Welche Rechte haben Schwangere im Job?

Wer schwanger im Job ist, unterliegt mit Blick auf das Mutterschutzgesetz einem besonderen Schutz. Sobald Sie Ihren Chef über die bestehende Schwangerschaft informieren, gelten zu Ihren Gunsten spezielle Schutzvorschriften. So kommen auf den Arbeitgeber, aber auch auf die Kollegen teils erhebliche Veränderungen zu: Sie müssen fortan auf Sie mehr Rücksicht nehmen und etwaige Engpässe auffangen. Das und mehr über Ihre Rechte sollten Sie wissen, wenn Sie schwanger im Job sind…

Welche Rechte haben Schwangere im Job?

Schwanger im Job: Was sind die Rechte werdender Mütter?

Ab dem Tag, an dem Sie die Unternehmensleitung beziehungsweise die Vorgesetzten darüber in Kenntnis setzen, dass Sie ein Kind erwarten, greift das Mutterschutzgesetz. Entsprechend haben Sie im Rahmen Ihrer beruflichen Tätigkeit zusätzliche Rechte.

Das Mutterschutzgesetz gilt für alle werdenden Mütter, die sich in einem befristeten oder unbefristeten Angestelltenverhältnis befinden. Dabei ist es unerheblich, ob sie voll- oder teilzeitbeschäftigt sind.

Auch Auszubildende mit entsprechendem Lehrvertrag sowie Heimarbeiterinnen und Hausangestellte werden durch das Mutterschutzgesetz vollumfänglich geschützt.

Das Mutterschutzgesetz spielt im Hinblick auf das Arbeitsrecht eine zentrale Rolle und dient in erster Linie dem Wohl des ungeborenen Kindes. Darüber hinaus soll es etwaige finanzielle Nachteile vor und nach der Geburt des Kindes abmildern.


Extra-Tipp

Obwohl das Mutterschutzgesetz auch für Frauen mit befristetem Arbeitsverhältnis greift, enden die jeweils zu Grunde liegenden Arbeitsverträge wie vertraglich vorgesehen. Die Mitarbeiterin, die schwanger im Job ist, kann sich daher nicht darauf berufen, dass die bestehende Schwangerschaft eine Vertragsverlängerung ermöglicht.

Wen schützt das Mutterschutzgesetz nicht?

  • Freiberuflich tätige Frauen
  • Selbstständige
  • Geschäftsführerinnen und
  • Studentinnen

Schwangere Frauen, die einen Beamten-Status inne haben, profitieren in Anlehnung an die aktuelle Gesetzgebung von besonderen Regelungen.


Extra-Tipp

Mit dem Mutterschutzgesetz gehen nicht nur Rechte für die Frau einher, die schwanger im Job ist, sondern sie unterliegt ebenso bestimmten Pflichten.

So dürfen werdende Mütter im Rahmen der Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit nicht mehr alle Arbeiten verrichten, um so das ungeborene Baby bestmöglich zu schützen.

  • Schwangere dürfen nicht mehr mit giftigen Substanzen oder mit radioaktiven Stoffen hantieren.
  • Schweres Heben ist außerdem untersagt. Das bedeutet, dass sie Gegenstände, die schwerer als 5 kg sind, nicht mehr tragen dürfen.
  • Häufiges Recken, Beugen und Strecken sowie längeres Stehen ist ebenfalls mit dem Mutterschutzgesetz nicht mehr vereinbar.
  • Darüber hinaus sind auch Akkord- und Fließbandarbeit für schwangere Arbeitnehmerinnen verboten.
  • Werdende Mütter sind von der Nacht- und Sonntagsarbeit ausgenommen.
  • Ab dem dritten Monat der Schwangerschaft ist die Arbeit in Beförderungsmitteln ebenfalls tabu.
  • Auch bei Hitze und Kälte sowie bei widrigen Witterungsbedingungen dürfen Frauen, die schwanger im Job sind, nicht arbeiten.

Schwangere Frauen, die in Krankenhäusern und Kliniken sowie in Pflegeheimen, Badeanstalten oder nicht zuletzt in der Gastronomie beschäftigt sind, dürfen durchaus auch weiterhin an Sonn- und Feiertagen arbeiten. Dem gegenüber steht jedoch die Verpflichtung des Arbeitgebers, während der Arbeitswoche für einen adäquaten Ausgleich zu Gunsten der werdenden Mutter zu sorgen. Auch in diesem Zusammenhang steht der Schutz des ungeborenen Kindes an erster Stelle.

Arbeitnehmerinnen, die schwanger im Job sind, unterliegen unter bestimmten Voraussetzungen einem so genannten individuellen Beschäftigungsverbot.

