Welche Fragen sind im Vorstellungsgespräch verboten?

Es gibt unzählige Fragen, die Personaler im Vorstellungsgespräch können. Das Gros davon ist sinnvoll und erlaubt. Es gibt aber auch ein paar verbotene Fragen im Vorstellungsgespräch, die manche Personaler stellen, obwohl sie genau wissen, dass sie illegal sind und Bewerber darauf nicht antworten müssen. Was Sie in einer solchen Situation tun können, und welche Rechte Bewerber haben…

Welche Fragen sind im Vorstellungsgespräch verboten?

Welche Fragen sind unzulässig im Vorstellungsgespräch?

Fehlbesetzungen sind für Arbeitgeber teuer. Deshalb ist es zwar verständlich, dass manch übereifrige Personalentscheider ihr Unternehmen vor möglichen Kosten bewahren wollen. Auch hat der Arbeitgeber ein grundsätzliches Fragerecht. Illegal und verboten bleiben manche Fragen im Bewerbungsgespräch aber trotzdem.

Denn umgekehrt haben Bewerber auch ein Recht auf Privatsphäre. Sobald sich das Jobinterview in diesem Spannungsfeld bewegt, wird es für Personalverantwortliche eng, und sie bewegen sich mindestens in einer Grauzone der zulässigen Fragen.

  • So ist beispielsweise die Frage nach dem Alter eigentlich schon verboten. Gleichzeitig darf der Personaler die Frage nach der beruflichen Erfahrung stellen – was wiederum indirekt Aufschluss über das mögliche Alter gibt.
  • Ähnlich ist es bei der Frage nach der Herkunft: Die ist so verboten. Erlaubt ist aber, nach der Muttersprache zu fragen.

Hintergrund ist hier meist das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG, auch Antidiskriminierungsgesetz genannt), das verbietet, dass Bewerber aufgrund persönlicher, politischer oder religiöser Merkmale abgelehnt werden. Andernfalls können sie auf Schadenersatz klagen. Nur ist es auch hier wie so oft: Ganz eindeutig ist es nicht immer…

Sie können sich aber merken: Folgende Fragen zählen zu den verbotenen Fragen im Vorstellungsgespräch

  1. Fragen zur Familienplanung

    Hierzu zählen unzulässige Fragen…

    • zum Familienstand
    • zur sexuellen Neigung (homo- oder heterosexuell)
    • zu einer bestehenden Schwangerschaft
    • zum Kinderwunsch
    • zur Tätigkeit des Partners
    • zu den anderen Familienmitgliedern oder Verwandten
  2. Fragen zur gesundheitlichen Situation

    Hierzu zählen unzulässige Fragen…

    • zum derzeitigen Gesundheitszustand
    • zu einer vorhandenen Behinderung
    • zur vergangenen Erkrankungen (inklusive Dauer)
    • zu schweren Krankheiten in der Familie
  3. Fragen zu privaten Ansichten

    Hierzu zählen unzulässige Fragen…

    • zur Religion und Konfession
    • zu einer Parteizugehörigkeit
    • zur Gewerkschaftszugehörigkeit
  4. Generelle Fragen zur Person

    Hierzu zählen unzulässige Fragen…

    • zum Alter
    • zur Herkunft
    • zu Vorstrafen, Straftaten oder Gefängnisaufenthalten
    • zum Umgang mit Geld
    • zu einer möglichen Verschuldung
    • zu den Vermögensverhältnissen in der Familie
    • zum Privatleben allgemein

Extra-Tipp

Zu den bekanntesten unzulässigen Fragen gehört die nach einer akuten oder geplanten Schwangerschaft. Bewerberinnen müssen diese nicht beantworten oder können gar dazu lügen – selbst wenn es sich dabei um eine Schwangerschaftsvertretung handelt. So passiert vor einigen Jahren in Köln: Eine Bewerberin sollte als Schwangerschaftsvertretung eingestellt werden. Doch diese war selbst schwanger und verheimlichte das. Der Arbeitgeber kam also vom Regen in die Traufe und der Fall landete vor Gericht. Nach Auffassung des Landesarbeitsgerichts Köln (Az.: 6 Sa 641/12) musste die Frau dem Arbeitgeber vor Abschluss des Arbeitsvertrages aber auch in diesem Fall nicht offenbaren, dass sie schwanger ist. Also auch wenn sie selbst befristet zur Vertretung einer schwangeren Mitarbeiterin eingestellt werden soll. Pech für den Arbeitgeber. Dessen Anfechtung des Arbeitsvertrags war damit unwirksam.

