Muss ich meinen Chef siezen?

Das DU im Job ist zwar auf dem Vormarsch. Zunächst aber gilt: Vorgesetzte sind zunächst zu Siezen. Und zwar solange, bis der Chef von sich aus das „Du“ anbietet. Dann darf es aber – laut Knigge-Regel – auch nicht mehr zurückgenommen werden. Bis dahin aber müssen Sie bei dem SIE bleiben und den Chef siezen. Schließlich soll das SIE zugleich Wertschätzung und Respekt zu vermitteln…

Muss ich meinen Chef siezen?

Wann kann ich im Job Duzen?

Höflichkeit ist eine Haltung. Ein Zeichen für eine gute Kinderstube und ausgeprägte Manieren. Zwar darf man sich hier und da über Konventionen hinwegsetzen, solange die Grundhaltung erkennbar bleibt. Im Job aber sollten Sie die Knigge-Grundregeln für das Duzen und Siezen beherrschen. Diese lauten…

  • Geschlecht

    Es ist eine der ältesten Knigge-Regeln, die allerdings zunehmend aufweicht: Ladys first! – Die Dame bietet dem Mann das DU an, nicht umgekehrt. Auf diese Weise bezeugt der Mann ihr gegenüber Respekt und Ehre. Die Tradition und Konvention wird aber allenfalls noch in konservativen Kreisen gepflegt.

  • Alter

    Der Ältere bietet dem Jüngeren das DU an, nicht umgekehrt. In dieser Knigge-Regel spiegelt sich in erster Linie der Respekt vor dem Alter. Es gilt als ein Zeichen von Höflichkeit, Wertschätzung und guten Manieren, ältere Menschen mit Sie anzusprechen.

  • Rang

    Im Job sieht die Sache anders aus. Hierarchien hebeln alle zuvor genannten Regeln aus. Im Job darf allein der Ranghöhere das DU anbieten. Also auch allein der jüngere Chef dem älteren Kollegen oder der Mann der Frau. Andersherum zeugt es nicht nur von schlechten Manieren, wenn Angestellte ihre Vorgesetzten plötzlich duzen – es ist auch ein Zeichen dafür, dass sie die Autorität des Chefs nicht anerkennen. Erst recht, wenn dieser gesiezt werden will.

  • Dauer

    Das DU gilt lebenslänglich. Einmal erteilt, käme jeder Rücktritt davon einer Herabsetzung gleich. Grob unhöflich und stillos.

  • Gegenseitigkeit

    Es gibt kein einseitiges DU. Wer sich auf Augenhöhe begegnet, ist entweder per Du oder per Sie. Hier herrscht absolute Gleichberechtigung.


Extra-Tipp

Arbeitsrechtlich ist das Duzen im Job zunächst keine Beleidigung – vor allem, wenn es einem ungewollt herausrutscht. Das wäre allenfalls eine Taktlosigkeit oder Unhöflichkeit.

Zur Beleidigung wird Duzen erst, wenn es unerwünscht und trotzdem konsequent angewendet wird – etwa mit dem Ziel, sein Gegenüber herabzuwürdigen. Dann verstößt es mitunter gegen das Persönlichkeitsrecht (Art. 2 Grundgesetz). Danach hat jeder Erwachsene das Recht, die Art und Weise zu bestimmen, wie er oder sie angeredet werden will. Allerdings kann dies im Job hinter dem Ziel einer gewünschten Firmenkultur (generelles DU) zurückstehen.

Wie kann ich jemandem das DU anbieten?

Ganz einfach. Dazu bedarf es weniger Worte. Eine simple Formulierung, um einem Kollegen oder Mitarbeiter das DU anzubieten, könnte zum Beispiel schon so lauten:

Wir arbeiten jetzt schon so lange zusammen. Wollen wir uns nicht einfach duzen? Wenn Ihnen das unangenehm ist, ist das für mich aber auch in Ordnung.

Und natürlich dürfen Sie das Angebot auch jederzeit ablehnen. Nur bitte ebenfalls höflich und respektvoll und gegenüber dem Chef mit noch mehr Fingerspitzengefühl. Eine Formulierung hierfür könnte lauten:

Vielen Dank für das nette Angebot. Bitte verstehen Sie mich: Ich möchte im Beruf eine professionelle Distanz wahren und daher beim SIE bleiben. Bitte haben Sie Verständnis.

[Bildnachweis: Branislav Nenin by Shutterstock.com]
3. November 2019 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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