Wie kann ich mit meiner Nervosität im Vorstellungsgespräch umgehen?

Nervosität – wenn sie nicht gerade mit Vorfreude auf ein schönes Ereignis verbunden ist – wird von vielen Menschen als unangenehm empfunden. Beispielsweise sind wir nervös, wenn wir im Wartezimmer des Zahnarztes sitzen. Nervosität im Vorstellungsgespräch finden fast alle Bewerber besonders lästig. Verständlich, für die meisten Menschen hängt schließlich viel an dem Jobinterview. Hier will man eigentlich Souveränität und Kompetenz ausstrahlen und kein hibbeliges Nervenbündel abgeben. Auch wenn es gar nicht so erstrebenswert ist, allzu relaxt wichtigen Entscheidungsträgern gegenüberzusitzen: Wir haben Tipps für Sie, wie Sie mit der Nervosität im Vorstellungsgespräch umgehen können…

Wie kann ich mit meiner Nervosität im Vorstellungsgespräch umgehen?

Welche Gründe hat die Nervosität im Vorstellungsgespräch?

Zunächst einmal ist Nervosität im Vorstellungsgespräch so wie allgemein eine völlig normale Empfindung. Nervosität baut sich im Körper auf, wenn bestimmte Situationen auftreten, die potenziell gefährlich sein könnten. Hier läuft ein uraltes instinktives Programm ab, das uns schützen soll.

Im Vorstellungsgespräch lauert zwar nicht mehr der Säbelzahntiger von anno dazumal, aber natürlich gibt es rational begründbare Erklärungen dafür, warum jemand nervös ist:

  • Chance auf den Traumjob

    Die Bewerbung ging an ein Unternehmen, das Sie schon lange reizt: Es hat einen sehr guten Ruf, Sie haben die Möglichkeit, sich beruflich selbst zu verwirklichen und interessanten Aufgaben nachzugehen und außerdem winkt vermutlich ein gutes Gehalt – so etwas will sich keiner entgehen lassen, abschreckende Beispiele sind zur Genüge bekannt. Darin liegt natürlich gleichzeitig das Problem: Je wertvoller die Stelle erscheint, desto wichtiger, dass Sie überzeugen. Der Druck steigt und damit die Nervosität im Vorstellungsgespräch.

  • Aussicht auf finanzielle Unabhängigkeit

    Manchmal kommt zum inneren Druck der äußere hinzu. Beispielsweise, wenn jemand bereits längere Zeit arbeitslos ist und den bisherigen Lebensstandard halten beziehungsweise steigern will. Das geht nur mit mehr Geld und dafür wird ein guter Job benötigt.

  • Ungewissheit, was einen erwartet

    Schließlich kann sich die Nervosität aus einem diffusen Angstgefühl speisen. So restlos sicher kann sich niemand sein, was einen im Vorstellungsgespräch erwartet. Klar, es gibt typische Abläufe. Aber Horrorgeschichten von Bekannten können dazu führen, dass sich die eigenen Befürchtungen bis hin zu einem Worst-Case-Szenario massiv steigern.

Wie zeigt sich die Aufregung?

So begründbar und nachvollziehbar diese Befürchtungen sind, spielen sie sich oftmals nicht nur unter der Oberfläche ab. Zumal Personaler oft ein hohes Maß an Menschenkenntnis mitbringen, sie sind es gewohnt, auf bestimmte Zeichen zu achten.

Liegen die Nerven blank, kann das zu folgenden Symptomen führen:

  • Atembeschwerden
  • zuckende Augenlider
  • Beklemmungsgefühle
  • Benommenheit
  • Herzklopfen
  • Hitzewallungen
  • Kälteschauer
  • Schweißausbrüche
  • Schwindel
  • Schwächegefühle
  • höhere Stimmlage
  • Übelkeit
  • Zittern

Manchen Bewerbern ist im Vorfeld derart schlecht, dass die Bewerbungssituation vollkommen auf Magen und Darm schlägt. Nicht alle Symptome zeigen sich unmittelbar nach außen, auch wenn Ihnen gefühlt das Herz zerspringt. Aber Schweißausbrüche und Zittern gehören natürlich zu den prägnanteren Signalen für Nervosität.

Zumal diese sich in einer Körpersprache äußert, die genau das zum Zweck hat, nämlich die Nervosität zu unterdrücken! Viele wissen nicht wohin mit ihren Händen, also werden die Arme verschränkt, die Hände irgendwie beschäftigt. Der Klassiker: Es wird mit den Haaren gespielt oder der Druckknopf des Kugelschreibers ständig gedrückt.

Das Blöde ist nur: Viele Bewerber interpretieren vorhandene Nervosität im Vorstellungsgespräch als Eingeständnis von Schwäche. Gerade jetzt wollen Sie nicht nervös wirken. Der potenzielle Arbeitgeber soll den Eindruck gewinnen, dass vor ihm ein Kandidat sitzt, der auch schwierige Situationen meistern kann, ohne wie ein kopfloses Huhn durch die Gegend zu rennen.

Sollten Sie im Vorstellungsgespräch die Nervosität zugeben?

Der Wunsch, die eigene Nervosität in den Griff zu bekommen, führt gleich zur nächsten Frage: Sollte ich im Vorstellungsgespräch meine Nervosität zugeben? Oder erhöht das nicht automatisch die Gefahr einer Absage? Ganz allgemein gesprochen: Personaler sind keine Ungeheuer, deren Hauptziel darin bestünde, Bewerber in die Pfanne zu hauen.

