Kann ich um Bedenkzeit nach der Jobzusage bitten?

Ein klassisches Dilemma – und Luxusproblem: Sie haben sich auf mehrere Jobs parallel beworben und erhalten nun ein erstes konkretes Jobangebot. So eine Zusage schmeichelt jedem. Aber was ist mit den anderen Stellen? Womöglich warten Sie noch auf die Antwort von Ihrem Wunschunternehmen. Lässt sich dann beim ersten Arbeitgeber um Bedenkzeit trotz der Jobzusage bitten? Kurze Antwort: Ja, Sie können durchaus etwas Zeit schinden und um Verständnis werben. Aber nur für kurze Zeit…

Kann ich um Bedenkzeit nach der Jobzusage bitten?

Wie kann ich um Bedenkzeit nach einer Jobzusage bitten?

Es ist absolut nachvollziehbar, dass Bewerber sich auf mehrere Stellenangebote parallel bewerben. Wenn auch selten, so kommt es vor, dass einige Kandidaten sogar mehrere Jobangebote erhalten – nur leider nicht gleichzeitig.

Dann stehen Sie vor einem Dilemma:

  • Zusagen und sich für das erstbeste Angebot entscheiden?
  • Oder den Arbeitgeber hinhalten und etwas Zeit schinden, um auf ein besseres Angebot zu spekulieren?

Die zweite Hinhaltetaktik ist natürlich nicht ganz ungefährlich oder frei von Risiken. So könnten Sie damit auffliegen. Und sobald der erste Arbeitgeber erkennt, dass er nur Ihre zweite Wahl ist, könnte der seine Jobzusage zurückziehen.

In solchen (Luxus-)Situationen empfiehlt sich daher ein Strategiemix aus Hinhaltetaktik und dosierter Ehrlichkeit, um etwas mehr Bedenkzeit herauszuschlagen

  • Zunächst einmal gesteht wohl jeder Arbeitgeber den Bewerbern bei einer Zusage eine kurze Bedenkzeit von zwei bis drei Tagen ein. Solange müssen Sie also noch gar nicht reagieren. Es sei denn, in der Jobzusage steht ein Satz, wie: „Wir rechnen mit Ihrer Antwort bis zum TT.MM.JJJJ.“ In diesem Fall müssten Sie innerhalb der geforderten Frist reagieren – wenn auch nicht gleich mit einer Zusage Ihrerseits.
  • Sollte Ihnen keine Frist gesetzt worden sein. Können Sie die weiteren Schritte verzögern und verlangsamen, um so weitere Zeit zu schinden. Dies ist noch keine Bedenkzeit (auch wenn Sie diese letztlich so nutzen). Sie halten den Arbeitgeber letztlich nur etwas hin – indem Sie auf E-Mails oder Anrufe nicht sofort reagieren. Oder sich mit einem dingenden dringenden Projekten entschuldigen, das gerade keinen Aufschub duldet. Was auch geht, sind anstehende Dienstreisen oder private Zwischenfälle. In all den Fällen sollten Sie aber gleichzeitig bekräftigen, dass Sie immer noch Interesse an der Stelle haben. Sie bitten nur um etwas Geduld und Verständnis.
  • Womit Sie ebenfalls noch etwas Zeit herausholen können, sind Rückfragen zum Vertrag: Gibt es einen übergeordneten Tarifvertrag? Wie sehen die Weiterbildungs-Optionen aus? Wird das Gehalt in zwölf oder 13 Monatsgehältern gezahlt? Natürlich stellen Sie die Fragen nicht alle auf einmal. Aber mehr als zweimal funktioniert die Masche leider auch nicht. Sonst nervt es nur noch – oder wird durchsichtig.

Mit dieser Hinhaltetaktik lassen sich maximal zwei Wochen überbrücken. Viel ist das nicht. Sie ist den meisten Personalern allerdings auch bekannt. Klingen Ihre Ausreden also nicht wirklich glaubwürdig, fliegen Sie auf – und mancher Personalentscheider könnte dann seine Zusage zurückziehen.

Deshalb sollten Sie nach einiger Zeit Ihre Karten aufdecken und ehrlich um Bedenkzeit bitten.

Dass Sie sich auch woanders beworben haben, ist ja keine Schande. Und dass Sie sich erst entscheiden möchten, wenn alle Angebote auf dem Tisch liegen, ist legitim. Das darf nur nicht erpresserisch klingen.

Garnieren Sie Ihre Bitte also ruhig mit Komplimenten, bekräftigen Sie Ihr Interesse an der Stelle. Sie sind aber eben auch noch bei einem weiteren Arbeitgeber im Rennen. Sie fragen deshalb nach, wie viel Bedenkzeit Sie haben. Bitten Sie um eine realistische Zeitspanne – zum Beispiel eine, maximal zwei Wochen. Mehr dürfte dabei aber nicht drin sein.

Gleichzeitig melden Sie sich bei Ihrem Wunscharbeitgeber. Informieren Sie auch den darüber, dass Ihnen bereits ein attraktives Jobangebot vorliegt. Sagen Sie ihm, dass er Ihre erste Option wäre, dass Sie aber jetzt unter Zugzwang stehen. Sie konnten zwar etwas Bedenkzeit herausschlagen, müssten aber jetzt bitte eine baldige Zu- oder Absage erhalten.

Solange auch das mit Schmeicheleien untermalt wird und nicht wie ein Erpressungsversuch klingt, können Sie den Bewerbungsprozess bei Arbeitgeber 2 durchaus etwas beschleunigen.

Die Strategie der offenen Karten wird von vielen Personalern durchaus honoriert. Allerdings dürfen Sie es damit nicht übertreiben. Bei einer längeren Bedenkzeit stellt sich schließlich irgendwann die Frage, ob Sie die Stelle wirklich wollen. Und nur dritte Wahl zu sein – das hört kein Arbeitgeber gerne.

[Bildnachweis: Jihan Nafiaa Zahri by Shutterstock.com]
2. November 2019 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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