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Hallo,

sry, dass ich eine Frage stellen muss, nur bin ich mittlerweile an einem Punkt an dem ich nicht mehr weiter komme, daher muss ich meinen speziellen Fall hier formulieren:

Meine Probleme fingen schon in der Schule an: Ich war gezwungen 6 verschiedene Schulen zu besuchen:

1. Klasse, Grundschule
2.-3. Klasse, Grundschule
4. Klasse, Grundschule
5. Klasse, Gymnasium
6. Klasse, Gymnasium
7.-10. Klasse, Realschulabschluss mit 3,8

Ich hatte immense Probleme mich in die neuen Klassenverbände zu integrieren. Ab der 6. hat sich das auch deutlich in meinen Schulleistungen wiedergespiegelt. Ich bin kein selbstbewusster Mensch und nehme immer selbstlos auf andere Rücksicht. Das bricht mir mittlerweile das Genick. Mein größtes Problem ist meine Unentschlossenheit. Ich kann mich für nichts entscheiden und wäge alles bis ins Extreme ab. Ich hatte bedingt durch die Umzüge meiner Eltern auch nie die Möglichkeit für mich Freundschaften die länger dauern aufzubauen. Ich habe auch keine Kontakte in dem Ort, an dem wir zuletzt gewohnt hatten. Ich würde auch sagen, dass ich aus einer unteren Gesellschaftsschicht stamme. Meine Eltern sind beide Arbeiter. Sie haben ein Haus gebaut und das war einer der Gründe weswegen nie Geld für meine Ausbildung oder dergleichen da war.

Nach der Schule (17) hatte ich absolut keine Ahnung was ich beruflich machen sollte, ich habe mich nicht mal für irgendetwas interessiert. Ich habe die Services der Arbeitsagentur genutzt bin aber danach so schlau gewesen wie vorher auch. Ich war immer gut in den Fächern Deutsch und Kunst weswegen ich eine Ausbildung zum gestaltungstechnischen Assistenten absolvieren wollte. Ich habe in der Schule in Weißenfels auch eine Zusage erhalten. Jedoch konnten meine Eltern mir eine Unterkunft für eine solche Ausbildung nicht bezahlen. Ich musste etwas in der Nähe des Wohnortes meiner Eltern finden. In Hermsdorf hatte ich nach der selben Ausbildung angefragt, die hatten jedoch das Problem, dass sie bereits 3 Klassen voll mit Gestaltern hatten, jedoch Mühe genug Leute zu bekommen um eine Klasse für den technischen Assistenten für Informatik aufzumachen. Bevor ich halt garnichts hatte, habe ich eben das gemacht. Mich haben die Inhalte überhaupt nicht interessiert ich musste halt was machen und habe mich durchgequält. Nachdem ich das 1. Jahr wiederholen musste habe ich dann meinen Abschluss (20) mit 2,8 gemacht. Mehr als alles andere hat mir die Programmierung gelegen, hier hatte ich immer die besten Noten und auch die Lehrer hatten einigermaßen Bock etwas zu machen. Ich habe im Anschluss noch ein halbjähriges Praktikum in einer IT-Agentur absolviert um die FH-Reife zu erhalten. Danach habe ich Zivildienst abgeleistet (21). Das war für mich zumindest sozial ein Lichtblick. Ich stehe noch heute mit einigen Leuten in Kontakt. Danach stand die Frage im Raum wie es weitergehen sollte. Es war eben kein Geld da, ich brauchte etwas mit dem ich gut verdiene und nach meinen eigenen Recherchen war das größte Problem um einen Einstieg in die Arbeitswelt zu erhalten die mangelnde Praxiserfahrung der Bewerber. Ich habe mich daher für eine duale Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung entschieden. Ich habe diese schulisch mit 1,6 abgeschlossen, die IHK-Prüfung mit 3,0. Mein Problem ist, dass der Arbeitgeber aus meiner Sicht extrem schlecht war. Es handelte sich hierbei um einen 25-Mann-Betrieb der keiner Branche eindeutig zugeordnet werden kann. Nun habe ich damals gedacht, dass mir der Betrieb alles beibringt, ebenso auch wie die Arbeitswelt funktioniert, mir vorgibt was ich eigentlich lernen und machen soll und allgemein gesagt sich um alles die Ausbildung betreffende kümmert. Das war im Jahr 2009. Die Wahrheit sah leider so aus, dass meine Ausbildung mein Pech ist und ich als billige Arbeitskraft ausschließlich für die Interessen des Betriebes herhalten muss. Die dachten auch dass ich mir selbstständig alles notwendige aneigne. Das war alles irgendwie sehr befremdlich. Ich habe auch nie einen Bezug von meinen betrieblichen Tätigkeiten hin zur Programmierung/Entwicklung herstellen können. Mittlerweile weiß ich, dass ich dort Tätigkeiten nachgegangen bin die eigentlich ein Gestalter erledigt, es handelt sich hierbei um Satz und Erstellung digitaler Produkte aus medienneutralen Daten. Es war ein Interessenkonflikt: Ich wollte einfach nur lernen und die wollten Gewinnmaximierung. Damals bin ich damit nicht zurecht gekommen weil ich überhaupt keine Ahnung von deren Zielstellung oder der Wirtschaftswelt hatte. Weil die vermutlich immense Probleme hatten überhaupt an qualifiziertes Personal zu kommen haben die mich dann notgedrungen übernommen. Als ich dann nach meinem Ausbildungszeugnis fragte, haben die mich immer wieder vertröstet. Nach einem halben Jahr hat es mir dann gereicht und ich habe gekündigt. Die haben mir ein Zeugnis für den gesamten Zeitraum angeboten, das wollte ich jedoch nicht, ich wollte wissen was ich in der Ausbildung eigentlich gemacht habe und habe auf mein Ausbildungszeugnis bestanden. Gekriegt habe ich es bis heute nicht. Die können mir keins ausstellen, weils keine Ausbildung im eigentlichen Sinne war. Vor Aufnahme der Ausbildung konnte ich das nicht absehen. Ich dachte wirklich ich werde regelgerecht ausgebildet. Der Durchschnittsverdienst über Praktikum, Ausbildung und Festanstellung hinweg betrug für mich etwa 600 EUR.

