Unsere Meetings sind Monologe des Chefs. Was tun?

Chefs sind Selbstdarsteller. Nicht alle, aber manche. Im Meeting macht sich das mitunter durch Marathon-Monologe bemerkbar. Einer erzählt und erzählt und erzählt, die anderen hören zu und schweigen. Hilfreich ist das nicht – oder zumindest nur sehr selten. Aber wie bringe ich den Sonnenkönig zum Schweigen?

Unsere Meetings sind Monologe des Chefs. Was tun?

Wie stoppe ich den Monolog meines Chefs?

Genereller Rat vorweg: Versuchen Sie es auf konstruktive Art und Weise. Geben Sie ihm oder ihr also nicht zu verstehen, dass Sie seine Rede für langatmig oder uninspiriert halten – weder direkt noch indirekt.

Sagen Sie ihm nicht ins Gesicht, dass er nun wirklich genug geredet habe und endlich aufhören solle. Und spielen Sie auch nicht demonstrativ mit Ihrem Smartphone herum, kichern unentwegt mit dem Nebenmann oder gähnen einfach mal zwischendurch mit weit aufgerissenem Mund. Kein guter Stil!

OK, aber dennoch bleibt es dabei: Meetings sind Monologe des Chefs. Das ist schließlich auch kein guter Stil. Was kann ich dagegen tun?

  1. Duldsamkeit

    Die erste Möglichkeit ist ganz simpel: Lassen Sie den Vortrag über sich ergehen. Hören Sie aufmerksam zu, hoffen Sie, dass alles schnell vorbei ist und gehen dann wieder Ihres Weges. Das klingt unbefriedigend, kann aber im Einzelfall tatsächlich die eleganteste Lösung sein. Erst recht, wenn Ihr Chef Einsichten mit Neuigkeitswert teilt.

    Immerhin ist es ja so, dass Transparenz in vielen Unternehmen nicht die allerhöchste Priorität genießt. Mitarbeiter werden nur sporadisch mit internen Informationen versorgt – oder gar nicht. Darum lautet die erste Frage: Ist der Monolog Ihres Chefs ohne jeden Mehrwert und zum Einnicken? Oder können Sie daraus die eine oder andere wertvolle Info ziehen? Ist Ersteres der Fall, brauchen Sie allerdings eine Alternative zur Lehre der reinen Geduld…

  2. Mitgestaltung

    Eine Option wäre es, dem Chef ein anderes Format vorzuschlagen. Bieten Sie ihm an, für das nächste Meeting eine kleine Präsentation zu einem aktuellen Thema auszuarbeiten. Das gibt Ihnen die Gelegenheit, das Meeting aktiv mitzugestalten und sogar zu führen. Nachteil: Es verursacht fürchterlich viel Aufwand…

  3. Rückfragen

    Eine weitere Option: Stellen Sie Rückfragen. Darf ich an der Stelle mal eine kleine Zwischenfrage stellen? Ich fand es sehr interessant, als Sie erwähnt haben, dass… So unterbrechen Sie den Redeschwall Ihres Bosses und signalisieren überdies, dass Sie aufmerksam zugehört und sich gleichzeitig Gedanken gemacht haben. Pluspunkt!

    Dabei natürlich immer höflich bleiben und dem Vorgesetzten nicht ins Wort fallen. Vielleicht machen Sie es wie in der Schule: Einfach mal aufzeigen. Wer würde schon jemandem, der aufzeigt, verwehren, das Wort zu ergreifen? Außerdem müssen es nicht gleich hochkritische, sondern dürfen auch gerne konstruktive Rückfragen sein:

    • Was halten Sie davon, unseren Kunden in Zukunft ergänzend auch Produkt XY anzubieten?
    • Haben Sie auch gelesen, dass Wettbewerber AB jetzt die Strategie XY fährt?
    • Finden Sie auch, dass die neue Dienstleistung von Konkurrent XZ verdächtig viele Ähnlichkeiten zu unserem hat?
  4. Erweiterung

    Sie können auch ganz subtil vorgehen, um das Feld der Redner zu erweitern. Ein Beispiel: Sie machen eine Anmerkung zu einem Thema, das Ihr Chef angeschnitten hat und leiten dann zu einem Kollegen weiter.

    Etwa so: Das ist ein sehr interessanter Aspekt, den Sie da angesprochen haben, Herr Gerber (Chef). Ich glaube, Kollege Malzahn hatte da vor einer Woche ein ähnliches Problem auf dem Tisch. Wie ist das noch mal gelaufen, Malzahn?… Jetzt ist Kollege Malzahn an der Reihe. Während er spricht, muss der Chef wohl oder übel schweigen.

