Erhalte ich Gehalt, wenn ich unter Quarantäne gestellt werde?

Ein neuartiges Virus kann um die ganze Welt reisen – und sie in Alarmbereitschaft versetzen. So wie das Coronavirus im Jahr 2020. Eine Pandemie – oder ihre Erwartung – hat auch Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Die Menschen haben nicht nur Angst um ihre Gesundheit, sondern auch vor Isolation, Quarantäne, Gehaltseinbußen und Jobverlust. Was passiert eigentlich, wenn ich infiziert bin? Erhalte ich mein Gehalt in Quarantäne weiter?

Erhalte ich Gehalt, wenn ich unter Quarantäne gestellt werde?

Ich habe mich mit dem Coronavirus infiziert. Bekomme ich weiterhin mein Gehalt?

Ja, natürlich. Wenn Sie nachweislich mit dem Coronavirus infiziert sind, liegt eine Erkrankung vor. In diesem Fall greift das Entgeltfortzahlungsgesetz. Demnach zahlt der Arbeitgeber einem erkrankten Arbeitnehmer sechs Wochen lang das Gehalt in voller Höhe. Danach zahlt die Krankenkasse unter Umständen Krankengeld weiter.

Sie sind verpflichtet, dem Arbeitgeber Ihre Erkrankung unverzüglich mitzuteilen – am besten telefonisch. Wenn Sie mit dem Coronavirus infiziert sind, dann sollten Sie explizit darauf hinweisen, weil die Ansteckungsgefahr hoch ist. Falls Sie länger als drei Tage krank sind, benötigen Sie ein ärztliches Attest. Grundsätzlich gilt: Auch während einer Krankheit können Arbeitgeber ein Arbeitsverhältnis kündigen.

Ich bin unter Quarantäne gestellt worden. Bekomme ich weiterhin mein Gehalt?

Wenn ein Arbeitnehmer von den Behörden unter Quarantäne gestellt wird – unabhängig davon, ob er infiziert ist oder nicht – muss der Arbeitgeber das Gehalt sechs Wochen lang weiterzahlen. Er wird dann so behandelt, als sei er krank. In dem Fall greift die gesetzliche Lohnfortzahlung. Grundlage hierfür ist Paragraph 56 des Infektionsschutzgesetzes.

Das gilt auch, wenn, wenn der Betrieb wegen einer Masseninfektion in der Belegschaft vorübergehend geschlossen wird. Ein solcher Fall fällt unter das allgemeine Betriebsrisiko eines Unternehmens, Ihr Entgeltanspruch als Arbeitnehmer bleibt also erhalten. Es sei denn, Arbeits- oder Tarifvertrag enthalten abweichende Regelungen.

Die Bundesländer haben angekündigt, den Arbeitgebern diese Kosten zu ersetzen. Auch können Unternehmen Kurzarbeitergeld beantragen. Die Arbeitsagentur übernimmt bei Kurzarbeit einen Teil der Lohnkosten.

Ich bin selbstständig. Kann ich mir das Geld zurückholen?

Ja. Auch Selbstständige können sich ihr ausgefallenes Einkommen erstatten lassen, wenn sie unter Quarantäne gestellt werden. Dafür müssen sie sich an die zuständige Behörde ihres Bundeslandes wenden. Welche das ist, hängt vom Land ab. In Hessen sind die Gesundheitsämter zuständig, in Nordrhein-Westfalen die Landschaftsverbände und in Bayern die Bezirksregierungen. Informieren Sie sich am besten zunächst beim Gesundheitsamt oder Bürgeramt über das weitere Vorgehen.

Ich habe Angst, mich im Ausland mit dem Coronavirus anzustecken. Darf ich eine Dienstreise verweigern?

Grundsätzlich: Nein. Der Arbeitgeber hat ein Weisungsrecht und kann den Arbeitnehmer auf eine Dienstreise schicken. Dieser hat die Dienstreise dementsprechend auch anzutreten.

Aber: Sie können eine Dienstreise verweigern, wenn Ihr Arbeitgeber Sie in eine Region oder ein Land schicken will, für das es eine Reisewarnung vom Auswärtigen Amt gibt (Beispiel: die Region Hubei in China). Der Arbeitgeber muss auch die Gesundheit seiner Mitarbeiter schützen.

Ich will eine Ansteckung am Arbeitsplatz vermeiden. Kann ich zuhause bleiben?

Wenn Sie Ihre Arbeit aus Angst vor dem Coronavirus (oder einer anderen Krankheit) nicht antreten, haben Sie keinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Dies fällt unter das allgemeine Lebensrisiko, ein Leistungsverweigerungsrecht haben Arbeitnehmer nicht. Das gilt auch, falls Sie gerade aus einem Risikogebiet wie China, Italien oder dem Iran zurückgekehrt sind. Auch dann dürfen Sie nicht in Eigenregie zuhause bleiben. Und es gilt auch, wenn Sie im Büro auf Kollegen treffen, die gerade von einer Auslandsreise zurückgekehrt sind und sich möglicherweise angesteckt haben. Bleiben Sie eigenmächtig zuhause, verletzen sie Ihre vertragliche Pflicht und müssen mit einer Abmahnung und im Wiederholungsfall sogar einer Kündigung rechnen.

Die naheliegende Möglichkeit ist es, mit dem Arbeitgeber Heimarbeit zu vereinbaren. Dazu bedarf es aber der Zustimmung des Arbeitgebers. Arbeitnehmer können nicht die Entscheidung selbstständig treffen, von nun an im Home Office zu arbeiten. Eine andere Option wäre es, etwaige Überstunden abzubauen.

Mein Kind ist am Coronavirus erkrankt. Kann ich zuhause bleiben?

Ja. Pro Kalenderjahr stehen einem verheirateten Arbeitnehmer zehn Kinderkrankentage zu, einem alleinerziehenden sogar 20. Sie dürfen also zuhause bleiben und sich und sich um Ihr Kind kümmern – sofern noch bestimmte andere Voraussetzungen erfüllt sind. Außerdem können Sie bei Ihrer Krankenkasse Kinderkrankengeld beantragen. Das Kinderkrankengeld ersetzt den ausgefallenen Lohn nicht komplett, aber bis zu 70 Prozent.

Bei Verdacht auf Coronavirus: Darf mich mein Arbeitgeber nach Hause schicken?

Der Arbeitgeber kann Sie nach Hause schicken, wenn er Sie für nicht arbeitsfähig hält. Er kann Sie aber nicht dazu zwingen, Urlaub zu nehmen oder Überstunden abzubauen. Dem muss der Arbeitnehmer zwingend zustimmen. Ihr Arbeitgeber kann Sie aber ins Home Office schicken – auch wenn Sie lieber im Büro arbeiten würden.

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[Bildnachweis: Dmytro Zinkevych by Shutterstock.com]
4. März 2020 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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