Ich bin dann in eine 6-Mann-Agentur gewechselt (25). Ursprünglich eine Kreativagentur haben die sich bei meinem Einstieg dann sehr stark in Richtung Entwicklung und Programmierung umgestellt. Wir haben dann halt größtenteils Webseiten programmiert. Flyer und andere kreativen Sachen waren dann eher in der Minderheit. Ich war als Webentwickler hier tätig und habe einige Erfahrungen mit Typo3 sammeln können. Es war eine schöne Zeit, die Leute waren fast wie eine Familie, jedoch habe ich nicht gesehen wie ich mit 900 EUR netto irgendwas bewerkstelligen hätte können. Ich habe mir Gedanken über Fernreisen nach Amerika, Australien und China gemacht, um Familiengründung und auch um die Bezahlbarkeit von Weiterbildungen die auch diese Firma mir nicht gewähren wollte. Auf Nachfrage warum von den vielen Sachen die, die IHK anbietet überhaupt nichts von der Firma angeboten wurde, erntete ich nur stilles Schweigen und die Worte, dass ich doch im Internet alles nachlesen kann und die Bücher in der Agentur nutzen darf. Ich verstand es ehrlich nicht: Auf der einen Seite will die Wirtschaft qualifizierte Leute auf der anderen Seite wollen sie nichts dafür tun und überlassen mich mir selbst. Ich habe diesem Betrieb 300 Überstunden und 5 Arbeitstage geschenkt. Als Dank durfte ich mir mein Arbeitszeugnis nebst Tätigkeiten frei erfinden und der Chef hat es dann vermutlich ohne es sich durchzulesen einfach unterschrieben.

Danach bot sich mir die Gelegenheit an ein Max-Planck-Institut zu wechseln und dort als Webentwickler zu arbeiten. Ich dachte mir Max-Planck als Inbegriff der Forschung und Wissenschaft, hier bist du mit deinen Vorstellungen rundum qualitative Aus- und Weiterbildung genau richtig. Die Folge war, dass es abermals niemanden interessierte ob ich nun irgendetwas lerne oder nicht. In diesen jetzt fast 3 Jahren in dem Institut hat sich auch irgendwie eine gewisse Resignation eingestellt. Ich bin jetzt 30 Jahre alt, werde im Sommer diesen Jahres 31 Jahre alt. Der Vorteil gegenüber den anderen Betrieben sind eine 2,3-Verfachung meines Gehalts, humanen Arbeitsbedingungen und sehr netten Kollegen. Über meine Kollegen habe ich sehr viel über die Arbeitswelt erfahren und wie sie eigentlich wirklich funktioniert. In dem Institut gibt es eben 2 Klassen: Die Befristeten und die Unbefristeten. Weiterbildung erhalten nur die Unbefristeten. Ich habe in dieser Zeit auch viel gelesen (weil ich endlich die Zeit und auch die Kraft dazu hatte) und einige Beratungen aufgesucht die mir bei meinen Problemen helfen sollten. Es standen Fragen im Raum wie, soll ich jetzt noch studieren? Was soll ich beruflich weiter machen? Eigne ich mich überhaupt für ein Studium? etc. Das Ergebnis war sehr gemischt. Einige sagten bleiben Sie wo sie sind, andere sagten gehen Sie studieren. Ich bin danach genauso ratlos gewesen und konnte mich nicht entscheiden was ich tun sollte, daher verharrte ich in der Unentschlossenheit. Eine gewisse Resignation vor dem System lässt sich bis heute nicht leugnen.

