlt werden. Also nicht nur der eine, längere Monat, sondern die volle Praktikumszeit.

  • Arbeitszeit

    Die Arbeitszeiten von Praktikanten entsprechen üblicherweise jenen von Angestellten. Genaueres wird jedoch im Praktikumsvertrag geregelt. Bei freiwilligen Praktika besteht zudem ein Anspruch auf Ausgleich von Überstunden und für Tätigkeiten an Sonn- beziehungsweise Feiertagen. Dieser ergibt sich allerdings aus dem Berufsbildungsgesetz und gilt daher nicht für Pflichtpraktika.

  • Urlaub

    Auch beim Urlaubsanspruch gelten unterschiedliche Regelungen: Bei Pflichtpraktika unterliegen Studenten keinem arbeitsrechtlichen Schutz und haben auch keinen Anspruch auf Urlaub. Bei einem freiwilligen Praktikum gelten wiederum die gleichen Rechte wie bei Angestellten. Heißt: Praktikanten haben Anspruch auf 24 Tage Urlaub im Jahr. Also umgerechnet zwei Tage pro Monat.

  • Kündigung

    Wurde im Vorfeld keine Kündigungsfrist vereinbart, können Praktikanten jederzeit gehen. Sollte das Praktikum nicht Ihren Vorstellungen entsprechen und Sie haben das Gefühl, nichts zu lernen oder ausgenutzt zu werden, dürfen Sie also die Notbremse ziehen. Kündigen Sie zur Sicherheit schriftlich. Eine einfach DIN A4 Seite reicht. Darauf Ihr Name, Geburtsdatum und Adresse, darunter Name und Anschrift des Unternehmens, dazu noch das aktuelle Datum und folgende Sätze:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    hiermit kündige ich form- und fristgerecht mein Praktikum zum heutigen Tag.

    Mit freundlichen Grüßen
    UNTERSCHRIFT

    Das reicht völlig.

  • Praktikumszeugnis

    Sobald das Praktikum beendet ist, steht Praktikanten ein Praktikumszeugnis zu. Bei einem Pflichtpraktikum ist dies meist eine Bescheinigung, dass Sie in einer bestimmten Zeit bei dem Unternehmen beschäftigt waren.

    Bei freiwilligen Praktika haben Praktikanten das Recht auf ein sogenanntes qualifiziertes Arbeitszeugnis. Darin enthalten: eine genaue Tätigkeitsbeschreibung sowie die Beurteilung der Leistungen und des Sozialverhaltens des Praktikanten. Achten Sie dabei unbedingt auf die Zeugnissprache. Laut Rechtsprechung steht Ihnen dabei ein mindestens „befriedigendes“ Zeugnis zu.

Wir empfehlen Ihnen aus obigen Gründen, dass Sie bei einem längeren Praktikum als vier Wochen immer auf einen Praktikumsvertrag bestehen sollten. Darin sollten Arbeitszeiten, Urlaubsanspruch, Kündigungsfrist sowie die Inhalte des Praktikums und Entlohnung festgelegt sein. Alles, was Sie schriftlich haben, gibt Ihnen später mehr Sicherheit.

[Bildnachweis: AJR_photo by Shutterstock.com]
10. November 2019 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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