Schwangere, die sich zwar bester Gesundheit erfreuen, die jedoch bei einer weiteren Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit eine Gesundheitsgefährdung für sich oder ihr Kind erwarten, müssen der Arbeit fernbleiben. Dieser Aspekt greift selbst dann, wenn die Arbeit an sich grundsätzlich nicht in die Kategorie gesundheitsgefährdend eingestuft wird.

Übelkeit im Job: Wann darf die Schwangere zu Hause bleiben?

Viele Frauen, die schwanger sind, verspüren aufgrund hormoneller Umstellungen gerade in den ersten Wochen der Schwangerschaft das Gefühl der Übelkeit, wenn sie bestimmte Gerüche wahrnehmen.

So gibt es Frauen, die schwanger im Job sind und allein schon beim Geruch von Kaffee einen Brechreiz verspüren. Anderen wird hingegen bei bestimmten Kantinen-Gerüchen übel.

Sofern der Arbeitnehmerin im Rahmen der Ausübung ihres Jobs durch die ständigen Kaffee- oder Essensgerüche schlecht wird, greift das individuelle Beschäftigungsverbot. Das bedeutet, dass die werdende Mütter so lange zu Hause bleiben darf, bis sich das Gefühl der Übelkeit bei Auftreten der Kaffee- oder Essensgerüche nicht mehr einstellt.

Um diesen Anspruch durchzusetzen, ist lediglich die Vorlage eines ärztlichen Attests erforderlich.


Extra-Tipp

Jeder Arbeitgeber hat das Recht, die Richtigkeit eines solchen Attests anzuzweifeln. Stellt sich jedoch heraus, dass die Vorbehalte der schwangeren Frau zutreffen, muss der Chef etwaige zurückgehaltene Anteile des Gehalts unverzüglich nachzahlen.

Was sollten Sie überdies wissen?

Sobald eine Arbeitnehmerin ihrem Vorgesetzten mitteilt, dass sie schwanger im Job ist, muss er umgehend dem Gewerbeaufsichtsamt Meldung machen.

Umgekehrt gibt es keine gesetzlich vorgegebene Frist für werdende Mütter, innerhalb derer sie den Chef über die Schwangerschaft informieren müssen. Anders sieht es aber bei so genannten Risiko-Jobs aus: Wer schwanger im Job ist und regelmäßig mit gefährlichen oder chemischen Substanzen in Berührung kommt, muss den Vorgesetzten möglichst frühzeitig über die bestehende Schwangerschaft informieren. Je früher Sie diesen Schritt in Angriff nehmen, desto eher greift der Mutterschutz.

Das ist insbesondere vor dem Hintergrund von Relevanz, dass gerade die ersten zwölf Wochen einer Schwangerschaft erheblich risikoreich sind. Sofern die werdende Mutter oder ihr Ungeborenes in Anfangsphase der Schwangerschaft unter gesundheitlichen Problemen leiden, wenn also die Schwangerschaft nicht stabil ist, besteht eine erhöhte Gefahr, dass eine Fehl- oder Frühgeburt eintritt.

Können schwangere Frauen entlassen werden?

Ein wesentlicher Aspekt für Frauen, die schwanger im Job sind, ist, dass sie durch das Mutterschutzgesetz vor einer Kündigung geschützt sind. Bis zum Ablauf von vier Monaten nach der Niederkunft darf keine Kündigung ausgesprochen werden.

Ausnahmen gibt es jedoch, wenn das Unternehmen Insolvenz anmelden muss oder wenn andere triftige Gründe vorliegen.

Gesetzt den Fall, dass die Arbeitnehmerin erst nach einer bereits erfolgten Kündigung von ihrer bestehenden Schwangerschaft erfährt und diese dem bisherigen Arbeitgeber mitteilt, tritt automatisch ein rückwirkender Kündigungsschutz in Kraft. Dieser beginnt, sobald der Chef über die Schwangerschaft informiert worden ist.

Bei einer Fehlgeburt hingegen erlischt der Kündigungsschutz mit unmittelbarer Wirkung. Erwähnenswert hinsichtlich der Schutzvorschrift ist außerdem, dass der Kündigungsschutz selbst während der Probezeit besteht.

Wie ist die Rechtslage, wenn Ihnen der Chef trotzdem kündigt?

Es gibt Situationen im unternehmerischen Alltag, in denen die Kündigung einer schwangeren Mitarbeiterin unumgänglich ist. Dabei haben Unternehmer die Möglichkeit, bei der jeweils zuständigen Aufsichts- beziehungsweise Landesbehörde einen Antrag zu stellen, um die Zulässigkeit der zuvor ausgesprochenen Kündigung durchzusetzen.

Um aber eine solche Zustimmung der Behörde zu erlangen, müssen triftige Gründe vorliegen. Bei Tätlichkeiten seitens der Schwangeren gegenüber dem Arbeitgeber, bei Diebstahls- oder anderen schweren Vermögensdelikten gibt die Aufsichtsbehörde im Allgemeinen der Kündigung statt.

