Nach Ausbildung nicht übernommen: Wie begründe ich das?

Wenn die Ausbildung erfolgreich absolviert wurde, stehen einem alle Türen offen. Manche werden aber auch direkt wieder vor der Nase zugeschlagen. Denn dass der Ausbildungsbetrieb einen Azubi anschließend in eine Festanstellung übernimmt, ist oft der Fall, manchmal aber auch nicht. Für das Selbstvertrauen keine gute Sache – und für den Lebenslauf auch nicht. Wie erkläre ich anderen Unternehmen, dass mein Betrieb mich nicht mehr wollte?

Nach Ausbildung nicht übernommen: Wie begründe ich das?

Ich bin nicht übernommen worden. Ist das schlimm?

Schlimm ist es nicht, aber für den Berufseinstieg förderlich eben auch nicht. Auszubildende, die nicht von ihrem Betrieb übernommen werden, stehen an einer Wegscheide. Sie haben – trotz ihrer erfolgreichen Ausbildung – nur sehr wenig Erfahrung vorzuweisen. Und ihr Frustpotenzial ist nach einer gescheiterten Übernahme möglicherweise hoch, Selbstvertrauen und Motivation hingegen gering.

Darum wechseln Azubis, die nicht von ihrem Ausbildungsbetrieb in eine Festanstellung übernommen werden, häufig den Beruf. Vor allem dann, wenn sie zwischenzeitlich längere Zeit arbeitslos sind, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in einer Analyse 2017 festgestellt hat.

Wer nach der Ausbildung arbeitslos wird, muss auch mit deutlichen Gehaltseinbußen beim Berufseinstieg rechnen. Faustregel: Je länger die Arbeitslosigkeit, desto niedriger das Einstiegsgehalt.

Die Marschrichtung für Azubis lautet also: Wer in Betrieb und Beruf happy ist, sollte alles daran setzen, vom Betrieb übernommen zu werden. Wem dies nicht gelingt, der sieht sich frühzeitig nach alternativen Arbeitgebern um. Ein Arbeitgeberwechsel ist in vielen Fällen problemlos möglich.

Der Fachkräftemangel spielt auch Azubis in die Karten. Pflegekräfte wie Altenpfleger und Krankenpfleger oder IT-Spezialisten wie Fachinformatiker haben heute oft die Qual die Wahl. Nicht übernommen zu werden dürfte das Arbeitslosenrisiko in diesen Berufsgruppen keineswegs in schwindelerregende Höhen treiben.

Aber genau dieser Fachkräftemangel kann auch negativ auf einen Bewerber zurückfallen. Denn eine Top-Nachwuchskraft lässt man doch in Zeiten wie diesen nicht einfach so ziehen, oder? Unweigerlich stellen sich Personaler dann die Frage: Was stimmt mit dem nicht? Bewerber geraten daher in Erklärungsnot, müssen glaubhaft darlegen, warum es mit ihrer Übernahme nicht geklappt hat. Aber wie?

Welche Gründe gibt es, nicht übernommen zu werden?

Es gibt – na klar – endlos viele Gründe, warum ein Betrieb den Azubi nicht in eine Festanstellung übernimmt. Zum Beispiel diese:

  • Wirtschaftliche Gründe: Der Betrieb kann es sich nicht leisten, alle Azubis zu übernehmen.
  • Umstrukturierung: Das Unternehmen baut Abteilungen ab oder um, so dass der Azubi (bzw. sein Beruf) nicht mehr gebraucht wird.
  • Cultural Fit: Der Azubi hat menschlich nicht ins Team gepasst.
  • Leistungsfähigkeit: Was er oder sie abgeliefert hat, war ungenügend.
  • Sozialverhalten: Vielleicht war der Azubi „nur“ lernunwillig – oder sogar ein Aggressor, der Konflikte geschürt hat.
  • Kundenbeschwerden: Er oder sie hat dem Unternehmen zu viele Beschwerden eingehandelt oder sogar Kunden vergrault.

Welche Gründe sollte ich anführen, wenn ich mich neu bewerbe?

Bewerber, die von einem früheren Arbeitgeber offensichtlich eine Kündigung kassiert haben, werden von Personalern kritisch beäugt. Das gilt etwa für Mitarbeiter, die in der Probezeit rausfliegen. In diese Kategorie fallen auch Azubis, die nicht übernommen werden.

Für sie ist die Lage vermutlich noch ernster. Ihr gravierendes Problem ist nämlich: Sie haben bislang in ihrem Leben – unter normalen Umständen – nur diese eine Stelle bekleidet. Die Azubi-Station ist in ihrem Lebenslauf also sehr sichtbar und elementar wichtig. Man kann sie nicht mit anderen, erfolgreicheren Episoden kaschieren.

Aber wie begründe ich es nun, wenn ich mich in einem neuen Betrieb bewerbe?

Zunächst mal: Begründen sie die nicht erfolgte Übernahme nur dann, wenn Sie der Personaler danach fragt. Es macht keinen Sinn, von sich aus auf das Thema zu sprechen zu kommen. Nach dem Motto: „Also Herr Schneider, ich weiß nicht, ob Sie es schon wussten, aber ich bin ja nach der Ausbildung nicht übernommen worden…“

Es sei denn, wirtschaftliche oder betriebsinterne Gründe waren dafür verantwortlich, dass Sie gehen mussten. Diese spielen Ihnen in die Karten. Das Unternehmen hätte Sie gerne weiterbeschäftigt, konnte aber nicht. Bingo, dann ist eigentlich alles gut!

