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Hi Leute,

meine Frage betrifft die Begründung einer Jobwechselmotivation. Ich will aus der Beratung in die Industrie. Es heisst immer, dass ist heikel, haben aber viele vorher auch bereits geschafft.

Natürlich sollte man immer eine Hin-zu Motivation haben und keine Weg-von Motivation, logo! Aber seien wir mal ehrlich – 1. will man doch immer nur irgendwo weg, denn würde es einem dort gefallen, hätte man diesen Wechselgedanken ja nicht – an Trennung z.B. denkt man ja auch nur, wenn die Beziehung unglücklich ist und nicht aus Langeweile oder aufs Land zieht man ja nur, weil es einem in der Stadt nicht mehr gefällt oder es nicht mehr passt usw. usw., 2. maW, jede Hin-zu Motivation lässt sich immer auch als Weg-von Motivation drehen, das ist doch alles Semantik! Jede Münze hat 2 Seiten und alles Positive lässt sich auch umdrehen und von der anderen Seite negativ betrachten, weiteres Beispiel: Wenn man sagt, ich will dorthin, weil ich meine Work-Life-Balance verbessern will, ist das hin-zu – umgedreht bedeutet das aber immer auch, ich will hier weg, weil hier der workload zu heftig ist, das ist von-weg (wobei in diesem Besp. die weitere Schwierigkeit wäre, klar zu machen, das man kein Faulpelz sein und sich in Zukunft ausruhen will), ich will (wieder) internationaler arbeiten ist hin-zu, ich will nicht mehr im Provinzunternehmen rein national arbeiten ist von-weg.

Also jeder Arbeitgeber/Personaler, der nicht völlig dämlich ist, erkennt doch sofort, was die andere Kehrseite des hin-zu als weg-von ist?!

In meinem letzten Gespräch wurde mir genau das zum Verhängnis: Ich meinte, ich möchte (wieder) internationaler arbeiten (impliziert: habe es also zuletzt nicht getan, die letzten paar Jahre strukturbedingt nationaler Mittelstand – weg-von), Gegenaussage war, wir suchen aber jemanden, der auch zuletzt bereits international gearbeitet hat (warum habt Ihr mich dann eingeladen??? Das konnte man vorher wissen!) oder anderes Bsp., ich möchte mehr im Bereich xyz arbeiten (hin-zu – habe es also bislang nicht getan, weg-von), Gegenaussage: Wir suchen aber jemanden, der diese Erfahrung bereits mitbringt. Weiter: Ich möchte nicht mehr den Umsatzdruck in der Beratung (weg-von), wie kann man das denn als hin-zu ausdrücken und das kein legitimer Grund? Ist man dann direkt ein Weichei, das nicht zu gebrauchen ist, wenn man das sagt, die Gesprächspartner gegenüber sind doch auch hier, also auch aus einem Grund? Man muss sich doch nicht rechtfertigen nach dem Motto, man hat es dort nicht geschafft! Oder gibt es irgendwo ein ungeschriebenes geheimes Gesetz, das das besagt?

Frage: Wie soll man sich denn dann wirksam im Job verändern können, wenn man immer nur alles schon mitbringen soll als Erfahrung? Man will ja hin-zu, weil es das im alten Job nicht gab, einen dies aber sehr interessiert oder man dies bereits gemacht hat und dahin zurück möchte. Gegenaussage: Interesse reicht nicht, wir wollen praktische Erfahrung (oder andere haben dies kontinuierlich gemacht und werden daher vorgezogen)! Wie soll man die Erfahrung denn bekommen, wenn man die gegenwärtig nur theoretisch aus der Ausbildung hat, an der gegenwärtigen Adresse aber strukturbedingt auch nicht bekommen kann? Was wäre denn dann wohl eine akzeptable Begründung – wie qualifiziert man sich denn für einen Wechsel von der Beratung in die Industrie? Die Welten können doch nicht so verschieden sein, als das man nur für eine Welt gemacht ist? Die Frage, wie stellen Sie sich denn die Arbeit in der Industrie vor? kann man doch gar nicht qualifiziert beantworten, weil man dort nie gearbeitet hat, es nun aber gerne tun würde! Würde man alles bereits mitbringen, was in der neuen Stelle gewünscht ist, müsste man ja nicht wechseln, denn dann hätte man alles bereits in der gegenwärtigen Stelle? Es ist also immer ein weg-von. Mehr Geld darf man ja nie sagen (auch wenn es stimmt). Ist es nicht vielmehr so, dass im Gespräch alles immer (auch) von der Sympathie und Glück abhängt, so dass einem nicht ständig unlautere Motive unterstellt werden, die man nicht hat? Kommt es nicht vielmehr (auch) darauf an, ob einem dies zugetraut wird, auch wenn man es noch nicht gemacht hat? Sonst würde man ja immer nur in seinem Fahrwasser bleiben und man will ja gerade aus dem alten Fahrwasser raus und man könnte auch nie aufsteigen, jeder CEO hat mal als Praktikant angefangen! Und wenn das so ist, wie kann man davon wirksam innerhalb eines Gesprächs von 1 h überzeugen? Ich weiß, das war viel Text …!

Danke und Grüße

Thomas