Wie kann ich mich richtig krankmelden?

Wer krank ist, kann nicht arbeiten gehen. So weit, so klar. Wer aber einfach der Arbeit fernbleibt, ohne dem Arbeitgeber Bescheid zu geben, riskiert eine Kündigung. Wie können sich Arbeitnehmer richtig krankmelden? Welche Fristen und Vorgaben gilt es zu beachten, damit Sie rechtlich abgesichert sind? Für die korrekte Krankmeldung sind sowohl gesetzliche Vorgaben als auch der individuelle Arbeitsvertrag relevant. Was Sie dazu wissen müssen…

Wie kann ich mich richtig krankmelden?

Wie melde ich mich krank?

Da Sie mit Ihrem Arbeitsvertrag sich zur Leistung verpflichtet haben und diese im Krankheitsfall nicht erbringen können, ist es notwendig, dass Sie sich krankmelden. Nur wenn Sie sich richtig krankmelden, ist Ihre Entgeltfortzahlung gewährleistet – Sie erhalten also (zumindest für die ersten sechs Wochen) weiterhin Ihr Gehalt ausgezahlt, obwohl Sie nicht arbeiten gehen.

Drei Fragen sind für Arbeitnehmer in diesem Zusammenhang immer besonders wichtig:

  1. Wann muss ich mich krankmelden?

    Kurze Antwort: Sofort. Beginnt Ihr Arbeitstag um 8 Uhr morgens und stellen Sie nach dem Aufwachen um 6 Uhr morgens fest, dass Sie nicht arbeitsfähig sind, dann haben Sie Ihren Arbeitgeber umgehend davon in Kenntnis zu setzen. Ist das Telefon erst ab 8 Uhr besetzt, heißt das eben um 8 Uhr morgens. Das gilt auch, wenn Sie selbst erst um 10 Uhr morgens anfangen würden. Ihr Arbeitgeber muss die Chance haben, etwaigen Ersatz zu organisieren. Krankmelden müssen Sie sich auch bei der Krankenkasse, der Sie die entsprechende Ausfertigung Ihres Attests übermitteln.

  2. Wie melde ich mich krank?

    Gesetzlich ist keine bestimmte Form der Krankmeldung vorgeschrieben – theoretisch können Sie sich ebenso gut per Whatsapp oder Mail krankmelden. Das Problem bei diesen Formen ist allerdings, dass Sie nicht unmittelbar mitbekommen, ob und wann Ihre Nachricht gelesen wird – werden Mails grundsätzlich erst um 11 Uhr vormittags beantwortet, fehlen Sie im ärgsten Fall drei Stunden unentschuldigt. Auf der sicheren Seite sind Sie daher immer, wenn Sie sich persönlich am Telefon krankmelden. Anderenfalls sollten Sie im Falle einer Mail oder des Whatsapp-Dienstes eine kurzfristige Rückmeldung erbitten. Wer sich unsicher ist, kann auch in der Personalabteilung anrufen und nach dem exakten Prozedere fragen.

  3. Welchen Nachweis brauche ich?

    Als Nachweis einer Erkrankung erhalten Arbeitnehmer ein ärztliches Attest, die sogenannte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU). Wann Sie Ihrem Arbeitgeber ein solches Attest vorlegen müssen, ist in Ihrem Arbeitsvertrag geregelt. In manchen Fällen greift die gesetzliche Vorgabe. Die sieht vor, dass der Arbeitnehmer spätestens nach dem dritten Krankheitstag einen Nachweis braucht. Das bedeutet, wer beispielsweise drei Tage mit einem Magen-Darm-Infekt kämpft, sich aber am vierten Tag gesund genug zum Arbeiten fühlt, muss für die drei ausgefallenen Tage keinen Nachweis erbringen, lediglich, wenn er länger krank ist.

