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Hallo,
seit 7 Monaten arbeite ich in einer Agentur und betreue den Internetauftritt eines Großkunden. Die Tätigkeit ist sehr komplex. Mein Arbeitsvertrag ist wegen Elternzeitvertretung bis zum Jahresende befristet. Mein ehemaliger Kollege hat mir erzählt, dass die Kollegin weiter weg zieht. Daher wird sie sehr wahrscheinlich nicht wiederkommen und ich hätte die Chance auf einen unbefristeten Vertrag. Mir stellt sich allerdings die Frage, ob ich einen solchen bei diesem Arbeitgeber überhaupt anstreben soll.

Es ist absehbar, dass zahlenlastige Aufgaben, die mir nicht liegen und mich teilweise überfordern, aufgrund der Nachfrage des Kunden in Zukunft zunehmen werden. Oft habe ich schon Kopfschmerzen während der Arbeit bekommen, wenn Termindruck herrschte und ich mit den Aufgaben überfordert war. Das hatte ich bei meinen früheren Arbeitgebern nie. Dort war der Druck nie so hoch. Da auf Kundenseite manchmal spontan über Kampagnen entschieden wird, wird sich in Zukunft nichts daran ändern, dass hin und wieder zeitraubende Arbeiten anfallen, die noch am selben Tag erledigt werden müssen. Meine Kollegin ist erst seit einigen Monaten da. Ich habe sie gründlich eingearbeitet aber sie leidet auch unter dem Stress und ist manchmal überfordert.

Da wir den Internetauftritt eines großen Unternehmens betreuen, muss die Abteilung immer besetzt sein. Das Tagesgeschäft würde es nicht zulassen, dass wir beide gleichzeitig nicht da sind. Wenn meine Kollegin krank wird, ist direkt mein Urlaub in Gefahr – auch wenn er schon genehmigt wurde. Andere Mitarbeiter in wichtigen Funktionen haben überhaupt keine Vertretung und müssen in dringenden Fällen im Urlaub arbeiten, weil manche Aufgaben niemand anders erledigen kann. Wenn ein Mitarbeiter, der an einem termingebundenen Kundenprojekt arbeitet, durch Krankheit ausfällt und der Fertigstellungstermin deswegen nicht gehalten werden kann, kriegen wir direkt Ärger mit dem Kunden. Eine Vertretung für diese Person ist nicht in Sicht (Stelle ist auf der Firmen-Website ausgeschrieben aber das Budget dafür ist zu niedrig). Der Geschäftsführer sieht das Problem nicht oder will/kann es nicht lösen. Er verlässt sich darauf, dass die Mitarbeiter alles selbst organisieren.

Das hört sich erstmal alles negativ an, aber es gibt auch positive Aspekte. Wir können autonom arbeiten, weil sich der Chef nicht einmischt. Die Arbeitszeiten sind flexibel und man darf regelmäßig (1-2 Tage pro Woche) im Home-Office arbeiten. Eine Teilzeittätigkeit ist möglich und menschlich fühle ich mich dort sehr wohl.

Momentan ist es so, dass ich meine Jobsuchagenten schon aufgrund der Befristung aktiviert habe und mir die Stellenanzeigen auch regelmäßig anschaue. Allerdings bewerbe ich mich nur, wenn die Stelle mir von den Aufgaben her zusagt. Aufgrund der positiven Aspekte meines aktuellen Arbeitgebers bin ich relativ wählerisch und ich möchte nicht nur deswegen den Arbeitgeber wechseln, um den negativen Aspekten aus dem Weg zu gehen.

Kürzlich habe ich eine Bewerbung geschrieben und bald habe ich ein Vorstellungsgespräch. Mein Plan ist, darin mehr über die Stelle und die Rahmenbedingungen zu erfahren. Wenn ich es mir nach dem Gespräch nicht vorstellen kann, dort zu arbeiten, dann hat sich der Arbeitgeberwechsel erstmal erledigt. Falls mir alles in Ordnung erscheint und das Unternehmen mich haben will, würde ich einen Wechsel in Betracht ziehen.

Was würdet ihr mir empfehlen? Seht ihr Chancen, bei meinem aktuellen Arbeitgeber etwas Positives zu bewirken?