Wie wehre ich mich gegen Mobbing am Arbeitsplatz?

Ein schlechtes Arbeitsklima, das durch Mobbing verursacht wird, schadet auf Dauer allen Beteiligten. Es kann bei so etwas keinen Gewinner geben. Selbstverständlich leiden die betroffenen Opfer am meisten darunter. Daher ist es wichtig, dass sie sich frühzeitig wehren, um nicht in eine Negativspirale hineingezogen zu werden, aus der es schwer ist, sich zu befreien.

Wie wehre ich mich gegen Mobbing am Arbeitsplatz?

Wie erkenne ich Mobbing?

Mobbing ist keine Kleinigkeit. Zwar mag man dies als Betroffener denken und hoffen, dass es sich um eine vorübergehende zwischenmenschliche Krise handelt, doch Mobbing wird mit der Zeit meistens eher schlimmer, als dass es aufhört. Schließlich suchen die Mobber bewusst nach Opfern und nicht nach Gegnern.

Den Beginn von Mobbing zu erkennen, ist als Betroffener dennoch nicht einfach. Es gilt, erste drohende Alarmzeichen wahrzunehmen. Diese können zum Beispiel sein:

  • Sie kommen in einen Raum und plötzlich verstummen die Gespräche zwischen den Kollegen.
  • Sie bemerken, wie Ihre Aussagen bewusst verfälscht werden oder kleine Missgeschicke überdimensioniert weitergetratscht werden.
  • Sie grüßen einen Kollegen, Ihr Gruß wird aber nie erwidert.
  • Sie äußern eine Frage, diese wird jedoch bewusst ignoriert.
  • Sie bemerken, wie Ihnen mehrmals Informationen von den immer gleichen Personen vorenthalten werden.
  • Sie bekommen mit, wie Ihnen gegenüber andauernd unsachliche Äußerungen gemacht werden.
  • Sie erhalten Kenntnis von Gerüchten, die über Sie verbreitet werden.
  • Sie haben konkrete Anhaltspunkte, dass die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und den Kollegen boykottiert wird.

Falls Sie diese oder ähnliche Anzeichen bemerken, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie von Mobbing betroffen sind. Infolgedessen ist es wichtig, dass Sie sich schnellstmöglich zur Wehr setzen.

Welche Möglichkeiten habe ich, um mich gegen Mobbing zu wehren?

Wer sich in einem Mobbingprozess befindet, fühlt sich häufig hilflos. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass die Betroffenen in einem solchem Fall eine Reihe von Möglichkeiten haben, sich zu verteidigen. Sie sollten jedoch Schritt für Schritt vorgehen:

  1. Tipps gegen Mobbing: Reflexion

    Machen Sie sich bewusst, welche Prozesse ablaufen. Schreiben Sie diese am besten in einem Mobbingtagebuch auf. Sollte es schlimmstenfalls später zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung kommen, ist dies darüber hinaus ein wichtiges Beweismittel. Dokumentieren Sie die Angriffe so konkret wie möglich: Wer?, Wann?, Wo?, Was?, Wer war dabei?

    Fragen Sie sich in diesem Zusammenhang: Möchten Sie gerne in der Firma bleiben? Oder ist diese Situation nur der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt und Sie kündigen Ihr Arbeitsverhältnis? Wichtig ist, dass Sie sich weder im einen, noch im anderen Fall die Schuld für das Verhalten des Kollegen geben, nach dem Motto „Vermutlich habe ich es verdient“. Mobbing ist eine strafbare Handlung, die durch keinen Fehler Ihrerseits zu rechtfertigen ist.

  2. Tipps gegen Mobbing: Gespräch

    Lassen Sie sich nichts gefallen! Suchen Sie das offene Gespräch mit demjenigen, von dem Sie sich gemobbt fühlen. Aber bitte keinesfalls aggressiv. Gehen Sie strukturiert vor: Was haben Sie wahrgenommen? Was hat diese Situation in Ihnen ausgelöst? Welche Ihrer Interessen wurde verletzt? Welches Verhalten Ihres Gegenübers wünschen Sie sich?

    Im übrigen ist diese Art der gewaltfreien Gesprächsführung keine Einbahnstraße. Fragen Sie Ihren Gesprächspartner offen und direkt im gleichen Duktus: Wie hat er die von Ihnen angesprochenen Situationen wahrgenommen? Welche Empfindungen hatte er in diesem Kontext? Welche Interessen stehen hinter seinem Verhalten? Was wünscht er sich von Ihnen? Sprechen Sie außerdem über mögliche Folgen und Auswirkungen seines Gebarens.

  3. Tipps gegen Mobbing: Unterlassungsaufforderung

    Falls das Gespräch keinen Erfolg bringt, haben Sie Möglichkeit, Ihren Kollegen schriftlich dazu aufzufordern, seine Verhaltensweisen zu unterlassen. Sie sollten dies jedoch so konkret wie möglich formulieren. In dieser Phase ist es durchaus sinnvoll, sich bereits um rechtlichen Beistand zu bemühen. Sei es mithilfe eines Anwalts, einer Mobbingberatungsstelle (zum Beispiel von der Gewerkschaft oder der zuständigen Kammer) oder des betrieblichen Sozialdienstes.

    Auch weitere Vertrauenspersonen innerhalb des Teams sollten Sie parallel hinzu ziehen, um sich moralische Unterstützung zu holen. Zusätzlich können Sie sich weitere externe Hilfe nehmen, wie beispielsweise einen Coach oder einen Therapeuten.

  4. Tipps gegen Mobbing: Beschwerde

    Der nächste Schritt muss eine offizielle Beschwerde sein. Zum einen ist es spätestens jetzt an der Zeit, den Vorgesetzten mit einzubeziehen, zum anderen sollten Sie darüber hinaus den Betriebsrat einschalten. Die Paragraphen 84 und 85 des Betriebsverfassungsgesetzes (BetrVG) regeln in diesem Fall Ihr Beschwerderecht, auf das Sie sich berufen können.

  5. Tipps gegen Mobbing: Klage

    Sollte dies alles nichts nutzen, müssen Sie den Weg vor das Arbeitsgericht gehen. Bedenken Sie, dass die Klage immer das letzte Mittel sein muss. Zum einen besteht dadurch die Gefahr innerhalb der Firma „verbrannte Erde“ zu hinterlassen, zum anderen müssen Sie sich bewusst machen, dass Mobbing zwar strafbar ist, die Beweispflicht obliegt allerdings immer den Betroffenen. Das bedeutet, dass Sie nach Möglichkeit Zeugen oder andere handfeste Beweise benötigen, damit hier nicht Aussage gegen Aussage steht.

In den seltensten Fällen kommt es jedoch zur gerichtlichen Auseinandersetzung. Meist sind die Mobber bereits überrascht, wenn das vermeintliche Opfer aus seiner zugedachten Rolle ausbricht und das offene Gespräch sucht. Vielfach findet Mobbing bereits dann ein Ende, da es für die Täter nicht mehr so einfach ist, ihren Frust ohne Widerstand an Ihnen abzulassen.

[Bildnachweis: Michal Kowalski by Shutterstock.com]
17. November 2019 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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