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Muss ich meinen Chef siezen?

Das DU im Job ist zwar auf dem Vormarsch, genauso wie die Duz-Kultur in vielen Unternehmen. Vorgesetzte sind aber zunächst zu Siezen. Und zwar solange, bis der Chef von sich aus das „Du“ anbietet. Dann kann es – laut Knigge-Regel – auch nicht mehr zurückgenommen werden. Den Chef duzen oder den Chef siezen – beides hat seine Vor- und Nachteile…


Muss ich meinen Chef siezen?

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Chef siezen oder duzen?

Ob Sie Ihren Chef duzen oder siezen, hängt zunächst von der Unternehmenskultur ab. Immer mehr Unternehmen steigen vom förmlichen Sie auf das informelle Du um – über Abteilungen und Hierarchien hinweg. Darunter sind keineswegs mehr nur die üblichen Verdächtigen wie Werbeagenturen, sondern auch vermeintlich konservative Branchen. Hat das Unternehmen eine Duz-Kultur eingeführt, dann duzt jeder jeden – also auch Sie Ihren Chef. Andernfalls reden Sie ihn mit „Sie“ an.

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Kann ich meinem Chef das Du anbieten?

Nein, Angestellte sollten ihren Vorgesetzten von sich aus nicht das Du anbieten. Dieser Schritt geht stets vom Chef aus. Folgende Knigge-Regeln in Bezug auf Duzen und Siezen sollten Sie am Arbeitsplatz beherzigen:

  1. Rang


    Im Job sollte allein der Ranghöhere das DU anbieten – also auch der jüngere Chef dem älteren Kollegen. Andersherum zeugt es nicht nur von schlechten Manieren, wenn Angestellte ihre Vorgesetzten plötzlich duzen – es ist auch ein Zeichen dafür, dass sie die Autorität des Chefs nicht anerkennen. Erst recht, wenn dieser gesiezt werden will.

  2. Alter

    Der Ältere bietet dem Jüngeren das DU an, nicht umgekehrt. In dieser Knigge-Regel spiegelt sich in erster Linie der Respekt vor dem Alter. Es gilt als ein Zeichen von Höflichkeit, Wertschätzung und guten Manieren, ältere Menschen mit Sie anzusprechen.

  3. Geschlecht


    Es ist eine der ältesten Knigge-Regeln, die allerdings zunehmend aufweicht: Ladys first! Die Dame bietet dem Mann das DU an, nicht umgekehrt. Auf diese Weise bezeugt der Mann ihr gegenüber Respekt und Wertschätzung. Ehrlicherweise wird die Tradition und Konvention aber allenfalls noch in konservativen Kreisen gepflegt.

  4. Verbindlichkeit

    Das DU gilt lebenslänglich. Einmal erteilt, käme jeder Rücktritt davon einer Herabsetzung gleich. Grob unhöflich und stillos.

  5. Gegenseitigkeit

    
Es gibt kein einseitiges DU. Wer sich auf Augenhöhe begegnet, ist entweder per Du oder per Sie. Hier herrscht absolute Gleichberechtigung.

vgwort

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Warum bietet der Chef das Du an?

Siezen bietet Sicherheit. Das Sie ist respektvoll und höflich, kann jedoch auch als hierarchisch und autoritär wahrgenommen werden. Duzen vermittelt eine offenere Atmosphäre – und eine Grundhaltung, die suggeriert, dass jeder im Team partizipiert und für den gemeinsamen Erfolg verantwortlich ist. Heuer beweisen sich Vorgesetzte als Führungskräfte, indem sie Empathie und Teamgeist vorleben und nicht mehr durch die pure Ausübung von Macht.

Das sind die Vorteile der Duz-Kultur: Sie…

  • baut Distanzen und Hierarchien ab
  • macht die Kommunikation einfacher
  • bestärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl
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Wie kann ich das Du ablehnen?

Wenn Ihnen der Chef das Du anbietet, können Sie es auch ablehnen. Allerdings kann eine Zurückweisung durchaus zu Ressentiments und Spannungen führen. Achten Sie daher auf Ihre Formulierung, wenn Sie ein Du zurückweisen. Eine Ablehnung sollte stets höflich und respektvoll sein. Hier zwei Formulierungsvorschläge:

Es freut mich sehr, dass Sie mir das Du anbieten. Ehrlich gesagt fühle ich mich mit dem Sie aber wohler. Das ist eine grundsätzliche Einstellung von mir und hat nichts mit Ihnen persönlich zu tun. Ich hoffe, Sie verstehen das und es ist in Ordnung für Sie.

Vielen Dank für das nette Angebot. Bitte verstehen Sie mich: Ich möchte im Beruf eine professionelle Distanz wahren und daher beim SIE bleiben. Bitte haben Sie Verständnis.

Wie kann ich jemandem das Du anbieten?

Ihrem Chef sollten Sie das Du nicht anbieten. Bei einem Kollegen können Sie das hingegen gerne tun, wenn es sich anbietet. Eine simple Formulierung, um einem Kollegen oder Mitarbeiter das DU anzubieten, könnte so lauten:

Wir arbeiten jetzt schon so lange zusammen. Wollen wir uns nicht einfach duzen? Wenn Ihnen das unangenehm ist, ist das für mich aber auch in Ordnung.

Kann Duzen im Job beleidigend sein?

Arbeitsrechtlich ist das Duzen im Job keine Beleidigung – vor allem, wenn es einem ungewollt herausrutscht. Das wäre allenfalls eine Taktlosigkeit oder Unhöflichkeit. Zur Beleidigung wird Duzen erst, wenn es unerwünscht und trotzdem konsequent angewendet wird – etwa mit dem Ziel, sein Gegenüber herabzuwürdigen. Dann verstößt es mitunter gegen das Persönlichkeitsrecht (Art. 2 Grundgesetz). Danach hat jeder Erwachsene das Recht, die Art und Weise zu bestimmen, wie er oder sie angeredet werden will. Allerdings kann dies im Job hinter dem Ziel einer gewünschten Firmenkultur (generelles DU) zurückstehen.

[Bildnachweis: Branislav Nenin by Shutterstock.com]

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