    Anders sieht es aus, wenn Ihr Arbeitsvertrag eine abweichende Regel enthält: Der Arbeitgeber hat grundsätzlich das Recht, bereits am ersten Krankheitstag eine Krankschreibung vom Mitarbeiter zu verlangen. In dem Fall ist es völlig unerheblich, ob Sie am vierten oder am zehnten Tag wieder putzmunter sind.

Unser Tipp: Melden Sie sich am Telefon persönlich krank. Teilen Sie mit, wann Sie den Arzttermin haben und rufen Sie ein weiteres Mal danach an, wenn Sie vom Arzt den Attest haben und mitteilen können, wie lange Sie voraussichtlich ausfallen werden.

Was passiert, wenn ich nicht rechtzeitig Bescheid gebe?

Die rechtzeitige Krankmeldung ist einerseits eine Selbstverständlichkeit im fairen Umgang miteinander: Schichten und Aufgaben müssen verteilt, der Arbeitsausfall irgendwie kompensiert werden. Es kann allerdings Fälle geben, in denen das nicht möglich ist.

Wer einfach „nur“ morgens mit Grippe oder Erkältung aufwacht, kann umgehend seinen Arbeitgeber informieren und das wird wie oben dargelegt, auch erwartet. Anders sieht es aus, wenn Sie einen schweren Autounfall haben oder beispielsweise in Ohnmacht fallen. In solchen Fällen ist die Übermittlung Ihres Arbeitsausfalls (durch Sie selbst oder andere Personen) erst möglich, wenn Sie wieder ansprechbar sind beziehungsweise eine Person damit beauftragen können.

Solche dramatischen Umstände sind aber eher die Ausnahme – die Regel sind solche Erkrankungen, die mühelos mitgeteilt werden könnten. Vergisst ein Arbeitnehmer seiner Pflicht nachzukommen, kann das eine Abmahnung nach sich ziehen. Kommt das wiederholt vor, droht die Kündigung.

Darf ich während der Krankschreibung das Haus verlassen?

Viele Arbeitnehmer haben aus Angst vor unliebsamen Konsequenzen (Abmahnung, Kündigung) Angst, während einer Krankschreibung das Haus zu verlassen. Sich krank zu melden heißt aber nicht, dass Sie fortan bis zum Ende Ihrer Erkrankung das Bett hüten müssen. Zum einen ist klar, dass Sie für Wege zum Arzt oder zur Apotheke sich nach draußen begeben.

Auch der Einkauf im Supermarkt zwecks Versorgung mit notwendigen Lebensmitteln und Haushaltsprodukten ist eine Selbstverständlichkeit. Was viele Arbeitnehmer aber nicht wissen: Sie dürfen grundsätzlich alles tun, was Ihrer Gesundheit zuträglich ist. Oder anders formuliert: Was Ihrer Genesung nicht schadet, den Genesungsprozess nicht weiter hinauszögert.

Damit sind in jedem Fall Spaziergänge an der freien Luft abgedeckt. Für jemanden, der wegen Depressionen krankgeschrieben ist, können auch Unternehmungen in Gesellschaft sinnvoll sein. Schwierig wird es, wenn jemand morgens noch sterbenskrank ins Telefon gekrächzt hat und wenige Stunden später dabei gesehen wird, wie er sich in einer Disco mit viel Alkohol die Nacht um die Ohren haut.

Was passiert, wenn ich länger als 6 Wochen erkrankt bin?

In den ersten sechs Wochen einer Krankmeldung übernimmt der Arbeitgeber die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfalle. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Sie mindestens seit vier Wochen für diesen Arbeitgeber ununterbrochen tätig sind und die Erkrankung nicht selbst verschuldet ist – etwa durch einen Autounfall unter Alkoholeinfluss.

Unter die Lohnfortzahlung fällt ebenfalls, wenn Sie im Zuge eines Schwangerschaftsabbruchs oder einer Sterilisation nicht arbeiten gehen können. Ihre finanzielle Sicherheit ist aber auch dann gewährleistet, wenn Sie länger als sechs Wochen erkranken.

