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Ich hätte gerne zu der nachfolgenden Situation eine ehrliche Meinung:

Seit 2 Jahren befinde ich mich in einer angestellten Teilzeit-Position als Büro-Assistenz in einem inhabergeführten mittelständischen Unternehmen und bis Januar 2019 war ich die andere Hälfte mit einem Einzelunternehmen selbständig tätig. Nach 10 Jahren Selbständigkeit habe ich die Entscheidung getroffen, mein Gewerbe zu schießen, da es mich nicht mehr glücklich machte und zu viel wertvolle Energie sowie Lebenszeit kostete. Ich hatte Sorge zukünftig auszubrennen.

Ende Juni 2019 teilte mir mein Vorgesetzter/Unternehmensinhaber mit, dass sich seine Firma in großen wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten befinden würde und er zu dem Entschluss gekommen sei, personelle Konsequenzen zu ziehen, um die Kosten zu senken. Davon sei u.a. auch meine Teilzeit-Stelle betroffen. Er forderte mich auf, mir bis September, spätestens Oktober 2019, eine neue Stelle zu suchen. An die im Arbeitsvertrag vereinbarte Kündigungsfrist brauche ich mich nicht zu halten. Er würde mich nicht bremsen, wenn ich eine neue Stelle hätte, könnte ich sofort gehen.

Eine Kündigung habe ich bis zum heutigen Tag nicht erhalten und ich habe den Eindruck, dass man sich doch noch eine Hintertüre offen halten möchte, falls es wieder einen Aufschwung in den kommenden Wochen geben sollte, um mich dann weiter an Bord zu halten. Dies wäre für mich auf gar keinen Fall eine Zukunftsperspektive für eine weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit. Seit Anfang Juli verbringe ich jede freie Minute mit der Jobsuche. Zukünftig möchte ich auch wieder Vollzeit angestellt in einem kleinen oder mittelständischen Unternehmen arbeiten. Ich habe schon so einige Bewerbungen verschickt und entweder man bekommt gar keine Antwort, Absagen oder im Bewerbungsgespräch scheitert dann eine Einstellung, weil meine Gehaltsvorstellung zu hoch ist. Ich werde in wenigen Wochen 51 Jahre alt, habe 31 Jahre kfm. Berufserfahrung als Sekretärin/Assistenz, in Deutschland herrscht Fachkräftemangel, soll ich mich tatsächlich auf Gehalts-Dumping einlassen? Ich bin doch keine Bittstellerin, sondern weiß, was ich kann und was meine Arbeit ihr Geld wert ist.

Erst gestern hatte ich ein wunderbares Gespräch auf Augenhöhe in einem sehr kleinen Unternehmen (5 Mitarbeiter und 2 Gesellschafter), welches seit 1997 sehr erfolgreich auf natürliches Bauen mit gesunden, hochwertigen und leistungsfähigen Baumaterialien aus der Natur und natürlichen Rohstoffen sowie Dienstleistung rund um Solartechnik spezialisiert ist. Beide Gesellschafter haben bisher die kaufmännischen Arbeiten selbst erledigt und suchen nun eine Büro-Assistenz (erst einmal Teilzeit (20 h) mit der Perspektive zu Vollzeit), die ihnen zukünftig Arbeiten abnimmt. Mein Arbeitsgebiet soll die allgemeinen und klassischen Büroarbeiten, die Buchhaltung und etwas Marketing beinhalten. Man versprach mir viel Entfaltungspotenzial, insbesondere was das Marketing und Social Media betrifft. Für mich fühlte sich alles gut an, für die Gegenseite auch und dann kam die Frage nach meinen Gehaltsvorstellungen. Ich hatte mich bereits vorher sehr gut informiert und habe auch nicht erwartet, dass das Entgelt in einem so kleinen Unternehmen mit einer Beschäftigung im Konzern gleichzusetzen ist. Daher hatte ich schon einen großen Gehaltsabstrich gemacht. Ein gesundes Betriebs-/Arbeitsklima ist mir extrem wichtig (das wird dort gelebt, das spürt man), aber soll ich mich wirklich unter Wert verkaufen? Die beiden Herren werden von ihren Gehaltsvorstellungen nicht abweichen; dies haben sie mir schon gesagt. Das Unternehmen sei klein und da könne man mir nicht das zahlen, was ich fordern würde. Das sei auch den anderen Mitarbeitern gegenüber ungerecht. Ich begründete meine Forderung mit 31 Jahren Berufserfahrung und den Vorteilen, die aus einem erfolgreichen Marketing resultieren. Außerdem würde ich zukünftig die externe Buchhalterin ersetzen, die bisher die Buchhaltungsarbeiten erledigt hat. Hierzu sei gesagt: Die Dame schließt ihr Buchhaltungsbüro und wechselt in eine Steuerkanzlei. Das wäre mit höheren Kosten verbunden, die man im Unternehmen scheut.

Wie denken Sie hier in der Gruppe darüber? Ich habe Sorge, dass ich verheizt werde und andererseits sehe ich dort so viele Entwicklungsmöglichkeiten. 3 Arbeitsbereiche in einem TZ-Job abzudecken ist eine große Herausforderung, der ich mich jedoch gerne stelle. Aber wenn ich schon 50 km/Strecke zu diesem Arbeitsplatz (der für mind. 6 Monate erst einmal ein TZ-Job sein wird) fahre (Home-Office ist leider nicht möglich, um die Fahrtzeiten zu reduzieren) und man sich noch nicht einmal annähernd an meine Gehaltsvorstellungen orientieren möchte, dann fällt mir die Entscheidung wahrlich schwer. Bis zum 29.07. habe ich Zeit mich zu entscheiden und eine Alternative habe leider aktuell auch noch nicht.

Ich freue mich über Antworten. Evtl. gibt es hier Gruppen-Mitglieder, die gleiche Erfahrungen gemacht haben und/oder z.Zt. machen?

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