Ich habe über die letzten 10 Jahre ein Durchschnittseinkommen von knapp 13.000 EUR brutto erhalten. Große Sprünge waren damit nie möglich, jedoch habe ich mir letzten Herbst endlich einmal etwas gegönnt und bin mit einer Bekannten aus dem Zivildienst nach Vancouver geflogen um mir Stadt und Vancouver-Island anzuschauen. Die Aktion hat mich knapp 4.000 EUR gekostet war es aber echt Wert. Ich habe bis dahin mein Leben lang nie etwas ausgegeben und immer gespart. Ich bin abends nie fortgegangen, habe auch keine Freunde und eine Freundin hatte ich auch nie. Ich wusste nicht wie ich mit dieser Arbeitswelt umgehen sollte und habe alles gespart was ging. Mittlerweile blicke ich auf ein Vermögen von ca. 35.000 EUR. Ich denke nicht, dass es das alles Wert gewesen ist, aber was hätte ich machen sollen? Ich habe kein Chance über Bildung etwas zu erreichen da ich nie wusste wie und die Bedingungen für mich so unglaublich schlecht gewesen sind. Glücklich bin ich definitiv nicht. Ich weiß nicht wie ich an Menschen herantreten soll, wie man feiern geht, wie man einfach unbeschwert lebt. Das habe ich bedingt durch meine Vergangenheit nie erlebt. Meine Fragen sind nun: Was kann ich tun um daran endlich was zu verändern? Was kann ich jetzt noch erreichen? Was sollte ich tun? Wie sichere ich mich gegen das Alter ab? Wo soll ich hingehen? Wo mich bewerben? Auswandern? Ist es woanders überhaupt leichter? Wie überlebt man in einer globalisierten Welt? Ist es sinnvoll überhaupt noch eine Familie zu gründen (Nicht der eigene Sinn, ich würde gerne, aber wie soll ich Sie gegen die Globalisierung absichern)? Wie überlebe ich das Leistungsprinzip und das Diktat des Kapitals und deren Eigentümer? Ich bin seit 1,5 Jahren total unausgeglichen, geistere Nachts durch die Stadt, verbringe meine Wochenenden alleine und denke über Lösungsmöglichkeiten nach aber gegen das alles komme ich nicht an. Das ist einfach zuviel. Mittlerweile versuche ich irgendwie in den öffentlichen Dienst unbefristet zu flüchten, das Gehalt ist mir mittlerweile egal, aber ist das wirklich die Lösung? Alle meine Träume, vom Reisen, Hausbauen, Familiengründung und Karriere sind mittlerweile tot. Alles was ich noch für mich wünsche ist Sicherheit. Wie erlange ich diese?

Meine Eltern konnten mir nicht helfen. Jetzt wo sie sehen was ich für immense Probleme habe mit meinem Leben und der Berufswelt klar zu kommen helfen sie zumindest meinem jüngsten Bruder mehr als mir damals. Ich habe für nichts Leidenschaft oder Interesse oder Herzblut. Arbeiten war am Anfang für mich Mittel zum Zweck. Was sollte ich machen, ich wusste es nicht besser. Ich bin mit ehrlichen Absichten und Hoffnungen in die Ausbildung gestartet. Auch in die Jobs danach. Gehe ich nach Talenten und einer Interessentendenz müsste ich zwangsläufig etwas mit Grafik, Design und Kunst machen. Die Konkurrenz ist hier immens und ich als Mensch der Konflikte scheut hätte wohl kaum eine Chance. Hinzukommt dass ich genetisch bedingt Probleme mit meinem linken Auge habe. Die Sehkraft ist hier aufgrund einer Anomalie leider eingeschränkt. Lange Texte oder gar Bücher zu lesen ist eine echt Qual. Auch stundenlang auf den Monitor zu starren und bspw. Satz aus dem Designbereich zu machen ist sehr schwer. Das dann auch noch unter Druck und am Tag soviel wie möglich ist ein Unding. Programmieren fällt mir im Moment deutlich einfacher was die Sehbelastung angeht. Für die Anwendungsentwicklung fehlt mir jedoch das Talent. Mathe und Logik sind nicht meine Stärken. Ich dachte ich könnte das erlernen, dass das so nicht funktioniert wusste ich damals bei meiner Berufsentscheidung nicht. Meine Stärken sind eher im Schreiben, Zeichnen und kreativen Denken. Alles Bereiche in welchem der Verdienst einem das Genick bricht. Ich weiß auch nicht an wen ich mich sonst wenden soll. Kann mir hier in diesem Forum vielleicht irgendjemand helfen?