Aber Achtung: Nicht zu sehr ins Detail gehen und keine Interna preisgeben. Auch ehemalige Mitarbeiter dürfen keine Betriebsgeheimnisse verraten. Im Zweifel reichen ein, zwei Sätze wie: „Mein Arbeitgeber konnte mich aus wirtschaftlichen Gründen leider nicht übernehmen, obwohl er es sehr gerne getan hätte.“

Dass es sich dabei um die Wahrheit handeln sollte, versteht sich von selbst. Immerhin könnte Ihr Gesprächspartner ja einfach beim Ex-Arbeitgeber anrufen und nachfragen. Auch sollten Ihre Aussagen den Angaben im Arbeitszeugnis nicht diametral gegenüberstehen. Alles andere würde Zweifel an Ihrer Glaubwürdigkeit wecken.

Komplizierter wird es, wenn Sie wegen schlechter Leistungen oder sozialer Unverträglichkeit nicht übernommen wurden. Diese Gründe sind unangenehm – und Bewerbungskiller! Dass Sie miese Leistungen abgeliefert oder sich ständig mit den Kollegen gefetzt haben, sollten Sie in der Tat NICHT zugeben. In so einem Fall gilt:

Führen Sie die Gründe im Bewerbungsgespräch nicht groß aus, bleiben Sie an der Oberfläche. Zwei, drei Sätze dazu, falls Sie danach gefragt werden, mehr nicht. Vielleicht so: „Die Ausbildung hat insgesamt wunderbar geklappt, dafür bin ich meinem Betrieb auch sehr dankbar. Trotzdem ist es aus meiner Sicht sinnvoll, jetzt eine neue Richtung einzuschlagen und noch mehr Erfahrungen in einem anderen Betrieb zu sammeln.“

Klingt doof, ist aber so: Orientieren Sie sich an den Interviews von Bundesliga-Fußballern nach einem Spiel. Phrasen dreschen, möglichst vage bleiben! Man kann es auch als Auster-Strategie bezeichnen: Verschlossen bleiben und sich nur ganz leicht und ganz kurz öffnen.

Das sollten Sie außerdem beherzigen:

  • Lästern: Ein No-Go. Niemals lästern, weder ehemalige Chefs noch Kollegen in die Pfanne hauen! Nicht die Schuld bei anderen suchen.
  • Lernfähigkeit: Sagen Sie, dass Sie während der Ausbildung viel gelernt haben – aus eigenen Fehlern und aus denen der anderen – und dass Sie Ihr Wissen nun vertiefen und anwenden wollen.
  • Motivation: Stellen Sie Ihre Motivation für die neue Stelle heraus. Nicht immer in den Rückspiegel, sondern durch die Frontscheibe schauen!
  • Glaubwürdigkeit: Und kommen Sie auch bitte nicht mit hanebüchenen, an den Haaren herbeigezogenen Erklärungen und Rechtfertigungen daher. Mit irgendetwas, das Sie wie einen notorischen Lügner dastehen lässt. Ihr Gesprächspartner ist kein Idiot!

Eine weitere Option könnte sein, die Passung zu erhöhen. Beispiel: Ihr ehemaliger Chef hatte sich einfach einen anderen Typus Mitarbeiter gewünscht. Einen, der aktiv auf andere Menschen zugeht und Verkaufstalent besitzt. Sie sind aber eher der zurückhaltende, analytische Typ, der in seinem Einzelbüro Großtaten vollbringt. Vielleicht passen Sie damit genau in das Anforderungsprofil des Unternehmens, bei dem Sie sich jetzt gerade bewerben.

Auch das könnte (im Einzelfall) eine vernünftige Begründung sein. Allerdings sprechen Sie damit zugleich Ihre Defizite an, also immer abwägen…

Wie viele Azubis werden übernommen – und wie viele nicht?

Für viele Azubis verläuft der Berufseinstieg reibungslos. Ungefähr zwei Drittel werden laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen. Vier Fünftel der Azubis gelingt der Berufseinstieg ohne zwischenzeitliche Arbeitslosigkeit.

Noch konkreter: Von den Ausbildungsabsolventen der Abschlussjahre 2013 und 2014…

  • wurden rund 60 Prozent nach der Lehrzeit vom Ausbildungsbetrieb übernommen.
  • haben 21 Prozent zwar nach der Ausbildung den Betrieb gewechselt, den Berufseinstieg aber ohne zwischenzeitliche Arbeitslosigkeit gemeistert.
  • waren 14 Prozent zwischen ihrem Ausbildungsende und dem Berufseinstieg bis zu drei Monate arbeitslos.
  • waren 6 Prozent vier Monate oder länger arbeitslos, bevor ihnen der Berufseinstieg gelang.

Die Zahlen verdeutlichen: Selbst wenn es mit der Übernahme nicht klappt, ist das nicht das Ende der Welt. Sie müssen sich nur schnell wieder aufrappeln – und manchmal eine gute Begründung vorbringen…

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[Bildnachweis: WAYHOME studio by Shutterstock.com]
7. Februar 2020 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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