Was gilt als Berufserfahrung?

Es ist ein Teufelskreis: Ohne Berufserfahrung findet man keinen Job und ohne Job kann man keine Berufserfahrung sammeln. Arbeitgeber legen bei der Personalauswahl meist großen Wert darauf, dass Kandidaten bereits Erfahrung im angestrebten Bereich mitbringen. Teilweise wird bereits in der Stellenanzeige ein Mindestmaß an Berufserfahrung genannt. Wer die geforderte Zeit, beispielsweise zwei Jahre, nicht mitbringt, kann sich die Bewerbung gleich sparen. Aber was zählt überhaupt zur Berufserfahrung? Muss es eine Festanstellung, womöglich sogar unbefristet sein oder lässt sich Berufserfahrung auch anders sammeln?

Was gilt als Berufserfahrung?

Wieso ist Berufserfahrung so wichtig?

Ohne Berufserfahrung ist die Jobsuche eine besondere Herausforderung. Die Auswahl von Positionen, auf die Sie sich bewerben können, ist deutlich kleiner. Einstiegspositionen sind auf Arbeitnehmer ohne Berufserfahrung ausgelegt, für alle anderen Jobs wird diese hingegen vorausgesetzt.

Wird die fehlende Berufserfahrung zum Problem und erschwert die Jobsuche, sind Bewerber oft frustriert. Dabei wird die Frage laut: Warum ist die Berufserfahrung so wichtig und warum stellen viele Arbeitgeber nur mit passender Erfahrung ein? Es mag sich aus Sicht von Jobsuchenden zum Teil unfair anfühlen, doch haben Unternehmen gute Gründe, warum sie gezielt nach Mitarbeitern mit Berufserfahrung suchen:

  • Weniger Einarbeitung nötig

    Bringt ein neuer Mitarbeiter einschlägige Berufserfahrung mit, kann er in der Regel schneller selbstständig arbeiten, Verantwortung übernehmen und Leistung erbringen. Natürlich erfolgt eine Einarbeitung ins Team und die Abläufe im Unternehmen, doch braucht es weniger Hilfestellung, um mit den Aufgaben des Jobs zurechtzukommen.

    Das spart Zeit und ermöglicht dem Unternehmen eine bessere Planung. Gerade wenn es wichtig ist, dass die Stelle schnell besetzt wird und sofort Leistungen erbracht werden, ist die nötige Berufserfahrung besonders wichtig.

  • Bessere Fähigkeiten und Kenntnisse

    Manche Aufgaben sind mit besonders großer Verantwortung verbunden oder sind für den Gesamterfolg des Teams und des Unternehmens wichtig. Solche Positionen werden mit erfahrenen Mitarbeitern besetzt, die über das nötige Know How verfügen und deren Kenntnisse bereits über Jahre in der Praxis gewachsen sind.

    Damit verbunden ist oft auch der richtige Umgang mit schwierigen Situationen. Wer diese in jahrelanger Berufserfahrung bereits häufiger durchlaufen hat, kann besser damit umgehen und richtig reagieren.

Welche Stationen gelten als Berufserfahrung?

Wenn Sie Ihren Lebenslauf erstellen, tragen Sie beim schulischen und beruflichen Werdegang verschiedene Stationen ein. Höchster Schulabschluss, Studium, Ausbildung, erste Jobs – die Möglichkeiten sind vielseitig. Aber was davon gilt tatsächlich als Berufserfahrung?

Ein Beispiel: Wenn Sie eine dreijährige Berufsausbildung absolviert haben und im Anschluss ein Jahr angestellt waren: Haben Sie nun vier Jahre Berufserfahrung oder lediglich ein Jahr? Gar nicht so einfach. Auf der einen Seite arbeiten Sie natürlich auch schon während der Ausbildung, doch wird diese in der Regel nicht als volle Berufserfahrung betrachtet. So rechnen Sie im Beispiel lediglich ein Jahr als wirkliche Erfahrung im Job.

Auch ein Studium, selbst wenn es sehr praxisnah aufgebaut ist, zählt nicht zur Berufserfahrung. Studenten, die nach einer Regelstudienzeit von 5 Jahren mit einem Masterabschluss von der Universität kommen, haben damit zunächst noch keine Berufserfahrung gesammelt. Eine Ausnahme kann das duale Studium sein, indem gezielt während des Studium bereits Berufserfahrung gesammelt und praktisches Wissen vermittelt wird.

