Muss ich in der Ausbildungszeit Überstunden machen?

Es kommt schon mal vor, dass der Chef im Betrieb Überstunden anordnet. Auch gegenüber den Menschen, die sich noch in der Ausbildung befinden. Wegen dringender betrieblicher Erfordernisse… Aber ist das überhaupt zulässig? Wenn es sich dabei um minderjährige Azubis handelt: Nein! Bei den unter 18-Jährigen fällt die Arbeitszeit noch unter das Jugendarbeitsschutzgesetz. Auch ist davon auszugehen, dass die im Tarifvertrag oder Arbeitsvertrag geregelte Arbeitszeit pro Woche ausreicht, um die Ausbildung zu absolvieren. Überstunden in der Ausbildungszeit das geht nur in Ausnahmefällen…

Muss ich in der Ausbildungszeit Überstunden machen?

Darf ein Auszubildender Überstunden machen?

Offiziell muss ein Auszubildender keine Überstunden leisten. Minderjährige Auszubildende dürfen gar nur maximal acht Stunden am Tag arbeiten. Vereinzelt und in Ausnahmen darf diese Grenze auf 8,5 Stunden am Tag erweitert werden (nur nicht jeden Tag). Dann muss Freizeitausgleich aber noch in derselben Woche erfolgen.

Es gibt jedoch noch eine Ausnahme. Im juristischen Fachjargon heißt diese: „vorübergehende und unaufschiebbare Arbeiten in Notfällen, soweit erwachsene Beschäftigte nicht zur Verfügung stehen“.

In diesen seltenen (!) Fällen darf der Arbeitgeber auch minderjährige Azubis für Überstunden im Betrieb heranziehen. Allerdings müssen sie dann laut Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) innerhalb der kommenden drei Wochen einen Freizeitausgleich erhalten.

Bei volljährigen Azubis sieht die Sache etwas anders aus. Wer über 18 Jahre alt ist, der darf durchaus auch mal Überstunden machen. Mit Betonung auf „auch mal“ – also in Ausnahmefällen und nicht regelmäßig.

Diese Überstunden müssen zeitlich begrenzt sein, sodass die tägliche Arbeitszeit zehn Stunden nicht übersteigt.

Überdies muss die Mehrarbeit im Zusammenhang mit Ihrer Ausbildung stehen. Oder wie es Anwälte ausdrücken würden: Sie muss dazu „dienlich“ sein. Arbeiten, die nichts mit Ihrer Ausbildung zu tun haben (Hof fegen, Botengänge, …) müssen Sie nach dem regulären Feierabend nicht erledigen. Das können Sie allenfalls freiwillig tun – dann sind es aber keine Überstunden mehr.

Zusätzlich muss ein Ausbilder während der Überstunden im Betrieb anwesend sein, der Sie – theoretisch – dabei betreuen kann.

Was kann ich als Azubi gegen Überstunden tun?

Laut Arbeitsrecht können auch Azubis Überstunden – also geleistete Mehrarbeit – selbst nach Beendigung der Ausbildung noch geltend machen. Oder anders formuliert: Überstunden müssen bezahlt oder durch Freizeit ausgeglichen werden.

Um Ihre Ansprüche einfordern zu können, sollten Sie allerdings…

  • detailliert aufschreiben (Datum, Uhrzeiten), wann Sie Überstunden geleistet haben. Und was Sie in dieser Zeit gearbeitet haben.
  • das Thema bei Ihrem Ausbildungsbetrieb ansprechen. Bitte keine falsche Scheu: Sie sind zwar Lehrling (und Lehrjahre sind keine Herrenjahre) – ausbeuten lassen, müssen Sie sich aber nicht. Der Arbeitgeber hat zudem eine Fürsorgepflicht. Auch darf er Ihnen nicht kündigen, weil Sie ihn auf Ihre Rechte ansprechen.

Also nur Mut: Sprechen Sie das Thema – freundlich und respektvoll – an, wenn Sie das Gefühl haben, das gehört nicht zu Ihrer Ausbildung. Als billige Arbeitskraft müssen sich Auszubildende nicht missbrauchen lassen.

[Bildnachweis: industryviews by Shutterstock.com]
10. November 2019 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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