Nervös zu sein ist völlig normal in so einer Stresssituation und auch ein Personaler wird das wissen. Von daher ist es völlig legitim, das kurz zu erwähnen – beispielsweise, wenn Sie danach gefragt werden oder wenn Sie sich verhaspeln. Oft reicht das schon, und die Nervosität fällt gleichzeitig von einem ab. Das zeigt nur, dass Sie nicht völlig abgebrüht sind und das macht wiederum sympathisch.

Meist versuchen Personaler durch Smalltalk zu Beginn den Bewerbern ein wenig die Angst zu nehmen, das ist die Aufwärmphase. Aber selbst wenn sich die Nervosität zwischendurch wieder einstellt, ist Ihr Umgang damit entscheidend. Wer zwanghaft versucht, diese Gefühle zu unterdrücken, wirkt deutlich unentspannter und unauthentischer als wenn Sie nach einem Versprecher einen Schluck Wasser nehmen und ehrlich zugeben:

Entschuldigen Sie, ich bin gerade noch etwas nervös.

Wie können Sie extreme Angst vorm Vorstellungsgespräch besiegen?

Es gibt einiges, dass Sie tun können, um Ihre Aufregung in den Griff zu bekommen. Was Sie auf keinen Fall in Erwägung ziehen sollten: ein Vorstellungsgespräch aus Angst absagen. Das ist reines Vermeidungsverhalten und führt nur dazu, dass die Ängste sich in Zukunft immer weiter ins Unermessliche steigern.

Hinter der Nervosität im Vorstellungsgespräch steckt ja letztlich „nur“ die Angst zu versagen. Dagegen helfen einige Tricks, die Sie teilweise bereits zuvor anwenden können, teilweise in der konkreten Situation:

  • Verdeutlichen Sie sich den Gewinn

    Diesen Punkt können Sie noch vor dem eigentlichen Prüfungsgespräch erledigen. Machen Sie sich bewusst, dass bereits die Einladung zum Vorstellungsgespräch ein Gewinn ist – egal, wie es letztlich ausgeht. Denn erstens zeigt es, dass Sie offenbar ganz viel richtig gemacht haben, schließlich zeigt das Unternehmen Interesse an Ihnen. Zweitens heißt eine spätere Absage nicht, dass Ihre Performance schlecht war. Viel wahrscheinlicher ist, dass die Konkurrenz sehr groß ist und im Regelfall ist nur eine Stelle zu besetzen. Und drittens profitieren Sie von der Erfahrung an sich, die sich spätestens beim nächsten Vorstellungsgespräch auszahlt.

  • Bereiten Sie sich vor

    Bringen Sie alle wichtigen Informationen über den Arbeitgeber in Erfahrung. Über nahezu jedes Unternehmen lässt sich heutzutage im Netz recherchieren, lesen Sie die Unternehmenswebsite aufmerksam: Wofür steht das Unternehmen, welche Verantwortungsbereiche sind wie besetzt, welche Zahlen lassen sich herausfinden? Rechnen Sie mit Fragen zu Ihren Stärken und Schwächen, überlegen Sie sich Rückfragen an den Personaler. Können Sie dann noch überzeugend Ihre Motivation für die Stelle nennen und Fragen nach bisherigen Stationen beantworten, geht es letztlich nur noch um persönliche Sympathie.

  • Planen Sie den Tag

    Ihre Nervosität können Sie deutlich reduzieren, wenn Sie sich nicht noch zusätzlichen Stress durch eine knappe Zeitplanung und Ähnlichem aussetzen. Legen Sie sich am Tag zuvor die Kleidung heraus, die für das Gespräch und die Position angemessen ist. Sauber und bequem sollte sie sein, aber keinesfalls zu leger. Planen Sie genügend Zeit (inklusive Zeitpuffer) für Ihre Anreise an, bringen Sie zuvor genau in Erfahrung, in welchen Gebäudeteil Sie gehen müssen.

  • Gehen Sie kurz vorher spazieren

    Bewegung hilft dabei, Spannungen abzubauen. Eine Joggingeinheit fällt zwar kurz vor dem Gespräch flach, aber ein Spaziergang – beispielsweise vom Bahnhof zum Gesprächsort – lässt sich einbauen. Ideal wäre, wenn Sie einen nahe gelegenen Park haben. Das hat (bei trockenem Wetter) den Vorteil, dass Sie zuvor noch einmal frische Luft tanken können und sich mit Sauerstoff versorgen, um einen klaren Kopf zu bekommen. Das Grün der Bäume und Pflanzen hat zusätzlich beruhigende Wirkung.

  • Steuern Sie bewusst Ihre Atmung

    Eine der meist gefürchtetsten Peinlichkeiten ist eine gepresste, piepsige Stimme. Die entsteht, wenn die Luft vor lauter Nervosität nicht mehr richtig entweichen kann und stattdessen nur noch hervorgepresst wird. Richtiges Atmen beinhaltet nicht nur tiefes Ein-, sondern bewusstes (und langgezogenes) Ausatmen. Dazu können Sie beispielsweise mit der 4-6-8-Methode arbeiten: Bis vier beim Einatmen zählen, die Luft anhalten und bis sechs zählen, schließlich langsam ausatmen und bis acht zählen. Das unterstützt die wichtige Versorgung mit Sauerstoff und transportiert vor allem die verbrauchte Luft wieder nach außen.

[Bildnachweis: nakaridore by Shutterstock.com]
23. November 2019 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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