Wenn Sie angestellt sind, egal ob in Vollzeit, Teilzeit, befristet oder unbefristet, gilt dies immer als Berufserfahrung. Hier tun Sie genau das, was Unternehmen sich von erfahrenen Mitarbeitern wünschen: Sie arbeiten selbstständig, erweitern Ihre Fähigkeiten und lernen mit den Herausforderungen des Jobs umzugehen.

Darüberhinaus gibt es weitere Möglichkeiten, um Berufserfahrung zu sammeln. Gerade vor dem tatsächlichen Berufseinstieg kann dies wichtig sein:

  • Praktika

    Mit einem Praktikum lernen Sie nicht nur den Job besser kennen, Sie sammeln gleichzeitig Berufserfahrung, die Sie als solche in der Bewerbung angeben können. Das kann ein Pflichtpraktikum im Rahmen eines Studiengangs sein oder ein freiwilliges Praktikum, das Sie beispielsweise bei einem Wunscharbeitgeber absolvieren. Idealerweise dauert das Praktikum dabei nicht nur zwei Wochen, sondern zieht sich über mehrere Monate – allerdings muss dies auch mit dem Studium vereinbar sein. Es bieten sich deshalb die vorlesungsfreien Zeiten an.

  • Studentenjobs

    Studentenjobs sind oft notwendig, um die finanzielle Situation aufzubessern. Doch sie liefern auch wertvolle Berufserfahrung. Speziell an Studenten richten sich in vielen Bereichen Teilzeit-Stellen, die beispielsweise bei Projekten helfen oder leichtere Hilfsarbeiten erledigen. Ein weiterer Vorteil ist – wie beim Praktikum – dass Sie bereits wichtige Kontakte zu Unternehmen aufbauen und sich möglicherweise im Anschluss an Ihr Studium dort bewerben können.

  • Freiberufliche Tätigkeiten

    Nicht nur Festanstellungen als Arbeitnehmer gelten als Berufserfahrung. Wenn Sie als Freelancer Aufträge angenommen oder in Projekten mitgewirkt haben, sammeln Sie dabei ebenfalls Berufserfahrung. Für Studenten ist diese Variante eher selten, einige entscheiden sich jedoch dafür, nach dem Studium zunächst freiberuflich zu arbeiten, wenn es mit der Festanstellung aufgrund mangelnder Berufserfahrung noch nicht klappen will.

Welche Berufserfahrung ist wirklich relevant?

Zu guter Letzt muss Berufserfahrung noch in zwei Bereiche unterteilt werden: Relevante und irrelevante Berufserfahrung. Unternehmen kennzeichnen diesen Unterschied in der Stellenausschreibung meist mit der Formulierung einschlägige Berufserfahrung.

Das bedeutet im Klartext: Für eine Position ist nur die Berufserfahrung von Bedeutung, die tatsächlich im gleichen Job oder einem verwandten Bereich gesammelt wurde. Ein Praktikum in einer vollkommen anderen Branche, die nichts mit dem Job zutun hat, auf den Sie sich bewerben, bringt Ihnen keine Pluspunkte beim Personaler.

Wird von einem Unternehmen eine einschlägige Berufserfahrung von drei Jahren verlangt, sollten Sie deshalb prüfen, ob Sie diese auch wirklich vorweisen können. Haben Sie bereits lange Jahre in genau diesem Job gearbeitet, ist die Lage eindeutig – haben Sie jedoch mehrmals die Branche gewechselt oder Praktika in unterschiedlichen Bereichen absolviert, sollten Sie zunächst überprüfen, ob diese relevant sind.

[Bildnachweis: ProStockStudio by Shutterstock.com]
11. Dezember 2019 Karrierefragen Redaktion Icon Autor: Karrierefragen Redaktion

Die Redaktion der Karrierefragen besteht aus ausgewiesenen Job- und Karriereexperten mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung. Sie sind zudem regelmäßige Autoren der Schwesterseite Karrierebibel.de mit mehr als 4 Millionen Lesern im Monat.

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