Frei nach dem Motto: Schwierige Situationen erfordern schwerwiegende Maßnahmen, kommt es im Rahmen derartiger Auseinandersetzungen mitunter zu gerichtlichen Verhandlungen. Im Rahmen eines Kündigungsschutzprozesses ist die werdende Mutter in der Beweispflicht. Das heißt, sie muss glaubhaft darlegen können, dass sie tatsächlich ein Kind erwartet und dass sie ihren Chef darüber in Kenntnis gesetzt hat.

Darf ich während der Arbeitszeit Arztbesuche wahrnehmen?

Im Normalfall müssen Arbeitnehmer anstehende Termine beim Arzt ihres Vertrauens möglichst außerhalb der Arbeitszeiten wahrnehmen. Wer schwanger im Job ist, kann unter bestimmten Voraussetzungen von einer Ausnahmeregelung profitieren.

Diesbezüglich ist von den so genannten terminlich gebundenen Terminen beim Gynäkologen die Rede. Spezielle medizinische Untersuchungen, welche nur auf nüchternen Magen durchgeführt werden können, rechtfertigen Arztbesuche während der regulären Arbeitszeit.

Wenn die schwangere Arbeitnehmerin einen Arztbesuch wahrnimmt, obwohl es sich nicht um einen terminlich gebundenen Termin handelte, sind Arbeitgeber berechtigt, ihr Gehalt zu kürzen. Alternativ können sie verlangen, dass die Schwangere die Dauer ihrer Abwesenheit nacharbeiten muss.

Wann sind Arbeitnehmerinnen, die schwanger im Job sind, von der Arbeit freigestellt?

Sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Niederkunft beziehungsweise zwölf Wochen bei Früh- und Mehrlingsgeburten sind werdende Mütter von der Arbeit freigestellt.

Während dieser Zeiten dürfen sie laut dem geltenden Mutterschutzgesetz nicht beschäftigt werden. Einzige Ausnahme: Sie wollen unbedingt weiterhin arbeiten und erklären sich ausdrücklich bereit dazu. Natürlich kann diese Erklärung zu jeder Zeit durch die Schwangere widerrufen werden. Unmittelbar nach der Geburt des Babys gilt allerdings ein absolutes Beschäftigungsverbot.

Weil die Frauen, die schwanger im Job sind, oft nur noch einen bestimmten Lohn- oder Gehaltsanteil ausgezahlt bekommen, erhalten sie während der geltenden Mutterschutzfristen finanzielle Zuwendungen. Diesbezüglich ist das Mutterschaftsgeld von der Krankenkasse sowie der Arbeitgeberzuschuss erwähnenswert. Durch diesen monetären Ausgleich ergibt sich in etwa die Höhe des Einkommens, welches die Arbeitnehmerin noch vor dem Beginn der Mutterschutzphase erhalten hat.

Welche Ansprüche bestehen nach der Geburt?

Bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres des Kindes haben frisch gebackene Mütter und Väter einen Anspruch auf Elternzeit.

Sofern eines der Elternteile – oder beide – in Elternzeit gehen, tritt eine Verlängerung des Kündigungsschutzes in Kraft. Diese gilt während der gesamten Dauer der Elternzeit. Staatliche Zuwendungen gibt es hingegen nur für maximal 14 Monate.

So kann entweder der Vater oder die Mutter höchstens zwölf Monate Elternzeit beanspruchen. Das andere Elternteil hat die Möglichkeit, zwei Monate Elternzeit in Anspruch zu nehmen. Die Höhe des Elterngeldes beträgt derzeit etwa 65 Prozent des Nettolohns.

Dürfen Mütter in Elternzeit einer Erwerbstätigkeit nachgehen?

Während Sie in Elternzeit sind, haben Sie auf Wunsch die Option, in Teilzeit bis zu maximal 30 Stunden in der Woche zu arbeiten.

Dies kann sinnvoll sein, um beruflich aktiv zu bleiben bzw. um nicht ganz den beruflichen Anschluss zu verlieren. Dabei ist es unerheblich, ob der Vater oder die Mutter von diesem Recht Gebrauch macht. Arbeitgeber können dem unter bestimmten Voraussetzungen widersprechen. Nämlich dann, wenn dringliche betriebliche Gründe dem gegenüberstehen.


Extra-Tipp

Wenn Sie schwanger im Job sind und Ihrem Arbeitgeber mitteilen, dass sie für ein Jahr, für zwei oder drei Jahre die Elternzeit in Anspruch nehmen, so ist diese angegebene Zeitdauer für Sie bindend. Eine Abweichung davon ist nur möglich, wenn auch der Arbeitgeber zustimmt.

[Bildnachweis: Standret by Shutterstock.com]
19. Januar 2020 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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