Nun übernimmt die Krankenkasse die Finanzierung in Form des Krankengeldes. Das beträgt allerdings weniger als Ihr Gehalt: Häufig liegt es bei 70 Prozent Ihres letzten Bruttogehalts, aber höchstens 90 Prozent vom Netto-Gehalt. Auch Urlaubs- und Weihnachtsgeld fließen mit ein, sofern Sie es in den vergangenen zwölf Monaten erhalten haben.

Für das Krankengeld gibt es einen Höchstwert pro Kalendertag (also auch für Sonn- und Feiertage), der aktuell bei 105,88 Euro liegt. Dieser berechnet sich aus der Beitragsbemessungsgrenze von 151,25 Euro pro Tag. 70 Prozent dieses Wertes ergeben den Höchstsatz von maximal 105,88 Euro Krankengeld pro Tag.

Muss mein Arbeitgeber den Krankheitsgrund erfahren?

Ab Anfang 2021 ist die digitale Krankmeldung geplant, dann wird der behandelnde Arzt die Krankenkasse des Versicherten über die Arbeitsunfähigkeit informieren und die ihrerseits den Arbeitgeber kontaktieren.

Bis dahin erhalten Arbeitnehmer die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung papierener Form. Sie besteht aus drei Bestandteilen:

  • Der Ausfertigung zur Vorlage bei der Krankenkasse,
  • der Ausfertigung zur Vorlage beim Arbeitgeber und
  • der Ausfertigung für Versicherte.

Eine vierte Lage ist für den Arzt und wird erst gar nicht ausgehändigt. Die Ausfertigung für die Krankenkasse enthält neben der voraussichtlichen Krankheitsdauer die Diagnose. Wollen Sie wissen, was dieser Code bedeutet, können Sie eine Diagnoseauskunft auf der Website Ihrer Krankenkasse finden.

Auf der Ausfertigung zur Vorlage beim Arbeitgeber ist keine Diagnose vermerkt. Aus dem einfachen Grund, weil Ihr Arbeitgeber kein Anrecht darauf hat zu erfahren, woran Sie erkrankt sind. Er darf also auch nicht seinerseits nachhaken.

Einzige Ausnahme sind hoch infektiöse, meldungspflichtige Krankheiten – dann müssen Sie auf der Arbeit Ihrem Chef Bescheid geben. In diesem Fall werden Sie allerdings bereits vom Gesundheitsamt kontaktiert.

In diesem Fall überwiegt der Gesundheitsschutz der anderen Angestellten und des Arbeitgebers.

Was ist im Urlaub zu beachten?

Sie haben Urlaub eingereicht und werden direkt am ersten Urlaubstag krank? Das ist persönlich frustrierend, Sie müssen allerdings nicht fürchten, dass Ihr Urlaub verfällt. Die Urlaubstage werden Ihnen gutgeschrieben, denn Urlaub ist zur Erholung da und Krankheit ist das Gegenteil davon.

Damit Ihr Urlaub nicht einfach verfällt, müssen Sie allerdings auch hier umgehend den Arbeitgeber in Kenntnis setzen. Befinden Sie sich zu dem Zeitpunkt im Ausland, müssen Sie bereits am ersten Tag einen Arzt aufsuchen, sich ein Attest ausstellen lassen und den Arbeitgeber informieren, wo und wann Sie am Urlaubsort erreichbar sind, also Adresse und Telefonnummer hinterlegen.

Bedenken Sie: Die verpassten Urlaubstage dürfen Sie nicht einfach an Ihre Urlaubszeit „dranhängen“ – das käme einer Selbstbeurlaubung gleich und hätte eine Abmahnung zur Konsequenz.

[Bildnachweis: Photographee.eu by Shutterstock.com]
1. Dezember 2019 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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