    Aber passen Sie auf, dass Sie Kollegen nicht mutwillig in die Bredouille bringen, nur um das Meeting aufzupeppen. Das wäre sehr unfein.

  5. Umweg

    Die letzte Ausfahrt lautet: Vom Thema abschweifen. Wenn es gar nicht mehr anders geht und Ihnen wichtige, ungeklärte Fragen unter den Nägeln brennen, dann tun Sie’s.

    Zum Beispiel so: Sorry, aber ich muss thematisch mal stark abbiegen. Wir haben noch gar nicht geklärt, wer im Projektteam welche Aufgabe übernimmt. Das sollten wir aber schleunigst tun. Wollen wir das bei der Gelegenheit nicht gleich hier und jetzt machen?

Darf ich meinen Chef kritisieren?

Verlangt wird Kritikfähigkeit ja immer, von allen. In Wahrheit können die wenigsten Menschen mit Kritik umgehen. Dazu dürfte auch Ihr Vorgesetzter gehören. Darum ist es ratsam, ihn nicht vor versammelter Mannschaft in die Parade zu fahren. Gar nicht, weil es sich um Majestätsbeleidigung handeln würde. Wir sind im 21. Jahrhundert, aus ausführenden Untergebenen sind längst mündige Mitarbeiter geworden.

Trotzdem ist es sinnvoll, statt direkter Kritik lieber konstruktive Verbesserungsvorschläge vorzubringen – egal, wer der Empfänger ist. Motto: Was halten Sie davon, wenn wir im Meeting reihum alle mal von unseren Projekten berichten?

Und noch ein ganz anderer Tipp: Schreiben Sie im Meeting mit, auch wenn es nicht Ihre Aufgabe ist, ein Protokoll zu führen. Mitschreiben kann indirekt sogar eine Strategie sein, um Ihrem Chef die Monologe auszutreiben. Beispiel: Ihr Chef macht gerne vollmundige Ankündigungen in Meetings. Neue Kunden, neue Projekte, mehr Budget, bums! Viel davon versandet dann aber still und heimlich.

Sprechen Sie ihn im nächsten oder übernächsten Meeting doch mal darauf an. Chef, was ist eigentlich aus Akquiseprojekt XY geworden? Vor zwei Wochen sagten Sie, das sähe sehr vielversprechend aus… Insgeheim ahnen oder wissen Sie schon, dass der Kunde nicht angebissen hat. Aber vielleicht bewirkt der Kommentar ja einen Bewusstseinswandel bei Ihrem Chef und er ändert mittelfristig seine Strategie. Weniger versprechen – und weniger sprechen.

Was kann ich noch für bessere Meetings tun?

  • Vorbereitung

    Wenn Sie sich vorher kluge Rückfragen überlegen oder selbst ein paar Punkte auf die Agenda setzen. Beispiel: Sie greifen im Meeting einen aktuellen Pressebericht auf und sprechen Ihren Chef im Meeting darauf an (vorausgesetzt natürlich, dieser hat einen Bezug zu Ihrem Unternehmen). Haben Sie das auch gelesen? Was halten Sie davon?

  • Selbstvertrauen

    Es gibt mehr Mitarbeiter, als man denkt, die sich nicht trauen, im Meeting überhaupt etwas zu sagen. Sie sind gehemmt oder haben Angst vor der Blamage. Zählen Sie auch dazu? Dann üben Sie doch die Sätze oder Rückfragen, die Sie loswerden wollen, vorher vor dem Spiegel. Tonlage, Sprechtempo, Körperspannung beachten – das hilft. Und ziehen Sie sich ein Outfit an, in dem Sie sich wohl fühlen. All das verleiht Ihnen Selbstvertrauen fürs Meeting.

  • Zeitlimit

    Falls es ein festes Zeitbudget für Ihr Meeting gibt, dann können Sie auch mal pünktlich rausgehen. Zum Beispiel mit der Begründung: Sorry, ich bin untröstlich, aber ich muss mich jetzt aus unserem Meeting verabschieden. Kunde XY wartet dringend auf meinen Anruf, wir sind für 16 Uhr verabredet. Ihr Chef wird dagegen kaum Einwände erheben – und vielleicht sogar merken, dass er es ist, der die Zeitspanne des Meetings überdehnt. Weil er zu viel redet!

[Bildnachweis: Matej Kastelic by Shutterstock.com]
20. Dezember 2019 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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