Welche Rechte haben Bewerber bei unzulässigen Fragen?

Arbeitgeber haben zwar ein besonderes Interesse daran, möglichst viel über die potenziellen neuen Mitarbeiter zu erfahren und sich vor Fehlbesetzungen zu schützen. Auch dient das Vorstellungsgespräch dazu, sich ein besseres und umfassendes Bild von einem Kandidaten zu machen. Doch das hat Grenzen.

Generell haben Bewerber zwei Optionen auf unzulässige Fragen im Bewerbungsgespräch zu reagieren:

  • Sie dürfen die Frage ablehnen beziehungsweise antworten, dass Sie diese nicht beantworten wollen (und werden).
  • Sie dürfen mit einer Lüge antworten.

Da die Nichtbeantwortung einer Frage immer latent renitent wirkt, hat das in der Regel negative Folgen für die Einstellung. Kurz: Wer trotzig wird, bekommt den Job oft nicht mehr. Dann natürlich aus – vorgeschobenen – anderen Gründen.

Deshalb hat der Gesetzgeber schon vor einiger Zeit entschieden, dass Bewerber bei unberechtigten und unzulässigen Fragen im Vorstellungsgespräch auch einfach lügen dürfen. Sprich: Sie dürfen eine „erwünschte“ Antwort geben, auch wenn diese nicht der Wahrheit entspricht.

Allerdings hat auch dies ein paar Grenzen

Gibt es Ausnahmen? Wann muss ich illegale Fragen beantworten?

Am Ende hängt es doch immer wieder vom Einzelfall ab. Keine Regel ohne Ausnahmen.

Auch hier wieder das Beispiel mit der Frage nach einer Schwangerschaft:

Handelt es sich dabei um einen Job, bei dem Schwangere nur bedingt oder gar nicht eingesetzt werden können – beispielsweise weil ihre Gesundheit oder die des Kindes sonst gefährdet wäre oder weil die Schwangerschaft den körperlichen Einsatz der Frau beeinträchtigt (zum Beispiel bei einem Model oder einer Tänzerin) -, dann darf der künftige Chef sehr wohl nach einer Schwangerschaft fragen. Und die Frage muss jetzt auch wahrheitsgemäß beantwortet werden. Andernfalls hat der Arbeitgeber das Recht zur Anfechtung des Vertrages.

Das gilt auch für die folgenden, eigentlich verbotenen Fragen. Sie müssen doch wahr beantwortet werden, weil die Information für den Job relevant ist:

  • Fragen zu den Vermögensverhältnissen, insbesondere Schulden (etwa bei Bankangestellten, Kassierern)
  • Fragen zu Vorstrafen (etwa bei Juristen oder angehenden (Polizei)Beamten)

In manchen Fällen unterliegt der Bewerber sogar einer sogenannten Offenbarungspflicht. Das heißt, der Bewerber muss von sich aus den Arbeitgeber darüber informieren. Das gilt zum Beispiel bei…

  • einer Verurteilung zu einer Haftstrafe, sofern die in nächster Zeit angetreten wird und länger dauert.
  • einer ansteckenden Krankheit, sofern eine Gefährdung der Kollegen vorliegt.
  • einer schweren Krankheit/Schwerbehinderung, sofern diese ihn von vornherein an der Ausübung hindert.
  • einem Wettbewerbsverbot durch die vorherige Arbeitsstelle, sofern der potenzielle Arbeitgeber im Wettbewerb mit dem alten steht.

In einigen dieser Fälle kann der Arbeitgeber unter Umständen sogar auf Schadensersatz klagen, sollte der Arbeitnehmer berechtigte Fragen falsch und nicht wahrheitsgemäß beantwortet haben.

[Bildnachweis: Kzenon by Shutterstock.com]
7. November 2019 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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