Vorstellungsgespräch

Selbstreflexion vs. Durchsetzungsfähigkeit

Gefragt am 08. Mai 2017, 17:33 Uhr von Thomas Bronze12 votes, average: 4,08 out of 512 votes, average: 4,08 out of 512 votes, average: 4,08 out of 512 votes, average: 4,08 out of 512 votes, average: 4,08 out of 5
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Liebe Coaches,

ich würde mich freuen, ein paar Einschätzungen von dritter Seite zu folgendem Sachverhalt zu bekommen, den ich in letzter Zeit erlebt habe:

Bewerbungsgespräch – Abwägung zwischen Selbstreflexion und Durchsetzungsfähigkeit. Allgemein gilt beides als positiv, aber beides in einer Person gut zu vereinen ist wohl eher schwierig. Wenn man in Bezug auf unangenehme Tatsachen aus seiner beruflichen Vergangenheit in Zusammenarbeit mit seinem Chef eine selbst reflektierte und selbstkritische Haltung einnimmt, wie einem überall geraten wird, da zu einem Problem wohl immer 2 gehören würden und Selbstreflexion Übernahme von Verantwortung für sein Handeln zeigt, wie schafft man es dann, dass man trotzdem durchsetzungsstark und selbstbewusst rüber kommt, da man ja quasi Fehler eingeräumt hat, auf die der Personaler sich wie ein Vampir stürzt und am liebsten den Rest des Gespräches nur darüber reden würde – tatsächlich haben wir m. E. zu lange im Gespräch über diesen Punkt geredet, obwohl ich bald gesagt habe, dass dies wohl den falsche Schwerpunkt darstelle und wir lieber über meinen aktuellen Job und meine Fähigkeiten reden sollten? Als Feedback nach der Absage bekam ich den Hinweis, dass für diese Position (keine Führungsposition) große Durchsetzungsfähigkeit im Unternehmen und extern erforderlich sei und der Eindruck im Gespräch entstanden sei, dass man zwar sehr selbstreflektiert sei, aber nicht so durchsetzungsstark und selbstbewusst. Offensichtlich besteht da ein Zusammenhang. Wie schafft man die richtige Balance? Wenn man als Graf Koks ohne jeden Zweifel auftritt, gilt dies gemeinhin auch als negativ. (Ich unterstelle jetzt mal, dass die Absage des Unternehmens die Wahrheit war und nicht vorgeschoben). Kann es sein, dass das Unternehmen einen zuvor bereits gar nicht ernsthaft in Betracht gezogen hat oder was kann man verbessern? Danke!

Grüße Thomas


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Hallo Thomas,

in deinem Text lese ich mehrere Dinge heraus, auf die ich gerne eingehen möchte / bzw zum besseren Verständnis Rückfragen habe:

1. Du hattest ein Vorstellungsgespräch in einem neuen Unternehmen? Und du hast dort Schwierigkeiten mit deinem altem Chef / Unternehmen zur Sprache gebracht?
Das würde ich lassen – das sage ich dir jetzt mal ganz direkt. Das ist ein echtes Tabu-Thema. Egal was vorgefallen ist, es hat eine unglückliche Wirkung, wenn der Bewerber schlecht über seinen alten Arbeitgeber/Chef spricht. Da kommt schnell der Eindruck von „hinter dem Rücken über jemand anderen reden“ auf. Auch, wenn es vermeintlich reflektiert ist, die Gefahr, dass du entweder deinen Chef oder dich hineinreitest, ist groß.

2. Du fragst, ob die Fähigkeit zur Selbstreflexion und Durchsetzungsfähigkeit ein Gegensatz sind?
Meiner Meinung nach nicht. Beide Kompetenzen zusammen ergeben sogar eine echte (Führungs-)Stärke.
Sie können aber auch durchaus alleine stehen. Ich kenne eine Menge Führungskräfte, die sehr durchsetzungsstark sind, aber Schwierigkeiten mit der Selbstreflexion haben (genau das bezeichnest du wohl als „Graf Koks“?). Gleichzeitig kann man auch sehr selbstreflektiert sein, ohne viel Durchsetzungsvermögen zu besitzen.

Das Problem mit der Selbstreflexion ist, wenn ich dazu neige, mich in der Analyse zu verlieren/ mit der Situation zu hadern, ohne weiter zu kommen. Und da wäre ich bei einer direkten Frage: Kann es sein, dass du im Gespräch so gewirkt hat?

3. Du fragst, wie du die richtige Balance hin bekommst / was du verbessern könntest?
Auf mich wirkt es, als ginge es hier um die beiden Themen Kommunikation und Selbstbild-Fremdbild. Beides ist miteinander verzahnt und lässt sich hervorragend weiterentwickeln. Entweder auf eigene Faust durch Selbststudium und Unterstützung durch Feedbacks von vertrauenswürdigen Anderen oder eben durch Coaching und Teilnahme an Workshops zu den Themen. Du scheinst daran ja auch großes Interesse zu haben und schreibst, dass dir Selbstreflexion wichtig ist. Vielleicht ist das jetzt ein guter Anlass, da den nächsten Schritt zu machen?

Das sind meine ersten Gedanken zu deinem Text. Kannst du damit was anfangen? Stell gerne Rückfragen, wenn was unklar ist.

Ich hätte auch noch ein kleines Feedback zu meinem ersten Eindruck, als ich den Text gelesen habe. Das möchte ich dir nicht ungefragt geben. Wenn du möchtest, dann schreibe ich es dir gerne. Entweder hier oder auf anderem Wege. Gib mir einfach eine Rückmeldung.

Viele Grüße an dich,
Wiebke Rimasch


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